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Das grüne Gewissen

Letztens war ich im Supermarkt. Der Unterschied zum Discounter ist, dass man dreimal so lange braucht, das Doppelte bezahlt und nur die Hälfte von dem nach Hause bringt, was man eigentlich kaufen wollte.


Dafür ist das Angebot wirklich riesig und man kann ganz bewusste Kaufentscheidungen treffen. Da steht man nämlich vorm Regal, hat das Billigprodukt der Eigenmarke schon in der Hand und Plop! sitzt da so ein grüner Engel auf der Schulter. "Da! Schau mal! Nimm doch das Bio-Produkt und tu was für die Umwelt! Du entscheidest mit dem Kauf über die Zukunft deiner Nachkommen!" und erhebt den Zeigefinger. Dann stehst du da, mit zwei identischen Verpackungen in der Hand. Nur das Etikett ist anders. Naja, und der Preis, drei- oder viermal so teuer als die Eigenmarke. "Verarschen lassen kannst du dich selbst!", verspritzt da auch schon das Teufelchen sein Gift. "Das kommt doch alles aus derselben Fabrik!" Ich teile die Skepsis des Teufelchen.

Aber am Obst- und Gemüseregal schlägt meine große Stunde. Hier kann ich wirklich etwas bewegen und Plastik sparen, indem ich zum unverpackten Angebot greife. Doch auch hier Ernüchterung. Manches gibt es gar nicht ohne Plastik oder ist um ein Vielfaches teurer. Optischer Unterschied - Fehlanzeige.

An der Kasse das böse Erwachen: "Das müssen Sie abwiegen!", quäkt die Dame und drückt mir entnervt mein Obst und Gemüse in die Hand. Ich trotte fünfmal zur Waage und wieder zurück. Die Schlange hinter mir wird länger und länger, die Miene der Kassiererin verdüstert sich zusehends. Es tut mir ja auch furchtbar leid - aber selbst bei ALDI wird an der Kasse gewogen. Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, dass das noch irgendwo anders sein könnte.

Da denke ich so bei mir: Solange es für den Verbraucher irgendwie eine Hürde bedeutet, sich für die umweltfreundliche Alternative zu entscheiden, sind alle Bemühungen der Tropfen auf den heißen Stein. Wir haben hier weder Plastikberge, noch Haltungs- oder Produktionsbedingungen direkt vor Augen, als dass es die Mehrheit wirklich berühren könnte. Der Mensch glaubt nur, was er auch sieht. Der erhobene Zeigefinger ruft allenfalls eine Trotzreaktion hervor, das düstere Bild einer noch dunkleren Zukunft gerade einmal ein Schulterzucken. Ähnlich dem Raucher, dem Angst vor Krebs gemacht wird und dem Übergewichtigen, der vor Diabetes und Herzinfarkt gewarnt wird. Die Vorsätze sind löblich, doch der Schweinehund der Bequemlichkeit ist meistens stärker.

Wenn eine Veränderung wirklich gewollt ist, muss man es dem Konsumenten leicht machen, die "richtige" Entscheidung zu treffen. Die Rahmenbedingungen müssen dafür sorgen, dass der Kunde lieber zum umweltschonenden Produkt greift. So erreicht man auch jene, denen der Umweltschutz schnurz ist. Damit erreicht man mehr als mit 1000 Diskussionen.

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