Direkt zum Hauptbereich

Shiva - Ein Stück Indien in Deggendorf


Kennt ihr die? Diese dürren, hochnäsig drein schauenden Püppchen von Kellnerinnen, auf deren Gnade man angewiesen ist, wenn man eine Bestellung aufgeben will? Die ein Augenrollen nicht immer unterdrücken können und denen man es so richtig anmerkt, dass sie eigentlich ganz woanders sein wollen? Im Shiva in Deggendorf gibt es die nicht.

Ich war noch nie indisch essen und deshalb konnte ich mir gar nichts darunter vorstellen, als uns Freunde vorschlugen, doch mal den neuen Inder in der Pfleggasse auszuprobieren. Schon auf der Straße nahmen wir den von orientalischen Gewürzen durchwirkten Duft der für uns fremden Küche wahr. Ein freundlicher Kellner führte uns zu einem lauschigen Plätzchen im hellen Wintergarten. Die Tische sind schon voreingedeckt, die Einrichtung strahlt eine Wärme aus, die gleichzeitig modern wirkt. Dezente indische Deko-Artikel runden das Ambiente ab.

Zum Studieren der Speisekarte brauchte ich meine Zeit. Die Namen der verschiedenen Gerichte sagten mir nichts, ich musste die Beschreibungen genau studieren. Die Kellner ließen mir dafür auch völlig entspannt die nötige Zeit. Sie merkten recht schnell, dass sie mit mir einen Neuling vor sich sitzen hatten. Als ich mir, wie die anderen auch, eine Mango-Schorle bestellen wollte, schlug mir der Kellner stattdessen eine Guaven- oder Lidschi-Schorle vor, überraschend bestimmt, aber freundlich. Nach dem Motto: Wenn man schon da ist, kann man ja auch verschiedene Getränke und Speisen ausprobieren. Ich tat ihm den Gefallen und es hat sich gelohnt. Im Laufe des Abends habe ich mich durch die Schorlen probiert.

Den unaufdringlichen Wink mit dem Zaunpfahl nahm ich mir dann auch für die Speisen zu Herzen. Doch zuerst gab es einen kleinen Gruß aus der Küche. Kümmel-Naan mit drei verschiedenen Dips. Scharfe Mixed Pickles, Minzsauce und Mango-Chutney - eine Reise durch alle Geschmacksrichtungen.

Wir bestellten eine Vorspeisenplatte mit allerlei frittierten Snacks. Den Teigmäntelchen sah man nicht an, welche Köstlichkeiten sie verbargen und so schmeckten wir genau hin, was in unseren Gaumen wanderte. Eine herrliche Abwechslung zu den Gewohnten Gerichten bei Italiener & Co.
Beim Hauptgericht entschied ich mich, zur Freude des Kellners, für eine Platte mit zwei verschiedenen Fleischgerichten und einem vegetarischen Curry. Dazu gab es einen kleinen Salat und eine mit Garam Masala gewürzte Joghurtsauce. Dazu serviert wurde gelber Reis, der aussah wie geriebener Emmentaler. Die anderen drei wählten Gerichte mit Pilzen, mit Mango und Koriander, sodass wir uns durch eine große Bandbreite an Geschmäckern probieren konnten. Durch das Servieren in kleinen Schüsseln geht das, ohne dass man wild Teller durch die Gegend reicht oder mit dem Fleisch auf den Gabeln über den Tisch balanciert. Damit wird das Essen definitiv geselliger als in anderen Restaurants und der Gesprächsstoff geht einem nicht aus.

Eine Nachspeise ließen wir aus, denn wir waren pappsatt. Zur Verabschiedung gab es ein Schnäpschen, für mich als werdende Mami einen "Kinderschnaps", Mango-Saft im Schnapsglas, sodass auch ich mit anstoßen konnte.

