Der Quickie

Die Gelegenheit für einen Quickie ist günstig. Rein, raus, fertig. Keine Zeitverschwendung. Es gibt durchaus schlechtere Möglichkeiten für einen frühen Vormittag kurz vor Hl. Abend.


 Er checkt die Lage. Kein Konkurrent in Sicht. Da darf es noch ein zweites Fläschchen Wein sein. Er begutachtet das Angebot. Es gibt sicher bessere, aber er will keine Zeit verlieren. Als er sich seiner Auserwählten zuwenden will, die Ernüchterung.

Sie hält Blickkontakt zu einem anderen, lächelt dem Opi auffordernd zu. Überhaupt ist der Andrang plötzlich groß. Steht denn nun die ganze Stadt bei ihr Schlange? Wo kommen die denn plötzlich alle her? Es sollte doch nur eine ganz schnelle Nummer werden!

Was soll's. Er reiht sich ein. Er muss einfach an ihr vorbei. Es gibt keine andere Möglichkeit. Er arbeitet sich langsam vor, schließlich hat er ein umwerfendes Lächeln. Und Wein.

Doch jetzt hängt alles von ihr ab. Also nicht ihr, dem Ziel seiner Mühen, sondern von ihr, die ihm gerade mit Abstand am nächsten ist. Nur noch einen kurzen Augenblick. Wenn er jetzt nicht alles gibt, waren alle Mühen umsonst. Er versucht auf sich aufmerksam zu machen. Er räuspert sich. Keine Reaktion. Sie ist zu sehr mit den Knabbereien beschäftigt. Er versucht einen einhändigen Handstand, den Wein auf den Füßen balancierend. Doch sie hat die Ruhe weg. Ja merkt sie denn nicht, dass sie mit ihm spielt?!

Doch, merke ich. "Wollen Sie vor?", frage ich ihn, mit seinen beiden Weinflaschen in der Hand und Todesangst im Blick, dass er die Feiertage im Laden zubringen muss, sollte die Kassiererin mit meinem riesen-mega-Weihnachtseinkauf beginnen. Er stößt ein erleichtertes Seufzen aus und reicht der Kassiererin die beiden Weinflaschen.

Ich weiß eben, wie man einen Mann glücklich macht.

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