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Die Entschleunigung des Alltags

Unsere Welt wird immer hektischer. Durch das Internet sind und sollen wir jederzeit für Freunde, Verwandte, Kollegen und nicht zuletzt dem Chef erreichbar sein. Das Smartphone macht es möglich. Doch die ständige Präsenz verursacht Stress. Dementsprechend vielfältig sind auch die Angebote, seinen Alltag zu entschleunigen und Oasen der Ruhe für sich selbst zu finden. Yoga, Meditation und mentales Training ist in aller Munde. Dabei braucht es nur die Besinnung auf sich selbst und du kannst sogar den wöchentlichen Einkauf im Supermarkt als Zeit der Entspannung nutzen. Positiv dabei ist vor allem aber, dass du gleichzeitig das Tempo aus dem Alltag deiner Mitmenschen nimmst - ob sie nun wollen oder nicht. Und so funktioniert die Ruheoase Supermarkt...
Prinzipiell kannst du jeden Einkauf zur Entspannung nutzen. Wenn du dir unsicher bist, solltest du zuerst an einem weniger belebten Wochentag starten. Etwa am Anfang der Woche. Zum Wochenende hin steigt der Schwierigkeitsgrad und die Master-Stufe erreichst unmittelbar vor oder nach einem Feiertag oder einem ganzen Feiertagwochenende. Dann hilfst du auch eine Menge deiner Mitmenschen. Doch sei dir bewusst, dass du bei diesen mitunter auf Widerstand stoßen könntest. Das soll dich aber nicht schrecken. Nutze die Chance, um einen noch höheren Entspannungslevel zu erreichen.

Die Vorbereitung ist simpel. Du brauchst auf alle Fälle einen Einkaufswagen. Mache dir jeden Schritt bewusst. Gehe betont langsam. Je langsamer gehst, umso länger dauert deine Session an und umso intensiver wirst du sie erleben! Für den Anfang empfehle ich einen Discounter, für die höheren Stufen solltest du jedoch einen großen Supermarkt aufsuchen. Er bietet in jeder Hinsicht mehr Optionen. Egal, ob es sich um die Einzelübungen oder die Gesamttrainingszeit handelt.

Wenn du den ersten Gang betrittst, achte darauf, ihn mit deinem Wagen zu sperren. So lernst du, Handlungen bewusster wahrzunehmen. Studiere die Inhaltsstoffe der einzelnen Artikel eingehend. Nimm gerne auch verschiedene Packungen in die Hand. So stellst du einen Bezug zu den Waren her und lernst sie wertzuschätzen. Sollte dich ein Kunde ansprechen, weil er nicht vorbei kann, lächle ihn freundlich an, entschuldige dich und wende dich mit einem "Hab's gleich" deinen Artikeln zu - ohne deinen Wagen beiseite zu schieben. Geduld ist eine Tugend und wir haben alle zu wenig davon! Wenn sich die Spannung in der Luft zwischen dir und dem anderen Kunden merklich aufgeladen hat, zähle bis fünf. Dann entschuldige dich und lächle erneut und schiebe deinen Waagen zur Seite. Wiederhole die Übung bei jedem Artikel. Gehe zwischen den Übungen langsam mittig im Gang, sodass keiner dich links oder rechts überholen kann (viel zu viel Stress!). Die Intensität steigert sich mit der Länge deines Einkaufszettels und der Angebotsgröße von gleichen Artikeln, zum Beispiel verschiedene Sorten von Müsli, Joghurt oder Tomaten.

An der Kasse solltest du so weit in die Meditation eingetaucht sein, um noch ein weniger tiefer in deine Besinnung zu sinken. Lege immer nur einen Artikel auf das Band und nutze nur eine Hand. Schenke jedem Artikel deine gesamte Aufmerksamkeit. Überlege bei jedem Artikel noch einmal genau, ob du ihn wirklich brauchst und bei welcher Gelegenheit du ihn einsetzen wirst. Studiere gerne noch einmal die Inhaltsstoffe um ganz sicher zu gehen. Nimm eine erste Sortierung vor, etwa nach Farben. Bringe Artikel, die du doch nicht brauchst langsam zurück ans Regal. Einzeln natürlich, damit du die Verpackung nicht beschädigst und den Artikel damit für den nächsten Kunden unbrauchbar machst. Entschuldige dich bei der Kassiererin und dem Kunden hinter dir mit einem Lächeln. Während du gehst, kannst du ein "Komme gleich wieder" murmeln, musst du jedoch nicht.

Wenn du zurückkommst, sortiere deine Waren neu. Eine weitere Möglichkeit wäre zum Beispiel die Größe der Verpackung. Bei diesem Punkt sind deiner Kreativität jedoch keine Grenzen gesetzt. Zwei Sortierungen reichen für den Anfang aus, es können aber gerne mehrere sein. Achte nur darauf, die Artikel von der Kassiererin wegzurutschen. Der Moment, in dem die Waren über den Scanner gezogen werden ist nämlich ein sehr kritischer. Gib der Schokolade nicht das Gefühl, nur eine Ware zu sein. Jeder Artikel hat seine eigene Geschichte und sollte nicht wie ein namenloses Objekt behandelt werden, das dem Konsumterror zum Opfer fällt. Zeig Gefühl! Streichle zärtlich über die Verpackung. Die mutigeren dürfen auch gerne mit dem Einkauf sprechen und ihm gut zureden. Er wird sich darüber freuen und viel besser schmecken!

Nach dem Erfassen der Artikel benötigen diese zusätzlich eine extra Portion an Aufmerksamkeit. Nimm auch hier jeden Artikel einzeln in die Hand, niemals zwei oder mehr auf einmal. Nimm eine Sortierung deiner Wahl im Einkaufswagen vor. Nimm gegebenenfalls Artikel wieder aus dem Korb, falls dir eine andere Sortierung mehr zusagen sollte. Lass dir Zeit.

Erst wenn du alle Waren sicher verstaut hast, leitest du den Bezahlvorgang ein. Zähle zuerst 99 Prozent des Centbetrages langsam auf den Tresen, bevor du alle wieder zurück in dein Portmonnaie schiebst. Pro-Tipp: Auch die Münzen einzeln zurückstecken. Dann möchtest du mit der EC-Karte bezahlen. Zähle bei der Eingabe der Geheimzahl bei jeder Ziffer bis fünf. Bevor du deine Unterschrift beim Lastschriftverfahren setzt, prüfe jeden einzelnen Artikel auf dem Beleg. Frage nach, wenn du dir bei einem Preis nicht sicher bist. Denke daran: Kleinvieh macht auch Mist!

Bedanke dich bei der Kassiererin und wünsche ihr einen schönen Tag oder Abend oder ein schönes Wochenende. Lächle dabei, egal wie gestresst die Angestellte ist. Du gönnst ihr und den Kunden hinter dir Zeit zum tiefen Einatmen. Und was ist entspannender als eine bewusste Atmung?

Zum Schluss erfolgt noch der Cooldown. Bleibe unmittelbar vor dem Ausgang stehen, stelle den Wagen quer und überprüfe nochmals den Bon. Erst nachdem du mindestens einen Kunden aufgehalten hast, ist das Training beendet und du kannst dich auf den Heimweg machen.

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