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Gönn dir kleine Auszeiten!

Zeit allein ist als Mama Luxus. Wenn man alleine aufs Klo gehen darf, ist das schon ein Erfolg. Meine regelmäßige Auszeit sind meine Friseurbesuche. Die Erklärung ist einfach. Mit Färben und Schneiden dauern die nämlich etwa zwei Stunden - viel zu lange für Zwergnase. Da wird ihm nur langweilig. Wenn ich also zum Friseur gehe, trinke ich in aller Ruhe einen Latte Macchiato (der auch nicht kalt wird) und führe mit der Friseurin Erwachsenengespräche. Während die Farbe einwirkt, lese ich in aller Ruhe und manchmal bin ich schon fast traurig, wenn die Farbe schon abgewaschen wird. Diese zwei Stunden alle paar Wochen sind eine kleine Oase der Ruhe.


Richtiger: Sie waren Oase der Ruhe. Denn ich habe es verbockt. Beim letzten Kalendereintrag wusste ich beim besten Willen nicht mehr, ob ich alleine zum Friseur wollte oder mit Zwergnase zusammen. Es war lediglich eine Stunde für den Termin eingetragen. Ein untrügliches Indiz dafür, dass er mitkommt und wir beide nur einen neuen Haarschnitt bekommen. Allerdings war ich mir irgendwie sicher, dass der Eintrag falsch war. Immer wieder starrte ich aufs Display, starrte den Termin an und wusste, dass ich mir irgendetwas dabei gedacht, aber nicht aufgeschrieben hatte. Aber was?

Macht ja nichts, dachte ich mir, rufst halt einfach an! Leider ging niemand ans Telefon, bis ich fahren musste, um pünktlich zu sein. Also habe ich Zwergnase eingepackt, der sowieso darauf bestand, mitfahren zu dürfen, egal, wohin. Was auch sonst. Beim Friseur dann die Erklärung, warum niemand erreichbar war. Heute erst ab 9.30 Uhr geöffnet! hing an der Tür. Ich (oder wir?) war der erste Termin.

Die Friseurin begrüßte mich direkt mit einem "Oh? Zwergnase heute auch dabei? Du bekommst aber Farbe!" Blick zum Zwerg, Blick zur Friseurin und wieder zurück. Ich hatte keine Lust, meinen Mann anzurufen, dass er Zwergnase abholt. Und was machen die, die niemand zum Aufpassen haben? Eben! Es muss doch möglich sein, so ein Kind zwei Stunden ruhig zu stellen.

Statt mich in den Sessel plumpsen zu lassen, erst einmal Spielzeugkisten nach Baggern und Traktoren durchsuchen. Zum Glück wurden wir fündig, bis die Farbe angerührt und die Folien parat gelegt waren. Einen langen Schluck vom Kaffee... ahhhhhh. AHHHHHH! Nein, nicht die Schmuckauslage abräumen! Nein! NEIN! Half alles nichts, aufstehen, Zwergnase wegholen, erklären, wieder hinsetzen. Zumindest bekam er keinen Tobisuchtsanfall, sondern zeigte sich einsichtig. Stattdessen kletterte er auf einem leeren Stuhl herum, betrachtete sich im Spiegel - kurz: er beschäftigte sich selbst, ohne etwas kaputt zu machen. So muss das!

Also nochmal einen Schluck Kaffee... Tief einsaugen, ahhhhhhhhhhhhh! "Mama? Muss bieseln!" Bei diesen Worten ist nicht mal mehr Zeit, um die Augen zu verdrehen. Ich sprang auf, die Folie flog davon, ich stürzte mich auf Zwergnase, klemmte ihn kurzerhand unter den Arm und rannte mit ihm aufs Klo. Mein Mini-Workout wurde zumindest belohnt - es war nicht zu spät.

Irgendwie haben wir es dann doch bis zum fertigen Haarschnitt geschafft. Die Danksagung geht an dieser Stelle an Regina, die Bestechungsgelder in Form von Süßigkeiten und Safttüten zur Verfügung gestellt hat. Zwergnase war alles in allem sehr brav; da kann ich mich wahrlich nicht beschweren. Ich habe lediglich den tiefenentspannten Zustand verpasst, weil man ja mit einem Auge immer schaut. Mein Dilemma ist jetzt ein anderes: Als ich von dem Friseurbesuch erzählte, meinte Zwergnases Papa direkt: "Cool. Dann kannst du ihn ja jetzt immer mitnehmen!" Ähm. Ja.

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