Corona fährt mit

Ha! Ein neues Thema, das die Nachrichten beherrscht. Auf den Zug muss ich natürlich sofort aufspringen. Die Meldekarte beim Aussteigen ist es mir doch glatt wert. Panik, wohin man blickt. Ein unsichtbarer Feind als Geißel der Menschheit - Husten und Schnupfen. Als wenn das was Neues wäre.

Gut, Spaß beiseite. Der neue Corona-Virus ist natürlich gefährlicher als lediglich Husten und Schnupfen - an einfachem Husten und Schnupfen sterben allenfalls Männer. Mit einer Männergrippe ist schließlich nicht zu scherzen.

Doch, ich kann es nicht lassen. Der Galgenhumor muss sein. Was soll man denn auch anderes tun? Ob ich nun beim Händewaschen weine oder lache, der Virus verbreitet sich trotzdem. Es ist auch völlig egal, ob der Virus gefährlicher als die Influenza ist oder nicht. Wenn es so leicht wäre, eine Ausbreitung über Tröpfcheninfektion aufzuhalten, dann gäbe es keine Grippe- oder Magen-Darm-Wellen.

Besonders scheußlich finde ich ja Magen-Darm.Wenn dir das Kind unvermittelt auf die Couch kotzt, hast du noch Glück gehabt. Es hätte auch das Bett treffen können. Mitten in der Nacht. Nach der dritten Runde kannst du dir dann auch sicher sein: es ist Magen-Darm. Dann beginnt das Zittern. War man vorsichtig genug? Oder wird man selbst krank? Ist mir nicht schon etwas flau oder graust es mir so vor der Krankheit, weil ich sie auf keinen Fall selbst bekommen will, dass ich mir die Symptome schon einbilde? Trotz Händewaschen, Desinfizieren und weiß der Geier hänge ich 36 Stunden später selbst über der Schüssel. Brav wasche ich hinterher die Hände, mache alles sauber, obwohl mir zum Kotzen ist und die Dehydrierung ihren Tribut fordert. Aber anscheinend hat es sich gelohnt. Die restliche Familie bleibt verschont - es könnte aber auch daran liegen, dass beide zum akuten Zeitpunkt nicht daheim waren. Das wird man wohl nie erfahren.

Zurück zu Corona. Die Welt braucht keine weitere Einschätzung, ob der Virus gefährlicher ist als die Grippe. Sie braucht auch keine Ermahnung, dass Hamsterkäufe unnötig sind. Zuviel Outbreak und The Walking Dead geschaut, nehme ich an. Am gefährlichsten ist immer die Krankheit, die man gerade hat. Da kann auch der harmlose Schnupfen zu ner Herzmuskelentzündung, Herzinfarkt und Tod führen.

Ein Ausflug in die Stadt lässt mich allerdings nur darüber schmunzeln, mit welchen Mitteln versucht wird, den Virus einzudämmen. Los geht's am Einkaufswagenhäuschen. Der Griff des Wagens bickt, wie es auf gut Bayerisch heißt, dass ich froh bin, nicht mit Ekel-Herpes geschlagen zu sein. Wer hatte da wohl seine Bratzen dran? Das denk ich mir auch, als ich die Klappe bei den Semmeln hochmache und mein Tütchen fülle. An der Kasse hustet die Kassieren nicht in die Hände. Vorbildlich. Blöd allerdings, dass mein Einkauf im Weg war. Aber zum Glück fährt sie sich gleich mit der Hand über den Mund, bevor sie mir den Bon gibt. Die Kartenzahlung hat mich auch nicht gerettet. Ich habe schließlich nicht mein eigenes Eingabepad dabei. Bis ich endlich im Auto sitze und meine Hände desinfizieren kann, habe ich mir vermutlich schon Pest und Cholera eingefangen. Nur bei einem halbstündigen Einkauf beim Discounter. Da war noch nicht einmal viel los.

Dann zum Vorsorgetermin bei einem Arzt in der Stadt. Bei der Parkplatzsuche fährt vor mir ein Italiener (ohne Witz). Wer weiß, was der bei uns will und noch wichtiger: Wo kommt er her? Corona fährt mit. An der Praxistür. Ich kann die Türklinke nicht mit dem Ellbogen drücken. Die Sprechstundenhilfe wird sich wohl kaum nach jeder Versichertenkarte die Hände desinfizieren. Das Infoblatt über die selbst zu zahlenden Leistungen ist laminiert. Vor mir hatten das am späten Vormittag wohl schon so einige in der Hand, nach mir auf alle Fälle noch drei Leute, bis ich überhaupt dran bin. Im Wartezimmer lese ich auf dem Smartphone Nachrichten. Doch vermutlich hätte ich mir auch eine der Zeitschriften nehmen können, auf die paar Bratzenreste darauf kommt es auch nicht mehr an.

Der Kaffee vom Morgen meldet sich. Ich gehe aufs Klo. Wieder Klinken. Während ich mir die Hände wasche, kommt eine Frau rein, geht auf's Klo und wieder raus. Ohne Händewaschen. Ich drücke die Türklinke mit dem Ellbogen runter. Komme mir dumm dabei vor, überpingelig, paranoid. Die Ärztin begrüßt mich mit Handschlag.

Zuhause räume ich meinen vollgehusteten Einkauf aus. Ich wische nicht jede Packung einzeln ab. Und irgendwie fühlt sich der Hals beim Schlucken etwas dick an. Ich muss mich öfter räuspern als sonst. Hüstele etwas herum, bin irgendwie schnell außer Atem. Bekomme Kopfschmerzen. Vor 14 Tagen hatte meine Tochter 40°C Fieber, Husten und Schnupfen. Hat sie mich angesteckt? Am nächsten Tag bin ich topfit. Zum Glück. Aber wenn es nicht so wäre? Wo habe ich meine Spuren hinterlassen?

Bild: https://pixabay.com/de/users/bierfritze-1416470/

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