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Am Ende wird alles gut

Apfelbäckchens Impftermin kommt mir sehr gelegen. Eine Praxis weiter lasse ich mich gleich selbst gegen Grippe impfen, um ein neuerliches Grippenspiel zu vermeiden. Außerdem will ich noch schnell den Reisepass im Rathaus abholen und anschließend muss ich mir noch Schlafanzüge kaufen, denn die Bestellung aus einem Online-Shop kommt und kommt nicht an. In meinem Kundenkonto ist sie auch nicht auffindbar und mir ist es schlichtweg zu dumm, Nachforschungen zu betreiben. Kaufe ich eben woanders.

Beschwingt wagele ich also ins Foyer des Rathauses. Ich werde von vielen grimmigen Gesichtern empfangen. Ich ziehe meine Nummer und gleiche sie mit dem Monitor ab. A 113. Doch ich entdecke nur andere Buchstaben mit Nummern auf der Anzeigentafel. Super, dann muss ich vielleicht doch nicht so lange warten. Ich positioniere mich neben einer Dame, die gerade zu schimpfen anfängt. "Der letzte ging vor 20 Minuten rein! Seitdem ist nichts passiert und davor habe ich auch schon 20 Minuten gewartet!" Oh. Sie zeigt mir ihre Nummer. A 111. Oh oh. Andere diskutieren bereits, ob die Anzeige vielleicht kaputt sei. Wie heißt es doch gleich?
Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann.
Gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann.
Und gib mir die Weisheit, das eine von dem anderen zu unterscheiden.
 Nachdem ich eine Stunde über diese Weisheit meditiert, alle ausliegenden Broschüren studiert und über den Hinweis auf der Anzeigentafel gelacht habe, dass man einen Termin vereinbaren könne, um Wartezeit zu vermeiden, wird die A 112 aufgerufen. Jetzt bin ich aber gleich dran! Der Herr A 112 verlässt den Schalterraum und ich warte nur noch auf die Anzeige. PING! E 108. Schalter 1.

Mit meiner Gelassenheit ist es nicht mehr weit her, vielleicht sollte ich es doch einmal mit dem Mut, Dinge zu verändern versuchen. Denn das Bürgeramt ist angesichts der abgearbeiteten Anliegen offensichtlich unterbesetzt. Ich fasse mir ein Herz und frage an der Anmeldung freundlich nach einem Feedback-Bogen für den "Ihre Meinung ist uns wichtig!"-Kasten, den ich zwar noch nirgends gesehen habe, aber doch sicherlich vorhanden sein wird. Die gibt es schließlich überall...

... außer im Deggendorfer Rathaus. Ich bitte die Mitarbeiterin um einen geeigneten Ansprechpartner. Ich bekomme einen Namen und eine Zimmernummer. Ruhig erkläre ich dort, dass es für die Wartenden so aussieht, als wäre nur ein Sachbearbeiter da, weil so gar nichts voran gehen will. Die Mitarbeiterin entschuldigt die schwache Besetzung, fragt aber nach, ob jeder Sachbearbeiter auch Wartende aufrufe.

Unschlüssig, wie sie mir nun helfen soll, fragt mich die Mitarbeiterin, weswegen ich hier sei. Sie scannt meine Benachrichtigung ein, lässt mich die Abholung unterschreiben und händigt mir meinen Pass aus. Als ich zum Ausgang gehe, ploppen drei Nummern auf einmal auf (ach...), auch meine A 113. Ein erleichtertes Stöhnen fährt durch die Wartenden. Was freundliche Bestimmtheit nicht alles ins Rollen bringen kann... In Zukunft werde ich aber die Terminvereinbarung fürs Bürgeramt nutzen, die sehr viel mehr beworben werden sollte.

Dennoch kommt alles, wie es kommen muss. Weil ich zum Glück nicht vor dem Rathaus geparkt habe, wo ich mit Sicherheit einen Strafzettel kassiert hätte, bin ich danach statt ins Bekleidungsgeschäft direkt zu meinem Auto geeilt, um eben diesen zu vermeiden. Zuhause wartete die lang ersehnte Bestellung auf mich und ein neuerlicher Stadtbesuch wurde mir erspart. Zum Glück.

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