Direkt zum Hauptbereich

IKEA hat mein Bett geklaut!

Der große IKEA-Fan war ich noch nie. Nur wenige Möbel aus Schweden nennen wir unser eigen. Als wir umgezogen sind, wollte ich zum Leidwesen meines Mannes für die Kinder ein PAX-Kleiderschranksystem. Die beiden Schiebetürenschränke haben sich aus mehreren Gründen als teurer Fehlkauf herausgestellt. (Ja, Schatz, du hattest recht.) Doch IKEA wirbt ja mit seinem Rückgaberecht. Für Zwergnases Bett galt eine lebenslange und für die beiden Schränke eine einjährige Frist bei Erstattung des vollen Kaufpreises! Alter Schwede! Sofort beauftragte ich online den Abtransport von PAX & Co. Bei der Terminvereinbarung war die Dame am anderen Ende der Leitung sehr entgegenkommend.

Sie: "Ich hätte einen Termin am Donnerstag."
Ich: "Hm, ginge nicht ein Mittwoch auch? Da hätte mein Mann frei."
Sie: "Ah, schön. Also Donnerstagnachmittag zwischen 13 und 17 Uhr. Sehr gerne. Bitte demontieren Sie die Möbel für den Transport!"

Um 12 Uhr mittags standen zwei Männer einer Möbelspedition vor der Tür, von dem gelb-blauen Firmenlogo keine Spur. Mit starkem Akzent verlangten sie die Herausgabe der Möbel. Hätten sie mir nicht  die Rückgabeetiketten mit meinem Namen gezeigt, hätte ich glauben können, wir würden ausgeraubt. Sie fluchten laut, als sie die wertvollen schwedischen Einzelteile sahen. Theatralisch warf der eine die Hände über den Kopf. "Wird alles kaputt gehen! Wird alles kaputt gehen! Hast du nicht andere Möglichkeit für diesen Schrott?"  Ah, er hatte das Problem also erfasst! Widerwillig wies er seinen Kumpanen an, den Sperrmüll aufzuladen. Er ließ mich noch die Abholung quittieren und ließ mich ohne jeglichen Beleg zurück. Verdattert stand ich da. Na, ob das mal gut geht.

Tagelang geschah nichts. Ich tröstete mich schon damit, dass ich wenigstens nichts mehr für die Entsorgung hatte zahlen müssen. Die E-Mail von einem unbekannten Absender mit dem sehr aussagekräftigen Betreff "Auftragsdokument" hätte ich beinahe gelöscht. Hinter der PDF namens "Abholschein" erwartete ich einen Trojaner. Zum Glück war in der Mail die Rede von IKEA, no risk no fun, oder? Entzückt ging ich alle Posten durch. Doch schnell folgte die Ernüchterung. IKEA hat mein Bett geklaut!

Ich schrieb eine Mail an den Kundenservice und bat um Berichtigung. Irgendwo musste das Bett ja sein. In Gedanken sah ich mich schon auf der Polizei die Möbelspedition anzeigen. Es passierte nichts. Von dem sich eindeutig IKEA zuweisen lassenden Absender KUSE-BACKOFFICE kam schließlich eine Mail mit dem Anhang Gutschrift und Rechnung für die beiden Schränke. Mein Bett blieb weiterhin abgängig. Meine Chance! Ich erpresste IKEA. Wenn sie mir mein Bett nicht erstatteten, würde ich keine Transportkosten bezahlen! Ha! 149 Euro für die Abholung treffen den Konzern bestimmt! Tatsächlich fand der Mitarbeiter mein Bett und versprach die Überweisung des Betrags, der auch wenige Tage später vollständig auf meinem Konto einging.

