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Es werden Posts vom 2019 angezeigt.

Der Osterhase auf der Autobahn

Feiertage sind toll. Man kostet die Tage voll aus. Das meine ich wörtlich. Die Kinder sind voller Vorfreude und hüpfen vor Nervosität höher als der Osterhase. Das heißt im Klartext, dass dir Kind 1 um 5.30 Uhr die Augenlider aufzieht und verkündet, nicht mehr müde zu sein, während dir Kind 2 das Schlafshirt hochzieht, um wild auf deinem Bauch herum zu klatschen.

Kennen Sie die Szenen im Film, wenn die Figur in ihre Wohnung zurückkehrt und feststellt, dass diese von Verbrechern durchsucht worden ist? Die Kinder übernehmen das, noch bevor der erste Kaffee durch ist. Es kommen allerhand verschollener Gegenstände zum Vorschein und unter der Couch wird auch wieder einmal durchgewischt. Doch der Osterhase war noch nicht da.

Wie denn auch. Vor dem ersten Kaffee macht der schließlich nichts. Gewerkschaft und so. Weil das Wetter ein Traum ist, soll der seine Nester draußen im Garten verstecken. Doch Zwergnase ahnt was und es ist gar nicht so leicht, aus der Tür zu schlüpfen.

“Mama, wo gehst du …

S'Gscheidhaferl

Das Ziel der Kindererziehung besteht darin, den Sprössling so fit für die Welt zu machen, dass er ohne Mami und Papi überleben kann. Goldlöckchen wird demnächst ausziehen. Nach nur guten eineinhalb Jahren haben wir das Ziel erreicht. Sie kann den Haushalt führen und sich selbst versorgen. Sie verfügt über eine ausgesprochen gute Problemlösungskompetenz, die an Einfachheit und Effizienz nicht zu übertreffen ist. 
Schon morgens sucht sie sich fachmännisch die Kleidung für den Tag aus, dabei kennt Goldlöckchen keine Kompromisse. Danach kümmert sie sich um ihre alten und gebrechlichen Eltern, denen sie die Socken nachträgt, bis Mama und Papa ordnungsgemäß gekleidet sind. Als dann stellt sie die Hocker für sich und den Bruder ans Waschbecken und schiebt eben diesen ins Bad zum Zähneputzen. Wahlweise zieht sie ihn auch an der Hand. Sie legt ihren Schnuller ab und schiebt sich die Ärmel zurück. Sie weiß, wie der Hase läuft und quietscht energisch, wenn man sich ihr in den Weg stellt. Widerr…

Bastelqueen

Bald ist Ostern. Die selbst bemalten Deko-Eier in Zwergnases Kindergartentasche lassen keinen Zweifel zu. Als er sie mir stolz präsentiert, macht sich das schlechte Gewissen breit. Basteln. Wir basteln ja gar nicht zusammen. Ist das nicht ein Mama-Job? Die Fensterbilder bei der Freundin geben mir den Rest. Jetzt wird gebastelt! Dank des Internets mangelt es nicht an Ideen - allenfalls am Material. Die Vorratskammer gleicht bald einem Wertstoffhof. Es stapeln sich Klopapierrollen, leere Milchtüten und große Einmachgläser. Wenn der Göttergatte den Trennmüll entsorgen will, wühle ich panisch darin herum. Bloß keine Ressourcen vergeuden! Ein Windlicht geht immer. Aus einem Shop in der Innenstadt, der überwiegend Artikel für 1 Euro verkauft, schleppe ich einen ganzen Karton Material heim. Pfeifenreiniger, Stempel, Acrylfarben, Modellierknete, Kulleraugen, Farbpapier, Wolle, Glitzer, Kleister und Kleber.
Zwergnase entscheidet sich für Osterhasen aus Klopapierrollen, die er unbedingt mit de…

Die Fahrradtour

Ich weiß ja nicht, wie andere das machen, aber mehr Bewegung habe ich mit meinen Kindern nicht. Statt selbst aktiv zu werden, stehe ich die meiste Zeit recht reglos neben den spielenden Kindern. Doch endlich ist es soweit! Zwergnase kann so gut Rad fahren, dass wir einen Ausflug machen können. Der Göttergatte erhält Anweisung, meinen Drahtesel auf Vordermann zu bringen und einen Fahrradsitz für Goldlöckchen zu montieren. Das wird toll! Ich stecke Zwergnase mit meiner Vorfreude an.

Der Aufbruch erfordert Planung. Nicht nur der Proviant für eine Woche, sondern der Helm in Griffweite und Zwergnase abfahrbereit. Denn mein alter Drahtesel muss sich schon stützen, wenn er nur den Sitz trägt. Mit Goldlöckchen drin würde er einfach umfallen. Das Fahrrad und ich verschmelzen zu einer Einheit.

