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Wenn sich der Lebenswandel wandelt

Ich war gestern einkaufen. Als meine Waren über den Scanner gezogen wurden, sah ich mich plötzlich wieder selbst hinter der Kasse sitzen. Da hat man sich ja schon anhand des Einkaufs ein Bild über den Menschen vor einem zusammengebastelt. Welches Bild hätte mein Einkauf hervor gerufen? Ich habe spontan gelächelt, denn sonst hätte ich weinen müssen.


Mein Einkaufswagen war der eines Ökos! Oh Gott, so wollte ich doch nie sein, verdammt. Soviel Gemüse, Fisch, Kornflocken, um mir mein Müsli selbst zu mischen, fettarme Milchprodukte. Dafür fehlten Alkohol und Zigaretten. Natürlich habe ich mich mit Anfang 20 nicht nur von Alkohol und Zigaretten ernährt. Aber eben auch.

Heute, 10 Jahre später, sieht mein Leben ziemlich gesund aus. Das Rauchen habe ich aufgehört, ich achte auf die Ernährung und tägliche Bewegung. Alkohol gibt es eigentlich gar keinen mehr und wenn, dann lösen bereits geringe Mengen einen ausgewachsenen Kater aus. Ich fühle mich gut und fit. Und dennoch habe ich in manchen Momenten das Gefühl, dass mir etwas fehlt. Dass ich auf Spaß verzichten muss. Dass alles zu brav ist. Dass Leben am Limit heißt, mit Zwergnase mal zu McDonalds zu gehen. Das soll es gewesen sein?

Leben als gäbe es kein Morgen mehr. Das war einmal. Denn abgesehen davon, dass ein 30-jähriger Körper den ein oder anderen Exzess nicht mehr so verkraftet wie ein 20-jähriger Körper, musst du dir eingestehen, dass es durchaus ein Morgen gibt. Und auch ein Übermorgen. Denn egal wieviel du trinkst, am nächsten Tag bist du wieder Mama.

Und dann stellst du fest, dass du nicht nur an das Morgen denken musst, sondern auch an das in 10, 15 und 20 Jahren. Denn egal, was du tust, du bist ein Vorbild. Ob du fluchst, ob du säufst, ob du rauchst oder frisst. Dein Kind wird es dir nachmachen. Dann muss man sich unweigerlich die Frage stellen, was man für sein Kind will - meistens will man eben die eigenen Fehler verhindern und vor allem soll dein Kind gesund bleiben.

Man bildet die Basis, den Spaß findet dein Spross in der Pubertät von allein. Aber die Basis müssen ihm die Eltern mitgeben. "Ja", wird dann einer sagen, "dessen muss man sich doch bewusst sein, bevor man Kinder in die Welt setzt!" Stimmt. Aber die Tragweite dieser Verantwortung lernt man eben erst mit der Zeit kennen. Niemand ist zur Mutter oder zum Vater geboren. Das sind Rollen, in die man hineinwächst, aus denen man manchmal auch ausbrechen möchte. Zum Beispiel an der Supermarktkasse, wenn dich die Erkenntnis wie ein Schlag trifft. Zum Glück fällt mir aber dann wieder ein, wie sehr mich der "Spaß" angeödet hat und wieviel Neues ich seit der Geburt meines Kindes erlebt habe.

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