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Mit Gummistiefeln im Freibad


Mit Kleinkind gibt es viele Momente, in denen man einfach machtlos ist. In denen man erklären kann, soviel man will, es hilft alles nichts. Die Antwort lautet mit Sicherheit "Ich will aber!" Wie lange hat man gewartet, dass das Kind seine Bedürfnisse äußern kann, damit das heitere Rätselraten ein Ende hat. Jetzt wünsche ich mir manchmal die Zeit zurück, in der ich Zwergnase anziehen konnte, was ich wollte. Natürlich wollen wir alle selbstbestimmte Menschen heranziehen, die sich später einmal durchsetzen können und ihren Standpunkt darlegen. Natürlich trägt das zur Bildung eines Selbstbewusstseins bei. Aber Herrgott. Muss das echt schon mit 3 so geübt werden?! 


Der Drang nach Selbstbestimmung nervt manchmal ganz schön. Eben morgens vor dem Kleiderschrank. Bei dem ich dem Herrn eine Auswahl an T-Shirts herauslegen muss, nur damit er dann feststellt, dass keines zur heutigen Stimmung passt. Schließlich kommen zwei ins Finale und weil er sich nicht entscheiden kann, sollen es halt beide sein. Mit etwas Glück sieht er dann ein, dass man eh nur das obere T-Shirt sieht und man das untere weglassen kann. Mit etwas Glück...

Bei der vierten Diskussion innerhalb von zwei Stunden bin ich ziemlich genervt. Weil sie Zeit kosten und in Geschrei enden, wenn der Mini-Terrorist nicht seinen Willen kriegt. Irgenwie neige ich dazu, dann selbst bockig zu werden. Es keimt der Gedanke auf, dass ich zu nachlässig sei, wenn ich Zwergnase immer und immer wieder seinen Willen lasse. Dass er das Kommando hat und ich sein Untertan sei, eine total verquere Situation. Zuhause nervig, unterwegs peinlich. Ich fühle mich einfach unfähig.

Zum Glück lernt man dazu. Wenn ich ehrlich bin, gibt es bei vielen Dingen gar keinen Grund, warum Zwergnase nicht selbst bestimmen sollte. Außerdem ist er durchaus empfänglich für Erklärungen und Kompromisse. Manchmal muss ich ihn einfach mit etwas anderem ablenken. So lang eine seiner Entscheidungen nicht gefährlich für ihn ist, kann ich auch nachgeben. Zwergnase ist glücklich, ich habe weniger Stress und bin auch glücklich. Je weniger Brimborium man um eine Sache veranstaltet, umso schneller ist sie uninteressant. Wer sagt eigentlich, dass man deswegen nicht erzieht? Aus mir ist ja auch etwas geworden, obwohl ich meinen Vater im zarten Alter von drei Jahren im Januar dazu genötigt hatte, mir ein Sommerkleid anzuziehen.

Beruhigend ist es vor allen Dingen, wenn man andere Mamis mit ihren Kindern in Aktion beobachtet. Denn man erkennt sich immer und überall selbst und sein Kind. Und alle haben sie die gleichen Marotten, Strategien und Reaktionen. Man will nicht vom Spielplatz nach Hause? Dann verabschiedet man sich eben einfach nicht! Denn ohne Verabschiedung kann man ja schließlich nicht gehen, oder? Und wenn das auch nicht hilft, dann schreit man halt einfach mal.

Ich sehe andere Kinder weinen und schreien, ich sehe andere Mamis, die die Wutanfälle ihrer Kinder mit stoischer Ruhe ertragen oder selbst die Geduld verlieren, das Kind schultern und davon tragen (die einzige Methode bei übermüdem Kind). Ich sehe Mamis, die mir verständnisvoll zunicken, wenn Zwergnase gerade das Laufen verlernt hat und getragen werden will. Und ich habe schon zigmal andere Kinder gesehen, die die Fähigkeit zur selbstständigen Fortbewegung urplötzlich vergessen haben.

Noch spannender ist aber, wenn man lediglich das Ergebnis einer Auseinandersetzung sieht, bei der am Ende das Kind gewonnen haben muss. Denn ich glaube nicht, dass die Mami zuhause sagte: "Komm, zieh mal lieber die Gummistiefel ins Freibad an, damit du nicht nass wirst!" Mein persönliches Highlight am ersten Saisontag. Der Junge, der mit Gummistiefeln ins Freibad ging. Ich habe es als Kind nur im Bikini und den Regenbogen-Gummistiefeln auf die Gartenliege geschafft...

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