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Macho, Macho


Zwergnase hat seine Gabel in der Hand und hypnotisiert seinen Teller vor ihm. Unentschlossen schiebt er das Fleisch von einer Seite auf die andere. "Du, Mama, war die Ente eigentlich ein Mann oder eine Frau?" Ich muss aufpassen, dass mir die Gabel nicht aus der Hand fällt. Mein Mund steht offen. Zwergnase spießt ein Fleischstück auf. "Das war bestimmt ein Entenmann. Weil es ja eine Entenbrust und kein Entenbusen ist!" Zufrieden mit seiner Erklärung tunkt er das Fleischstück in die Sauce und steckt es sich herzhaft in den Mund. Seine Füße baumeln unbedarft vom Stuhl.

Ja, die Unterschiede zwischen Mann und Frau interessieren ihn derzeit sehr. Nicht nur die körperlichen. Also dass Mama zum Beispiel den Papa bittet, die Essiggurken aufzumachen. Es ist erstaunlich, welche Schlüsse er aus seinen Beobachtungen zieht. Zum Beispiel gehen Männer in die Arbeit und den Frauen gehört die Küche. Ja, sogar er geht jeden Tag in den Kindergarten, während seine Mama mit dem Apfelbäckchen zuhause ist! Wenn er nach einem harten Vormittag nach Hause kommt, hat Mama selbstverständlich für ihn gekocht. 

Seine Küchen-Erkenntnisse teilt er auch seinem Papa mit, der sich, ein kleines Hüngerchen verspürend, an den Kühlschrank macht. "Aber Papa! Setz dich hin! Mama kocht uns was Leckeres!" Sein Glück, dass er zumindest ein Kompliment darin verpackt hat. So sehe ich das auch, wenn er mir den Abwasch nach dem Essen zutraut: "Papa, kannst schon mit mir spielen. Mama schafft das schon allein!" Logo. Selbst ist die Frau.

Kritisch steht Zwergnase neben mir im Bad. Ganz genau verfolgt er, wie ich Kajal, Lidschatten und Wimperntusche auftrage. "Mama, warum machst du deine Augen schick? Gehst du heute wieder in die Arbeit oder willst du dem Papa gefallen?" Fehlt nur noch, dass er mir ein Kleid aus dem Schrank legt. Dass Mama nämlich manchmal Kleider trägt, weiß er auch. Aber Papa, der trägt keine Kleider. Deshalb wollte Zwergnase auch keinen Kleider-Schrank. Er sei doch auch ein Mann! Er hat doch gar keine Kleider! Ich muss ihm unbedingt einen Hosen-Schrank kaufen! Dass Mama die Hosen anhat, kam in der kleinen Tragödie anscheinend nicht vor. Papa hat aber eine Badehose und Mama einen Bikini. Es macht nichts, wenn man im Freibad seine Brust sieht, aber Mamas Oberteil darf man nicht aufmachen. Die will nicht, dass man den Busen sieht. Oma mag das auch nicht. "Gell, Mama, das mag keine Frau, oder?" Ich verzichte vorerst darauf, ihm zu erklären, was FKK heißt. Das hat noch Zeit.

Es reicht, wenn einzelne Ereignisse seine Welt auf den Kopf stellen. Eigentlich wollte ich ihm eine Freude machen, als ich ihm kürzlich an einem Sonntagvormittag sagte, dass Oma und Opa bei uns essen würden. "Aber warum kocht Oma heute dem Opa denn nichts?", fragte er stattdessen völlig entgeistert, den Tränen nahe. Oma kocht nicht. Das kann ja gar nicht sein. Warum kocht Oma nicht? Was soll denn dann aus Opa werden? Ich glaube, es ist wenig überraschend, dass Opa nicht verhungern musste.