Auf dem Fahrradweg stelle ich schnell fest: Zwergnase ist ein Sonntagsfahrer. Er schaut links, er schaut rechts, fährt natürlich auch in die Richtung, in die er schaut, reißt im letzten Moment den Lenker he…

Schuhkauf für Fortgeschrittene

Zwergnases Zeh schnappt frische Luft. Direkt durch ein Loch des rechten Hausschuhs. Also ab ins Schuhgeschäft. Goldlöckchen staunt vor der Regalwand. Eine Mädchen eben. Zwergnase zählt mir auf, welche Superhelden auf den Schuhen sein sollen. Ein Junge eben. Der Göttergatte trottet missmutig hinter mir her. Ein Mann beim Shopping eben. Ich wiege verschiedene Hausschuhe für Zwergnase in der Hand. “Die will ich aber nicht!”, quäkt es plötzlich hinter mir. “Aber die sind doch schön”, entgegne ich. “Ich will welche mit Paw Patrol!” Das habe ich befürchtet. Ich habe längst gesehen, dass es keine Fellfreunde in der passenden Größe gibt. “Da sind doch gar keine Superhelden drauf!”, beschwert er sich. Ein Problem, das nur Eltern in ihrer Gänze erfassen können. Der Göttergatte sieht gelangweilt nach Goldlöckchen. Schließlich ist Zwergnase mit den Hausschuhen ohne Superheld einverstanden, wenn er im Gegenzug Sneaker wie sein Papa erhält. Puh. Ein Glück.
Wo bleibt eigentlich der Göttergatte? Der…

Was Gender-Wahnsinn und Weltfrauentag gemeinsam haben

Ich kann nicht anders. Bei Gender-Wahnsinn und Weltfrauentag muss ich mit den Augen rollen. Selten werden Ressourcen so sinnlos verballert wie bei diesen beiden Themen, vor allem Zeit und gesunder Menschenverstand. Ich will behaupten: Die Diskussion beider Themen verfehlt nicht nur das Ziel von mehr Gleichberechtigung, sie schadet ihm sogar.
Die Befürworter der sprachlichen Akkuratheit, bei der sich niemand mehr sicher sein kann, nun wirklich politisch korrekt formuliert zu haben, argumentieren damit, dass Sprache und Gedanken Realität schaffen. Nur wer beide Geschlechter oder wieviele auch immer anspreche, sorge dafür, dass diese nebeneinander gleichwertig auftreten und Diskriminierung keine Chance habe. Doch ist es nicht viel mehr so, dass das ständige Gerede von Ungerechtigkeit, Diskriminierung und Ausgrenzung gerade dazu führt? Dass durch das penible Auseinanderdröseln aller möglichen Eventualitäten erst Gruppen von Menschen geschaffen werden, denen durch diese Formulierungen eine…

Was für ein Theater - Wie Eltern das Geld aus der Tasche gezogen wird

Wenn man Kinder hat, ist man immer auf der Suche nach neuen Unternehmungen. "Man will den Kindern ja was bieten" heißt es da. Man weiß zwar auch, dass man dafür nicht zwingend Geld ausgeben muss, die lieben Anbieter aber alles dafür tun, um mit den dummen Eltern ihren Reibach zu machen. Kommt mir jetzt nicht mit "Die müssen ja auch von was leben", "Die haben Kosten und Auslagen!", "Aber das ist doch schön gemacht!" So ein Käse. In den allermeisten Fällen zahlt man überteuerte Preise für eine miese Gegenleistung. Davon will ich erst gar nicht anfangen, dass Süßigkeiten, Luftballons und Souvenirs strategisch so platziert sind, dass man entweder noch mehr Geld da lässt oder aber sein erzieherisches Können beim Wutanfall des Kleinkindes unter Beweis stellen darf.
Natürlich war Zwergnase begeistert, als er die Ermäßigungskarte für das Puppenspiel "Ritter Rost und das Gespenst" aus dem Kindergarten nach Hause brachte. Einen Euro würde man s…

Biene sticht Bauer - Gedanken zum Bürgerbegehren

"Rettet die Bienen!" - Wer will das nicht? Das muss man den Initiatoren lassen. Indem sie die arme kleine Biene Maja auf ihrer Klatschmohnwiese bedrohen, nimmt man allen Gegnern den Wind aus den Segeln. Wer Kritik am Gesetzesentwurf äußert, wird (vor allem in den sozialen Medien) schnell ausgehebelt: "Also willst du, dass die Bienen aussterben?" "Nein, natürlich nicht!" "Also musst du unterschreiben!" Bäm. Ende der Diskussion.

Die Fronten verhärteten schnell, das Motto "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns!" ist allgegenwärtig. Wegen der paar Änderungen im Bayerischen Naturschutzgesetz werden weder die Bauernhöfe aussterben, noch wäre im Falle eines Scheiterns die Welt untergegangen - nicht zuletzt, wenn man einmal ganz logisch die Gesamtfläche Bayerns an derselben bedenkt. Ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber etwas tun ist besser als nichts tun. Irgendwer muss schließlich anfangen. Über das Wie kann man sich streiten, aber wichtige…

Schöne Bescherung

Es gibt Tage, an denen sollte man es vermeiden, einen Arzt zu benötigen. Weihnachten zum Beispiel oder überhaupt die Zeit zwischen den Jahren, wenn die Welt im Winterschlaf versinkt und alles auf Sparflamme läuft. Mir schwante also nichts Gutes, als ich Weihnachten mit einem stechenden Schmerz im rechten Arm aufwachte, der mir die Tränen in die Augen schießen ließ.  Ich konnte entweder stehen oder liegen, aber sitzen war unmöglich. Da half auch kein Schmerzmittel aus Omas Giftschrank. Ich musste zum Bereitschaftsdienst ins Klinikum Deggendorf, sonst würden die Feiertage die Hölle auf Erden.

Der diensthabende Orthopäde bejahte meine Befürchtung eines Bandscheibenvorfalls mit starkem Akzent, spritzte mir ein Schmerzmittel und schickte mich mit drei erbettelten Ibus nach Hause. Von der Notaufnahme würde ich auch nichts anderes erhalten, erklärte er mir auf Nachfrage. Er könne mich nicht einmal röntgen. Der Hausarzt würde ein MRT veranlassen und dann sähe man weiter. Na toll. Mein Hausarz…