Warten aufs Christkind

Nun ist sie fast vorbei, die staade Zeit. Zum Glück, dann kehrt endlich wieder Ruhe ein. Mit jedem geöffneten Türchen im Adventskalender steigt die Aufregung. Bald kommt s'Christkindl! Und legt hoffentlich eine jede Menge Geschenke unter den Baum. Seien wir doch ehrlich. Du kannst den Kindern noch soviel von Christi Geburt und von Liebe und Besinnlichkeit erzählen - ohne Geschenke geht da nix.

Freilich, recht besinnlich mutet es nicht gerade an, wenn die Werbung im Fernsehen läuft und das Kind schreit: "Das will ich!" "Das brauch ich unbedingt!" "Mama! Schau!" Dann führst du ein ernstes Gespräch, was der Unterschied zwischen Wunsch und Bestellung ist und das Christkind nicht in der Bringschuld steht, was der Spross zusammenfasst mit "Also bringt unterm Jahr der Postbote die Geschenke und an Weihnachten das Christkind?" Wenn es nur so wäre!, denkt sich da sicher der ein oder andere Zusteller.

Die Aufgaben des Christkindls sind in den Familien recht unterschiedlich verteilt. Das fängt schon beim Baum an. Da muss ihn das Christkind schleppen, hier wird der Baum schon ausgesucht und aufgestellt, damit man dem Christkind hilft. Wobei die Bedeutung des Helfens im Kern schon einleuchtend ist, mit der Umsetzung in der Praxis aber etwas in Konflikt steht. Es ist aber auch gar nicht so einfach, die Schlaufen der Kugeln um die Zweige zu fädeln, ohne dass sie wieder herunterrutschen. Scherben und Geschrei kann man sich heutzutage ja zum Glück sparen. Nachdem im unteren Drittel des Baumes kein Platz mehr ist, beschließt das Kind, dass er zu Höherem berufen ist: "Mama, ich mach jetzt den Schauer! Ich schau, ob du die Kugeln auch schön aufgehängt hast!" Gschaftig umrundet er den Baum und gibt professionelles Feedback.

Pflichtbewusst steht er auch jeden Morgen vor dem Adventskalender mit kleinen Schokostücken eines völlig unbekannten Herstellers. Mitte des Monats jedoch lässt die Begeisterung nach. Er gibt sich großzügig. Die Mama dürfe die Schokolade essen, er würde gerne teilen. Zu früh über den bewussten Umgang mit Süßigkeiten gefreut. Die Spendierhosen haben Löcher. Als ich meinte, dass ich ihm nicht die Schokolade wegessen würde, macht sich Verzweiflung breit: "Aber du musst! Wenn der Adventskalender nicht leer ist, kommt doch das Christkind nicht! Und mir schmeckt doch die Schokolade nicht!"

Ja, so haben wir alle unsere kleinen und großen Nöte in der Vorweihnachtszeit. Zum Glück lässt sich ja alles mit dem richtigen Wort zur richtigen Zeit lösen.

Ich wünsche euch besinnliche Feiertage mit glänzenden Augen, gutem und viel zu vielem Essen und dem ganz normalen Familienwahnsinn! Wir wollen es doch so ;)


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