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Ach du lieber Nikolaus...

Wenn die Lichterketten leuchten, es im Haus vor glänzt und glitzert, wenn man nach den Wünschen für Weihnachten gefragt wird und die ersten Türchen am Adventskalender geöffnet werden, dann ist es Zeit für die alljährliche Spa´ßbremse.
Wenn man die hinter sich hat, ist der Weg frei für's Christkind. Das stellt auch nicht so doofe Fragen, ob man denn brav gewesen sei. Natürlich war ich brav! Immer! Und wenn nicht... dann erforderten besondere Umstände halt besondere Lösungen. So einfach ist das. Im Juli.

Ab November schleichen sich Zweifel ein. Wobei ich natürlich weiß, dass meine ganzen Lumpereien nicht so schlimm waren, als dass mich der Krampus in den Sack stecken würde. Ich bin ja doch so alles in allem ein braves Kind, oder? Überhaupt hat er gar keinen Platz in seinem Sack, weil unsere Geschenke drin sind. Denn das habe ich schon gelernt. Der große Mann im roten Gewand, mit der roten Mitra, dem weißen Bart, der ihm ständig zu verrutschen scheint und so ernst daher kommt, kann sagen, was er will. Ein kleines Nikolaussäckchen hat er ja doch immer für mich dabei. Also halb so wild! Sag ich mir!

Und doch bin ich rund um den Nikolaustag etwas ruhiger als sonst und spüre ein leises Kribbeln im Bauch, wenn es heißt: "Heute kommt der Nikolaus!" Meine Patschehändchen werden feucht und ich frage Mama sicherheitshalber nochmal, ob sie mich denn so einfach hergeben würde, falls da so ein böser schwarzer Mann käme und mich einsackte? Das neckische Grinsen als Antwort beruhigt mich nicht wirklich. Etwas beklommen nehme ich wahr, wie es immer dunkler wird, der Abend naht.

Bald ist er da, bald ist es vorüber - und da läutet es an der Tür. Jetzt ist er da!

O Schreck, o Graus, er kommt ja doch, der Nikolaus!
Eilig werden Stühle gerückt, sich artig hingesetzt. Was wünschte ich mir ein Loch, in das ich mich verkriechen könnte! Hoffentlich beginnt er nicht mit mir! Aber dann könnte ich durchatmen? Vielleicht vergisst er mich auch?

Doch da sucht er mich schon mit seinem Blick, jetzt bin ich dran, der Krampus scheppert mit den Ketten, das Blut schießt mir in die Wangen. Wo bleibt nur der Datenschutz, wenn man ihn mal braucht?! Ich nicke mechanisch, schüttele den Kopf und gelobe Besserung, stottere einen Vers herunter und dann endlich, endlich kommt der Freispruch. Ich drücke mein Säckchen an mich und spähe schon vorsichtig hinein.

Aufatmen. Jetzt ist er weg! Wieder einmal geschafft. Und eigentlich wird er nächstes Jahr wohl kaum darüber schimpfen, was ich heute anstelle... Das hat er bis dahin bestimmt wieder vergessen!

Bei den Erinnerungen muss ich lächeln. Ein wenig Mitleid habe ich ja schon mit ihm, als er sich so auf den Stuhl drückt und das Urteil über sich ergehen lässt - aber eben nur ein bisschen.


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