Direkt zum Hauptbereich

Das erste Mal

Die  Aussicht auf rohen Fisch mit Reis und salziger Sojasauce versetzt mich nicht gerade in ekstatische Verzückung. Deshalb ernte ich regelmäßig ungläubige Blicke dafür, mit guten 30 Jahren noch nie Sushi essen gewesen zu sein. Allerdings bin ich stets offen für Neues und so bin ich nun keine Sushi-Jungfrau mehr.

Ich bin froh, erfahrene Begleitung um mich zu haben, denn die Speisekarte besteht aus einem blinkenden Bahnhofsschild. Ich verlasse mich auf die anderen. Zur Vorspeise gibt es edamame, gekochte grüne Sojabohnen mit Salz. Ungläubig starre ich auf das kleine Schälchen, die grünen Dinger locken mich so gar nicht. Tatsächlich schmecken sie aber sehr lecker. 

Als verschiedene Sushi eindrucksvoll auf einem Holzschiff serviert werden, muss ich mich den Essstäbchen stellen. Geduldig zeigen mir meine Begleiterinnen immer wieder, wie ich sie halten muss. Doch ich schaffe es nicht. Immer wieder rutscht mir eins aus der Hand oder ich verkrampfe dermaßen, dass ich sie nicht bewegen kann. Als ich es endlich schaffe, eine Fischrolle aufzunehmen, entflutscht mir diese sofort wieder. Ich schäme mich. Wie doof kann man eigentlich sein? Ich vergewaltige das maki, indem ich ein Stäbchen durch den Mantel stecke und die Rolle so zum Sojaschälchen balanciere. Das ist mir allerdings noch peinlicher, sodass ich letztlich mit den Fingern esse. Aber ich fühle mich als einzige sehr unwohl dabei. Erst später lese ich in der Karte, dass das Essen mit der Hand durchaus üblich sei.

Als die Platte leer ist, fühle ich mich noch nicht wirklich satt. Sechs Augen blicken mich erwartungsvoll an. „Und?“ Tatsächlich hat es mir weder besonders gut noch schlecht geschmeckt. Vermutlich würde ich niemand vorschlagen, dass wir mal Sushi essen gehen könnten. Das Glücksgefühl, das Glänzen der Sushisüchtigen will sich nicht einstellen. Scheinbar auch nicht bei den anderen – denn beim Zwischenstopp zwischen zwei Bars können sie am goldenen M nicht vorbei… 

#sushi #anfänger #tollpatsch #stäbchen #kloanegschichten #erfahrung #liebereinschnitzel #sushisüchtig #sushimachtglücklich #elternblog #familienblogger #momlife #münchen #landei #ehrlichemeinung #ganzokay #trend #foodporn #wenigstenseingeilesfoto

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Wann wird's mal wieder richtig Sommer?

Im Sommer kann kommen, was wolle, ich beschwere mich nicht über die Hitze. Es gibt schließlich nichts Schlimmeres als einen verregneten Sommer, bei dem man Trübsal blasend an der Fensterscheibe klebt und verzweifelt, was man mit den Kindern noch anstellen könnte. Dieses Jahr blieb uns das erspart. Wenn es einem zu heiß wurde, fuhr man halt in den Urlaub. Nach Italien oder so.
Wir sahen nicht, wie der Rasen ausblieb, weil wir ständig beim Baden waren. Die Kinder schliefen am Abend müde im Bett und wir saßen mit Cocktail in der Hand auf dem Balkon. Unser Rum-Verbrauch kam diesen Sommer dem eines Piratenschiffs aus der Karibik gleich.
Das Freibad machte im September zu. Am letzten Tag hatte es 30 °C, die darauffolgenden Tage 33 °C. Aber im September kann man ja nicht mehr baden. Viel zu frisch! Als der Rum alle war, kauften wir keinen neuen mehr. Einerseits wollten wir den anonymen Alkoholikern entgehen, andererseits konnte ja jeder Abend der letzte draußen sein. Und dann steht der Rum …

Oma in der Pflicht?

Auf Einer schreit immer erschien kürzlich ein Gastbeitrag darüber, dass man sich als Mutter Unterstützung von der Oma wünschen würde, die aber ihr Leben in vollen Zügen genießt, sich im Fitnessstudio und auf Reisen herumtreibt, während die Working Mum sich wie im Hamsterrad aus Beruf, Haushalt und Kindererziehung fühlt. Früher sei das ganz anders gewesen. Früher hätten Omas gestrickt und mit dem Enkel auf der Parkbank sitzend Vögel gefüttert.
Ich glaube, hier ist jemand dem "Früher war alles besser"-Irrglauben aufgesessen. Zumindest trifft das gezeichnete Bild der Märchen-Oma nicht auf meine eigenen zu. Diese waren jünger als Zwergnases Omas jetzt und auch noch selbstständig. Demnach musste meine Mutter den Alltag mit zwei Kindern auch alleine stemmen. Meine Omas waren da, wenn Not am Mann war oder wenn meine Eltern eben einmal ausgehen wollten. Ich glaube aber nicht, dass sich meine Mutter gewünscht hätte, dass ihre Mutter und ihre Schwiegermutter sich in ihren Haushalt ei…

Der Kindergeburtstag

"Ich bin zur Geburtstagsfeier eingeladen!" Stolz hält mir Zwergnase die liebevoll gebastelte Einladung mit aufgeklebten Monsterauge und Zähnen vor das Gesicht. Seine Aufregung steckt mich an. Das wird sein erster richtiger Kindergeburtstag sein, ohne dass Mama den ganzen Nachmittag Händchen hält. Plötzlich bin ich nervöser als er. Denn Zwergnase gruselt sich schon etwas vor dem ganzen Halloween-Zeug, auch wenn er es nicht zugibt. Zwergnase ist begeistert. In der Woche vor dem Geburtstag malen wir täglich entweder auf Papier oder mit Straßenmalkreide Spinnen, Vampire, Geister und Skelette. Wenn er nachts zu uns ins Bett kriecht, geht das nur noch mit Taschenlampe. Aber seiner Begeisterung tut das keinen Abbruch. Ich bringe es nicht übers Herz, ihn nicht auf den Geburtstag zu lassen, weil er danach Angst haben könnte. Frage aber die Mama, ob ich nicht eine kleine Weile bleiben dürfe. Noch während ich die Nachricht abschicke, komme ich mir wie eine Glucke vor. 
Während ich Zwe…