Da versucht die ganze Welt alles gleich zu machen, dabei versteht schon ein Vierjähriger, dass nicht alle gleich sind. Dass Mamas Leine nicht nur von der Küche bis zum Schlafzimmer reicht, lernt er später, der kleine Macho.

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Wann wird's mal wieder richtig Sommer?

Im Sommer kann kommen, was wolle, ich beschwere mich nicht über die Hitze. Es gibt schließlich nichts Schlimmeres als einen verregneten Sommer, bei dem man Trübsal blasend an der Fensterscheibe klebt und verzweifelt, was man mit den Kindern noch anstellen könnte. Dieses Jahr blieb uns das erspart. Wenn es einem zu heiß wurde, fuhr man halt in den Urlaub. Nach Italien oder so.
Wir sahen nicht, wie der Rasen ausblieb, weil wir ständig beim Baden waren. Die Kinder schliefen am Abend müde im Bett und wir saßen mit Cocktail in der Hand auf dem Balkon. Unser Rum-Verbrauch kam diesen Sommer dem eines Piratenschiffs aus der Karibik gleich.
Das Freibad machte im September zu. Am letzten Tag hatte es 30 °C, die darauffolgenden Tage 33 °C. Aber im September kann man ja nicht mehr baden. Viel zu frisch! Als der Rum alle war, kauften wir keinen neuen mehr. Einerseits wollten wir den anonymen Alkoholikern entgehen, andererseits konnte ja jeder Abend der letzte draußen sein. Und dann steht der Rum …

Oma in der Pflicht?

Auf Einer schreit immer erschien kürzlich ein Gastbeitrag darüber, dass man sich als Mutter Unterstützung von der Oma wünschen würde, die aber ihr Leben in vollen Zügen genießt, sich im Fitnessstudio und auf Reisen herumtreibt, während die Working Mum sich wie im Hamsterrad aus Beruf, Haushalt und Kindererziehung fühlt. Früher sei das ganz anders gewesen. Früher hätten Omas gestrickt und mit dem Enkel auf der Parkbank sitzend Vögel gefüttert.
Ich glaube, hier ist jemand dem "Früher war alles besser"-Irrglauben aufgesessen. Zumindest trifft das gezeichnete Bild der Märchen-Oma nicht auf meine eigenen zu. Diese waren jünger als Zwergnases Omas jetzt und auch noch selbstständig. Demnach musste meine Mutter den Alltag mit zwei Kindern auch alleine stemmen. Meine Omas waren da, wenn Not am Mann war oder wenn meine Eltern eben einmal ausgehen wollten. Ich glaube aber nicht, dass sich meine Mutter gewünscht hätte, dass ihre Mutter und ihre Schwiegermutter sich in ihren Haushalt ei…

Der Kindergeburtstag

"Ich bin zur Geburtstagsfeier eingeladen!" Stolz hält mir Zwergnase die liebevoll gebastelte Einladung mit aufgeklebten Monsterauge und Zähnen vor das Gesicht. Seine Aufregung steckt mich an. Das wird sein erster richtiger Kindergeburtstag sein, ohne dass Mama den ganzen Nachmittag Händchen hält. Plötzlich bin ich nervöser als er. Denn Zwergnase gruselt sich schon etwas vor dem ganzen Halloween-Zeug, auch wenn er es nicht zugibt. Zwergnase ist begeistert. In der Woche vor dem Geburtstag malen wir täglich entweder auf Papier oder mit Straßenmalkreide Spinnen, Vampire, Geister und Skelette. Wenn er nachts zu uns ins Bett kriecht, geht das nur noch mit Taschenlampe. Aber seiner Begeisterung tut das keinen Abbruch. Ich bringe es nicht übers Herz, ihn nicht auf den Geburtstag zu lassen, weil er danach Angst haben könnte. Frage aber die Mama, ob ich nicht eine kleine Weile bleiben dürfe. Noch während ich die Nachricht abschicke, komme ich mir wie eine Glucke vor. 
Während ich Zwe…