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Bastelqueen

Bald ist Ostern. Die selbst bemalten Deko-Eier in Zwergnases Kindergartentasche lassen keinen Zweifel zu. Als er sie mir stolz präsentiert, macht sich das schlechte Gewissen breit. Basteln. Wir basteln ja gar nicht zusammen. Ist das nicht ein Mama-Job? Die Fensterbilder bei der Freundin geben mir den Rest. Jetzt wird gebastelt! Dank des Internets mangelt es nicht an Ideen - allenfalls am Material. Die Vorratskammer gleicht bald einem Wertstoffhof. Es stapeln sich Klopapierrollen, leere Milchtüten und große Einmachgläser. Wenn der Göttergatte den Trennmüll entsorgen will, wühle ich panisch darin herum. Bloß keine Ressourcen vergeuden! Ein Windlicht geht immer. Aus einem Shop in der Innenstadt, der überwiegend Artikel für 1 Euro verkauft, schleppe ich einen ganzen Karton Material heim. Pfeifenreiniger, Stempel, Acrylfarben, Modellierknete, Kulleraugen, Farbpapier, Wolle, Glitzer, Kleister und Kleber.

Zwergnase entscheidet sich für Osterhasen aus Klopapierrollen, die er unbedingt mit den Acrylfarben vollbatzeln will. Batzeln oder Optik? Ich erinnere mich, warum ich lieber kaufe als bastele. Man muss eben Prioritäten setzen, gestehe ich ihm zu. Ich versuche zu retten, was zu retten ist. Zwergnase reißt mir die Rolle aus der Hand. “Mama! Das gehört doch so!” Ach ja… Während unsere Glitzer-Hasen trocknen, schneidet Zwergnase Ohren aus Farbkarton aus. Das klappt doch schon ganz gut, wenngleich ich noch nie einen grünen Hasen mit blauen Ohren gesehen habe. Bald verstehe ich, dass das auch gar nicht sein kann. Wir haben es nämlich mit einem Monster-Hasen mit drei Kulleraugen zu tun. Ostern oder Halloween, was soll’s. Ich zeige Zwergnase dennoch meinen Hasen, der etwas naturgetreuer ist, soweit man das von einem Osterhasen behaupten kann. Gönnerhaft meint er: “Schon ganz gut, Mama, aber der braucht mehr Action! So ist der doch langweilig!” 

Am Ende besteht unsere Osterdeko aus einem Monsterhasen, einem Vampirhasen und einem Dino-Ei, aus dem gerade ein T-Rex schlüpft. Als ich am nächsten Tag wieder basteln möchte, meint er nur: “Ach, Mama, mach du das. Das ist Frauensache!” Na, danke.

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