Alles in allem ein Restaurantbesuch mit überaus freundlicher und zuvorkommender Bedienung, sehr leckeren und intensiv gewürzten Speisen, bei denen das gemeinsame Essen im Mittelpunkt stand. Ein Besuch im Shiva lohnt sich wirklich sehr.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Wann wird's mal wieder richtig Sommer?

Im Sommer kann kommen, was wolle, ich beschwere mich nicht über die Hitze. Es gibt schließlich nichts Schlimmeres als einen verregneten Sommer, bei dem man Trübsal blasend an der Fensterscheibe klebt und verzweifelt, was man mit den Kindern noch anstellen könnte. Dieses Jahr blieb uns das erspart. Wenn es einem zu heiß wurde, fuhr man halt in den Urlaub. Nach Italien oder so.
Wir sahen nicht, wie der Rasen ausblieb, weil wir ständig beim Baden waren. Die Kinder schliefen am Abend müde im Bett und wir saßen mit Cocktail in der Hand auf dem Balkon. Unser Rum-Verbrauch kam diesen Sommer dem eines Piratenschiffs aus der Karibik gleich.
Das Freibad machte im September zu. Am letzten Tag hatte es 30 °C, die darauffolgenden Tage 33 °C. Aber im September kann man ja nicht mehr baden. Viel zu frisch! Als der Rum alle war, kauften wir keinen neuen mehr. Einerseits wollten wir den anonymen Alkoholikern entgehen, andererseits konnte ja jeder Abend der letzte draußen sein. Und dann steht der Rum …

Oma in der Pflicht?

Auf Einer schreit immer erschien kürzlich ein Gastbeitrag darüber, dass man sich als Mutter Unterstützung von der Oma wünschen würde, die aber ihr Leben in vollen Zügen genießt, sich im Fitnessstudio und auf Reisen herumtreibt, während die Working Mum sich wie im Hamsterrad aus Beruf, Haushalt und Kindererziehung fühlt. Früher sei das ganz anders gewesen. Früher hätten Omas gestrickt und mit dem Enkel auf der Parkbank sitzend Vögel gefüttert.
Ich glaube, hier ist jemand dem "Früher war alles besser"-Irrglauben aufgesessen. Zumindest trifft das gezeichnete Bild der Märchen-Oma nicht auf meine eigenen zu. Diese waren jünger als Zwergnases Omas jetzt und auch noch selbstständig. Demnach musste meine Mutter den Alltag mit zwei Kindern auch alleine stemmen. Meine Omas waren da, wenn Not am Mann war oder wenn meine Eltern eben einmal ausgehen wollten. Ich glaube aber nicht, dass sich meine Mutter gewünscht hätte, dass ihre Mutter und ihre Schwiegermutter sich in ihren Haushalt ei…

Der Kindergeburtstag

"Ich bin zur Geburtstagsfeier eingeladen!" Stolz hält mir Zwergnase die liebevoll gebastelte Einladung mit aufgeklebten Monsterauge und Zähnen vor das Gesicht. Seine Aufregung steckt mich an. Das wird sein erster richtiger Kindergeburtstag sein, ohne dass Mama den ganzen Nachmittag Händchen hält. Plötzlich bin ich nervöser als er. Denn Zwergnase gruselt sich schon etwas vor dem ganzen Halloween-Zeug, auch wenn er es nicht zugibt. Zwergnase ist begeistert. In der Woche vor dem Geburtstag malen wir täglich entweder auf Papier oder mit Straßenmalkreide Spinnen, Vampire, Geister und Skelette. Wenn er nachts zu uns ins Bett kriecht, geht das nur noch mit Taschenlampe. Aber seiner Begeisterung tut das keinen Abbruch. Ich bringe es nicht übers Herz, ihn nicht auf den Geburtstag zu lassen, weil er danach Angst haben könnte. Frage aber die Mama, ob ich nicht eine kleine Weile bleiben dürfe. Noch während ich die Nachricht abschicke, komme ich mir wie eine Glucke vor. 
Während ich Zwe…