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Beziehungspause


Es hätte alles so schön sein können. Mixen, kochen, rühren, pürieren, dämpfen. Meine Lotta hat all das übernommen. Täglich war sie im Einsatz. Was hab ich auf einmal Marmeladen und Gemüsepaste eingekocht. Doch nach der ersten Euphorie folgte Ernüchterung. Ich ertappte mich immer öfter, dass ich nach dem Stabmixer mit seinem Universalzerkleinerer-Aufsatz suchte, weil dieser leichter zu reinigen ist als der große Mixtopf mit seinem Vier-Klingen-Einsatz. 

Eigentlich hätte ich vorgehabt, Apfelbäckchens Menüs mit Lottas Hilfe zuzubereiten. Doch wenn man allen Aufwand aufrechnet, kann man auch Alete und Hipp für einen kochen lassen. Also hörte Lotta die kleinen Gläschen klirren, als ich sie in den Schrank sortierte. Ja, zwischen Lotta und mir kriselt es gewaltig.

Sie muss das gespürt haben. Vielleicht hat sie sich vernachlässigt gefühlt, vielleicht hat sie eine Schnute gezogen, als ich mehrere Gläser Marmelade entsorgt habe. Denn das einfache Einkochen nützt gar nichts, wenn die Marmelade dann im Kühlschrank versauert. Wir essen sie einfach nicht.

Es waren vermutlich viele kleine Spitzen, die eine Trotzreaktion hervorriefen. Zumindest hatte sie offensichtlich keine Lust auf Schokopudding. Nach wenigen Minuten gingen wortwörtlich die Lichter aus und als die Sicherung wieder drin war, machte sie keinen Mucks mehr. Schon wieder. Vor zwei Monaten erst war sie drei Wochen in Reparatur. 

Vielleicht wollte sie damit erreichen, dass ich sie vermisse. Mich nach ihr verzehre und ihr wieder mehr Beachtung schenke. Dass ich sie mehr zu schätzen weiß, wenn ich den Tomatenreis per Hand rühre, weil er sonst anbrennt. Wenn ich das Gemüse für das Brühenkonzentrat in kleinen Portionen mit dem Stabmixer kleinhäcksle und im Topf einkoche. Wenn ich das Fett ins Kalorientagebuch eintrage, das ich zum Anbraten zugebe. Ich höre sie lachen, wie ich zu Zwergnase eile und in der Pfanne etwas anbrennt. 

Aber Lotta hat sich gehörig getäuscht. Je länger sie weg ist, umso weniger vermisse ich sie. Aufmerksam lese ich die Rezepte durch und der Gedanke drängt sich auf, dass dieses und jenes im Topf eh viel schneller geht. Mengen und Garzeiten lassen sich am Herd viel flexibler anpassen. Sie hat die Rechnung außerdem ohne die Küchengeräte gemacht, die mit der neuen Küche eingezogen sind. Mit den Timern an Herd und Backofen kann ich auch das Anbrennen und Verkochen verhindern und das hypermoderne Ceranfeld hat sogar eine Warmhaltefunktion - besser als Lotta.

Nur eine Angst kann ich Lotta nehmen. Wenn sie nach Ablauf ihrer Garantie den Löffel abgibt, wird sie nicht ersetzt werden. Auch nicht durch den Kollegen von Vorwerk. Das ist sicher.

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