Alles in allem fühlte ich mich, als würde ich ein illegales Geschäft abwickeln, zu dem IKEA jegliche Verbindung vertuschen wollte. Bis auf das zeitweise untergetauchte Bett funktionierte alles tadellos. Nur mein Mann ist über alle Dinge betrübt, dass er den Schweden nicht hinterherwinken konnte. Es hob seine Laune deutlich, als ich ihm erzählte, dass ich Zwergnases neues Zimmer inklusive Lieferung und Montage beauftragt hatte. Als ich ihm darüberhinaus noch schwor, dass mir kein IKEA-Möbel mehr ins Haus kommt, erneuerte er sein Eheversprechen.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Oma in der Pflicht?

Auf Einer schreit immer erschien kürzlich ein Gastbeitrag darüber, dass man sich als Mutter Unterstützung von der Oma wünschen würde, die aber ihr Leben in vollen Zügen genießt, sich im Fitnessstudio und auf Reisen herumtreibt, während die Working Mum sich wie im Hamsterrad aus Beruf, Haushalt und Kindererziehung fühlt. Früher sei das ganz anders gewesen. Früher hätten Omas gestrickt und mit dem Enkel auf der Parkbank sitzend Vögel gefüttert.
Ich glaube, hier ist jemand dem "Früher war alles besser"-Irrglauben aufgesessen. Zumindest trifft das gezeichnete Bild der Märchen-Oma nicht auf meine eigenen zu. Diese waren jünger als Zwergnases Omas jetzt und auch noch selbstständig. Demnach musste meine Mutter den Alltag mit zwei Kindern auch alleine stemmen. Meine Omas waren da, wenn Not am Mann war oder wenn meine Eltern eben einmal ausgehen wollten. Ich glaube aber nicht, dass sich meine Mutter gewünscht hätte, dass ihre Mutter und ihre Schwiegermutter sich in ihren Haushalt ei…

Mach Mama müde

Endlich Sommerferien! Man wird die im Kindergarten durch soziales Lernen erworbenen Ungezogenheiten wieder los und man erlebt endlich wieder was. Spannung, Spaß und Spiel hilft gegen jegliche Art und jede Tonlage von "Aber Mama, mir ist langweilig!" Zum Beispiel im Vergnügungspark.
In aller Frühe zieht man sich also viel zu viele Kleidungsschichten an, um für jedes Wetter gewappnet zu sein, packt Proviant ein, für den keine Zeit sein wird und erklärt dem aufgeregt herum hüpfenden Kind, dass es wegen der vielen Leute im Park nicht weglaufen soll. Das Kind nickt artig und läuft schon mal voraus ins Auto. Ähm ja.
Der Parkplatz ist der point of no return. Wenn du aus dem Auto steigst, gibt es kein Zurück. Sobald die ersten Fahrgeschäfte in Sicht sind, scheint der Kopf deiner Kinder vor Freude zu explodieren. "Mama! Schau! Damit will ich fahren!" Während Mama sich noch über ihre brillante Ausflugsidee freut, schlängelt sich der 5-Jährige durch die Leute. Nur sein Ziel…

Das Hausschwein

Jedes Mal, wenn ich nach dem Mittagessen unter den Tisch schaue, erscheint mir ein Haustier erstrebenswert. Der Küchenboden wäre jederzeit krümelfrei, geradezu wie geschleckt. Freilich müsste man darauf achten, dass das Tierchen alles verträgt und Übergewicht soll es von den Portionen unter dem Tisch ja auch nicht bekommen. Mit so einem Tier übernimmt man schließlich Verantwortung.

Warum eigentlich nicht? Nach kurzen Recherchen bin ich los und komme mit Pumba wieder heim, unserem neuen Hausschwein, ein kleines Allesfresserchen.

Zunächst sitzt Pumba nur in der Ecke. Soll er sich nur eingewöhnen. Ich sichere derweil die Wohnung. Nicht, dass Pumba versehentlich irgendwelches kleinteiliges Spielzeug erwischt oder sich an herunterhängenden Kabeln zu schaffen macht. Da muss man schon vorsorgen. Man kann sich kein Haustier anschaffen und glauben, dass alles so weiterläuft wie bisher!

Schließlich ermuntere ich Pumba zu einer Erkundungstour. Seine Neugier ist geweckt. Zielstrebig läuft er auf …