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Was will die fremde Frau von meinem Kind?


Zwergnase hat sich eine von diesen langen Spritzpistolen aus Schaumstoff geholt. Immer wieder zieht er sie auf und schießt Wasser damit nach oben. Er will sehen, wie hoch die Wassersäule steigt, versucht den Kopf der Dusche treffen, versucht zwischen die Spalten im Pflaster zu zielen, gießt die vertrockneten Sträucher rund um den Kinderbereich. Er pumpt das Wasser nach oben, versucht sich von den herabfallenden Wassertropfen treffen zu lassen. Zwergnase hat sichtlich Spaß, während er durch die Gegend läuft und mit dem Wasser experimentiert. Wenn ich ihn hinter einem Strauch nicht sehe, sehe ich eine Wasserfontäne. Es ist eine Freude, ihm zuzusehen.

Plötzlich erscheint eine Frau in meinem Blickfeld, hält zielsicher auf Zwergnase zu,  beugt sich zu ihm herunter und spricht ihn an. Sie unterhält sich einige Minuten mit ihm, Zwergnase tritt von einem Fuß auf den anderen, blinzelt gegen die Sonne nach oben, hört aufmerksam zu. Dann geht sie weiter, ins Becken hinein zu ihrer Tochter, so wie es aussieht und beachtet ihn nicht weiter. Zwergnase lässt seine Spiele sein und stapft der Frau ins Becken nach, hält jedoch Abstand. Auf einmal scheint es so, als wüsste er nicht mehr, was er mit sich anfangen soll und schleicht herum.

Ich ärgere mich. Offensichtlich hat diese Mutter etwas zu meinem Sohn gesagt, dass ihm die Lust am Spielen verdorben hat. Warum können Eltern die Kinder im Planschbecken nicht einfach mal in Ruhe lassen? Wie der Vater, der letztens kurzerhand Zwergnase von der Wasserpistole vertrieben und sein eigenes (gleichaltriges!) Kind davor gestellt hat oder die Mutter, die Zwergnase aus dem Planschbecken geführt hat, weil ein 3-Jähriger da ja nicht völlig allein spielen kann, ohne dass ein Elternteil ihm dabei auf die Füße tritt. Oder der Vater, der ihm einen Vortrag über Wasserverschwendung gehalten hat, weil er mit der Gießkanne Wassermuster auf das Pflaster gegossen hat. Oder die Mutter, die neben der Spielwanne steht und versucht, jedem der sechs Kinder das Spielzeug zu geben, das ihm gehört, damit ja keines auch nur eine Minute einen fremden Eimer in der Hand hält. Geht's noch?

Was könnte die Frau nur zu Zwergnase gesagt haben? Hat sie sich über seine "Wasserverschwendung" (im Freibad, haha) geärgert und ihm gesagt, er soll das Wasser auch zurück ins Wasser schießen? Hat er ihr (kleineres) Kind getroffen und ihn ermahnt, etwas vorsichtiger zu sein? Das habe ich zwar nicht gesehen, könnte ich aber nachvollziehen. Normalerweise macht Zwergnase das nicht, aber was heißt bei Kindern schon normalerweise. Ich stehe auf und spähe über die Hecke. Ihre Decke ist die einzige auf der Wiese, auf der Zwergnase tatsächlich vorher herum gelaufen ist. Hat er aus Versehen etwas nass gespritzt?  Ich beruhige mich. schalte mein Kopfkino ab. Die Frau wird schon irgendeinen Grund gehabt haben. Neugierig bleibe ich trotzdem. 

Als Zwergnase wieder zu mir gerannt kommt, versuche ich etwas von seinem Gespräch mit der Frau herauszubekommen. Aber er sagt immer nur etwas von Wassermelone und ich gebe ihm noch ein Stück. Später gehen wir auf dem Weg zum Wellenbecken an dem Platz der Frau vorbei und ich fasse mir ein Herz, frage nach, ob denn etwas vorgefallen sei, weil ich das ernst wirkende Gespräch zwischen den beiden beobachtet hatte. Da lacht die Frau ganz herzlich. Nein, es sei alles in Ordnung, Zwergnase hätte nur gesehen, dass sie eine Wassermelone gegessen hätte und er habe ihr erzählt, dass er auch eine dabei habe. Ohne Kerne. Als wir später nach Hause fahren, winkt er der Frau zu und verabschiedet sich. Dass ich zwiegespalten über seine Offenheit fremden Personen gegenüber bin, ist eine andere Geschichte...

Kommentare

  1. Also wenn deine Kleine "Ich habe eine Wassermelone getragen" zu ihr gesagt hat, würde ich mir durchaus ernste Sorgen machen!

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    1. Oja! Ich würde mich wirklich fragen, wer mit ihm Dirty Dancing angeschaut hat ;)

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  2. Das ist ja doch irgendwie süß. Ich habe alles Mögliche erwartet, aber nicht die Wassermelone :D

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    1. Vielen lieben Dank! Ich war ganz schön erleichtert, dass es nur um die Wassermelone ging. Ich habe allerdings gelernt, dass einfach fragen gegen böses Kopfkino hilft.

      Lg, Karin

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