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Bis zum bitteren Ende

Das Thermometer zeigt 35 °C. Auf den Terrassenfliesen, in der direkten Sonne. Die Wetterstation ist längst nicht so gnädig. Über 23 °C kommt sie nicht hinaus. Der Himmel ist herrlich blau über den sich färbenden Blättern. Auf einmal war der Herbst da. Schleichend. Zuerst merkte man es nur daran, dass es in der Nacht abkühlte und morgens auf dem Balkon kein T-Shirt mehr reichte. Ich habe mit Zwergnase ein Tablett mit Zier-Kürbissen, Teelichtern und Blättergirlande dekoriert. Daneben steht nun unsere Freibadtasche, in die ich Handtücher, Bikini, Badehose und Proviant stopfe. Der September schreckt uns nicht ab. Während andere ans Drachensteigen denken, wollen wir noch einmal planschen. Das Freibad gehört uns praktisch allein, seine Saison naht sich dem Ende vor der langen, langen Pause. Die 50 Freibadbesuche machen wir doch locker voll.

Was für ein Sommer! Er gönnte uns praktisch keine Pause vom Baden. Von den Gewittern mitten am Nachmittag ließen wir uns nicht die Laune verhageln. Wir nicht! Während der Wiesennachbar besorgt die schwarze Gewitterfront beäugte, liefen wir los und kauften Pommes für Zwergnase. Er starrte uns fassungslos an. Ob wir denn keine Sorgen hätten, dass hier gleich der Weltuntergang stattfinde? Keineswegs! Wir erklärten ihm, aus welchen Himmelsrichtungen Unwetter zu befürchten seien und aus welchen nicht. Die Wiese um uns herum leerte sich, als der Wind etwas zunahm und das Donnergrollen näher rollte. Doch auch er blieb sitzen, nicht halb so entspannt wie wir, aber er wollte es wissen. Drei Stunden später packte er bei strahlender Abendsonne seine Tasche und bedankte sich für das Wetter-Orakel. Er sei von weiter weg und es hätte ihm um den teuren Eintritt leidgetan. Dass wir dieses Jahr nicht immer richtig lagen, sagten wir ihm nicht.

Jetzt, am Ende der Saison, liegen wir direkt am Wellenbecken. Hier ist es warm genug. Zugegeben, gerade so. Zwergnase übt vor unseren Augen seine ersten Schwimmzüge, hüpft ins Wasser und rutscht, was das Zeug hält, ohne anstehen zu müssen. Entsprechend durchgefroren ist er, als er aus dem Wasser krabbelt, hält sich bibbernd den Körper und schlüpft rasch in den von der Herbstsonne vorgewärmten Bademantel. Als wir gegen 17 Uhr nach Hause aufbrechen, sind wir froh, dass das Auto in der untergehenden Sonne steht, daheim schlüpfen wir in lange Hosen. Wenn andere über unsere Freibadsucht den Kopf schütteln, muss ich lächeln. Eigentlich... haben wir die Schnauze schon seit Mitte August voll. Und eigentlich sind die Temperaturen wirklich schon grenzwertig. Aber vor uns liegt eine lange Wintersaison, an deren Ende wir schon mit den Hufen scharren. Denn so ein Freibadnachmittag ist sehr kurzweilig und die Kinder fallen abends fix und fertig in die Federn. Da muss man eben Opfer bringen und jeden Tag ausnutzen. Gut, dass das Freibad nun endlich zu hat und wir uns vom Sommer erholen können.


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