(K)ein besonderer Tag

“Mama? Mama? Bist du wach?” Grummelnd drehe ich mich zur Seite.
“Heute steht Papa mit euch auf!” Papa schnarcht.
“Aber heute ist doch Muttertag!”
Der Sohn zieht meine Augenlider nach oben. “MAAAAMAAA!”


Zum dritten Kaffee schlurft der Göttergatte in die Küche, drückt mir einen flüchtigen Kuss auf, nimmt mir die volle Tasse aus der Hand und entschwindet zur Morgenkippe auf den Balkon. Na sowas!
Ich mache die Betten, räume auf. Dann spähe ich durch den Türspalt in die Küche. Doch der Esstisch sieht aus wie immer.
“Hast du was?”, fragt der Göttergatte, während er in den Prospekten blättert.
“Was soll denn sein?”, gebe ich zurück.
Der Göttergatte steht auf, bleibt kurz vor mir stehen, gibt mir erneut ein Küsschen und verschwindet im Flur. Ich starre ihm nach, rühre mich nicht von der Stelle.
Einen Moment später kommt er aus dem Büro und hält eine wunderschöne Orchidee in den Händen. Hätte mich auch gewundert.
Ich strecke ihm die Hände entgegen. Doch er drückt sich an mir vorbei und stellt die Pflanze auf die Anrichte.
“Meinst du, die wird meiner Mutter gefallen?”
“Bestimmt!”
Ich drehe mich um, um die Wäsche in die Maschine zu boxen.
Nach dem Mittagessen verschwindet er mit den Kindern zu seiner Mutter.

Die Tür fällt ins Schloss und plötzlich droht die Ruhe, die ich sonst genieße, mich zu erdrücken.
Ich räume auf, wo es nichts aufzuräumen gibt, falte die Wäsche, beginne ernsthaft, die Fenster zu putzen. Scheinbar ist heute kein besonderer Tag.
Als ich den Putzeimer umkippe, schleudere ich den Lappen einfach hinterher. Ich sperre mich im Bad ein.


Ich höre den Schlüssel in der Wohnungstür und lasse mich noch tiefer in den Schaum sinken.
“Schatz?” Er drückt die Türklinke. Zu meinem Leidwesen gibt er direkt auf. Mir wird das Herz ganz schwer.

Über eine Stunde später schreite ich einer Königin gleich in die verdächtig stille Küche. Putzeimer, Lappen und Malheur sind zumindest beseitigt. Dennoch! Ich werde schweigen wie ein Grab!
Tatsächlich verschlägt es mir die Sprache.
Der Tisch ist für zwei eingedeckt, Kerzenlicht flackert warm vor sich hin, ein riesiger Strauß Rosen rundet das Bild ab.
Der Göttergatte schenkt gerade Wein ein.
Dann grinst er mich an. “Alles Liebe zum Muttertag!”


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