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Tante Emma

Wir haben bei uns einen Tante-Emma-Laden. Man kennt sich beim Einkaufen, man bekommt in der Regel alles, was man braucht, kontrolliert aber trotzdem sicherheitshalber noch das Ablaufdatum der Waren, bevor man bezahlt. Gut, es kommt auch vor, dass immer ausgerechnet die Regale leer sind, weswegen man eigentlich einkaufen gegangen ist. Aber das schult schließlich die Flexibilität.

Ja, über unseren Netto im Dorf haben wir uns wirklich sehr gefreut, auch wenn man sich daran manchmal bewusst erinnern muss.

Man ist ja auch lernfähig. Irgendwann weiß man einfach, wann man nur altes Obst und Gemüse bekommt, wann die Regale leer und wann sie voll  sind. Muss man seinen Einkauf eben entsprechend planen. Was würde denn da die Kriegsgeneration sagen, nicht wahr? Die gerne genommen haben, was eben verfügbar war. Und wir würden uns heute drüber aufregen, dass ausgerechnet der fein geschnittene Emmentaler aus ist und der Joghurt aus dem Angebot ist entweder kurz vorm Ablaufen oder aus ist. Gut, man muss ja auch nicht verstehen, wie stinknormale H-Milch zu wenig werden kann. Da gibt es doch Erfahrungswerte. Oder ein automatisches Bestellsystem. Und wenn es wirklich ganz dringend ist, dann fährt man eben hoch in die Stadt zur Konkurrenz. Da ist die Wahrscheinlichkeit doch größer, wirklich alles zu bekommen.

Aber was rede ich. Ich weiß, das sind pure Luxusprobleme!
Was täten wir nur ohne unseren Netto? Was habe ich schon Kurzausflüge mit den Kindern dorthin gemacht, nur dass wir bei nicht so optimalen Wetterbedingungen zumindest ein bisschen frische Luft auf dem Weg dorthin schnappen. Ein Blick in den Kühlschrank und schnell eine WhatsApp an den Göttergatten: "Kannst du nach der Arbeit noch schnell zum Netto...?" (Morgen brauchen wir bitte zwei Becher Mascarpone, zwei Becher Sahne und ein Glas Sauerkirschen! Danke, Schatz!)

Wie so oft schätzt man aber die Dinge erst, wenn man sie nicht haben kann. Ein paar Tage hatte unser Netto nämlich nun zu, weil er neue Regale bekam und neu eingeräumt wurde. Ist ja nicht so, dass Kühlschrank und Vorratskammer nicht eh voll bis an die Decke wären. Ein Einkauf wäre also wirklich nicht nötig gewesen. Und doch ist da dieser innere Sheldon, dem es einfach Unbehagen verursacht, gerade jetzt nicht dort einkaufen gehen zu können. 5 Tage war er zu! Da fiebert dann das ganze Haus auf die Neueröffnung hin. Zweimal noch schlafen, dann können wir wieder einkaufen. Einmal noch schlafen. Dann ist es endlich so weit, endlich hat unser Tante-Emma-Laden wieder offen!

Sie lasen eine Geschichte über Luxusprobleme.





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