Direkt zum Hauptbereich

Stress-Meditation

Stress. Allgegenwärtig und doch nicht fassbar. Arbeit, Kinder in den Kindergarten bringen, kochen, abholen, putzen, ins Bett bringen, waschen, bügeln, Beruf, Bespaßung, das Hamsterrad dreht sich. Ein Tag vergeht schneller als der andere. Da näselt es aus den sozialen Netzwerken in supi-schlauen Spruchbildern: Nutze den Tag, sonst frisst er dich auf. Oder: Dann wachst du eines Tages tot auf und fragst dich, ob es das gewesen ist.


Zum Glück hat die Gegenwart für alles eine Wissenschaft und wo Oma einfach sagte: "Kind, mach lieber eins und dafür gscheid" und "Net hudeln! Vom Hudeln kriegt man Kinder!", das heißt heute Achtsamkeit und meint die bewusste Wahrnehmung alltäglicher Tätigkeiten. Weil "Mach halt einfach langsam" nicht so schick klingt, brauchst du heute eine Morgenroutine und Meditation. In der Abendroutine besinnst du dich auf den heutigen und den morgigen Tag und bist dann auch supi-produktiv. Weil: "Planung ist das halbe Leben" klingt ja so spießig und überhaupt nicht spirituell. Außerdem kann man damit keine supi Klangschalen verkaufen. 

Weil Stress außerdem supi viele Krankheiten auslöst, wenn man sonst keine Probleme hat und es ja für die Krankenkassen billiger ist eine supe Mediations-App zu bezahlen als einen Therapieplatz, kann man eine ganz supi App jetzt also kostenlos nutzen. Wäre mir eigentlich supi-egal, wenn es dafür nicht supi Bonuspunkte gäbe - die ich mir als bares Geld auszahlen lassen kann.

Voraussetzung ist allerdings, dass man den Kurs "Achtsamkeitsbasiertes Stressmanagement" absolviert - das korrekt zu formulieren verursacht schon Stress. Und weil ich Rindviech so supi-pflichtbewusst bin, ziehe ich mich mit meinem Handy und meiner frisch geladenen Mediationsapp zurück. Zuerst gibt es Infos von einem Sprecher, der supi-dupi-gut drauf ist. Seine Stimme nervt mich nach nicht nur einer Minute. Eine Stunde dauert so eine Sitzung! Ja spinnen die. Die Zeit hab ich nicht. "Doch, hast du", sagt der Göttergatte. "Nimm dir nur eine Auszeit." Naja, das klingt ja doch eigentlich ganz supi.

Nach 5 Minuten geht die Tür auf.
"Schatz, oh, entschuldige. Aber könntest du mir schnell sagen, wo...?"
Die Stimme in der App säuselt "Schließe die Augen. Atme tief. Spürst du, wie alle Anspannung aus dir herausfließt?"
Ein Bumser. Heulen. Schreien. Heulen. Türen knallen. 
Die Tür zum Schlafzimmer geht auf: "Mama! Goldlöckchen hat mich gehauen!"
Komm kuscheln.
"...Entspanne deine Arme und Beine..."
"Mama, was hörst du denn da an? Das klingt ja komisch!
"Komm, mein Schatz. Mach einfach mit."
"Nein, das mag ich nicht."
Tür geht wieder auf. Göttergatte ist panisch. Will das Kind wegholen. Das zetert.

Ich mache das Handy aus und gehe mit fernsehen. So eine Meditation ist mir einfach zu stressig.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Oma in der Pflicht?

Auf Einer schreit immer erschien kürzlich ein Gastbeitrag darüber, dass man sich als Mutter Unterstützung von der Oma wünschen würde, die aber ihr Leben in vollen Zügen genießt, sich im Fitnessstudio und auf Reisen herumtreibt, während die Working Mum sich wie im Hamsterrad aus Beruf, Haushalt und Kindererziehung fühlt. Früher sei das ganz anders gewesen. Früher hätten Omas gestrickt und mit dem Enkel auf der Parkbank sitzend Vögel gefüttert.
Ich glaube, hier ist jemand dem "Früher war alles besser"-Irrglauben aufgesessen. Zumindest trifft das gezeichnete Bild der Märchen-Oma nicht auf meine eigenen zu. Diese waren jünger als Zwergnases Omas jetzt und auch noch selbstständig. Demnach musste meine Mutter den Alltag mit zwei Kindern auch alleine stemmen. Meine Omas waren da, wenn Not am Mann war oder wenn meine Eltern eben einmal ausgehen wollten. Ich glaube aber nicht, dass sich meine Mutter gewünscht hätte, dass ihre Mutter und ihre Schwiegermutter sich in ihren Haushalt ei…

Mach Mama müde

Endlich Sommerferien! Man wird die im Kindergarten durch soziales Lernen erworbenen Ungezogenheiten wieder los und man erlebt endlich wieder was. Spannung, Spaß und Spiel hilft gegen jegliche Art und jede Tonlage von "Aber Mama, mir ist langweilig!" Zum Beispiel im Vergnügungspark.
In aller Frühe zieht man sich also viel zu viele Kleidungsschichten an, um für jedes Wetter gewappnet zu sein, packt Proviant ein, für den keine Zeit sein wird und erklärt dem aufgeregt herum hüpfenden Kind, dass es wegen der vielen Leute im Park nicht weglaufen soll. Das Kind nickt artig und läuft schon mal voraus ins Auto. Ähm ja.
Der Parkplatz ist der point of no return. Wenn du aus dem Auto steigst, gibt es kein Zurück. Sobald die ersten Fahrgeschäfte in Sicht sind, scheint der Kopf deiner Kinder vor Freude zu explodieren. "Mama! Schau! Damit will ich fahren!" Während Mama sich noch über ihre brillante Ausflugsidee freut, schlängelt sich der 5-Jährige durch die Leute. Nur sein Ziel…

Von hoffnungslosen Herrchen und ihren Haufen

Ich mag keine Hunde. Sie sabbern, ich mag ihren Geruch nicht und man weiß nie, ob er dich anspringt, wenn du einem begegnest. Aber das Schlimmste sind die Hundehaufen.
Dafür kann das Tier natürlich nichts. Irgendwo muss es sein großes Geschäft verrichten. Und zwar dort, wo es sein Herrchen lässt. Auf Gehwegen, in Sandkästen auf Spielplätzen, in Vorgärten, Garageneinfahrten und auf landwirtschaftlich genutzten Wiesen. Die aufgestellten Hundetütenbehälter werden ignoriert.
Ich kann es mir schon vorstellen. Am Rande eines Weges. Unbeobachtet. Der Hund setzt an, tut, was er tun muss. Es hat keiner gesehen, warum soll man sich die Hände schmutzig machen? Ein Nachbar hat ein Schild mitten in seinen Vorgarten gesetzt, dass sein Garten kein Hundeklo ist. Gegenüber ein Pappschild: "3 Meter Einfahrt - 3 Hundehaufen. Muss das sein?!" Spricht man die Herrchen an, bekommt man nur eine schnippische Antwort und die Haufen bleiben liegen.
Erheblichen Schaden können Hunde auch auf Futterwiesen a…