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Die kalte Schulter

Es gibt Möbelstücke, die sind wie ein guter Freund. Man fühlt sich rundum wohl und wünscht sich, dass die gemeinsame Zeit nie enden würde. Doch die Lebensumstände verändern sich, was einst passte wird nun unpassend. Plötzlich ist die Beziehung fad und abgelegen. Es drückt hier und da und du weißt, etwas Neues muss her. Wie es der Zufall will, denkt sich das auch der Bekannte eines Bekannten... - ihr wisst schon. Auf alle Fälle will der seine neuwertige Ledercouch zu einem Bruchteil ihres Anschaffungswertes loswerden. Ideal für uns! Abwischbares Leder ist äußerst kinderlieb und so geben wir ihr das Ja-Wort.
Doch prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht was Besseres findet! 
So ist es eben, wenn man sich vorher nicht beschnuppert. Man hegt große Erwartungen. Zu große, die dann bitter enttäuscht werden. Dass sich die Couch einfach abwischen lässt, ist schon der einzige Vorteil. Ansonsten leben wir aneinander vorbei. Manchmal hat das Herz eben seine Gründe, die die Vernunft nicht kennt. Kalt steht sie da, während die alte uns mit warmen Umarmungen umfing. Ständig schiebt sie uns von sich, lässt keine Nähe zu. Lässt sich nichts überziehen. Sie sträubt sich gegen jedwede Benutzung wie ein störrischer Esel. Eine teure Diva, die gepflegt werden will, ohne eine Gegenleistung dafür zu erbringen, das Miststück.

Wir sind enttäuscht. Doch nicht nur das. Der Grad unserer Frustration wächst von Sonntag zu Sonntag.
Denn sie will einfach nicht mit uns schlafen. 
Was haben wir mit der alten Couch gekuschelt. Ganze Wochenenden haben wir mit ihr zugebracht, haben uns nur in akuten Notfällen von ihr wegbewegt. Ein Versprechen gegenseitiger Treue verband uns mit ihr, während uns die neue nur die kalte Schulter zeigt. Wie es eben so ist, beginnt man, sich voneinander zu entfernen. Da umgarnt der gepolsterte Gartenstuhl und gurrt der bequeme Küchenstuhl. Und hätte ich nicht sogar noch eine Gartenliege auf dem Dachboden?

Es flattern Kataloge ins Haus, hier mit günstigen Wiedereröffnungspreisen, dort mit Rabattaktionen. Unanständig billig biedern sie sich an und versprechen die Erfüllung unserer Sehnsüchte. Breite Liegewiesen, gemeinsame Stunden, in denen uns zärtlich über die Haut gestreichelt wird, die weichen Veloursbezüge schmeicheln uns nur beim Anschauen! Wir könnten heulen. Es widerstrebt uns, die erst angeschaffte Couch schon wieder austauschen.
Einmal ex und hopp. So sind wir nicht! Eigentlich. 
Schließlich geben wir nach. Die neue prüfen wir ausgiebig. Gleich früh stehen wir vor ihr, umkreisen sie von allen Seiten. Prüfen forsch ihr Angebot. Ausgiebig liegen wir Probe. Drehen und wenden uns, lassen den Popo lasziv auf- und niederwippen. Antwortet sie uns? Passt sie sich uns an? Erfüllt sie unsere Wünsche? Ja, wir könnten uns durchaus eine gemeinsame Zukunft vorstellen. Denn egal, was andere behaupten, es kommt eben doch auf die (innere) Größe an.


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