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Mama auf der Piste

Irgendwann kommt der Punkt, an dem du Schnauze voll hast von Rotznasen, von Windeln und von Essensresten an den unmöglichsten Stellen. Dann willst du dich jung fühlen und planst einen Disco-Besuch. Deine Ex-Lieblingsdisco startet das Event "Zeitreise" mit dem Auftritt eines DJs, den du vor 15 Jahren das erste Mal live erlebt hast. Das kann einfach kein Zufall sein!

Du freust dich wie ein Schneekönig und bist aufgeregt, als wärst du noch nie aus gewesen... bis zu dem besagten Samstag. Wie jetzt? Um 20 Uhr ins Bad und fertig machen? Aber die Couch fühlt sich doch dann einsam ...? Nix da! Schließlich hast du eine Verabredung getroffen - deine Freundin, die vor 15 Jahren schon dabei war und jetzt ebenfalls Mama ist. Kurzer Austausch per Whats App bezüglich der Absatzhöhe und die Entscheidung, dass wir heute weniger aushalten als vor 15 Jahren.

21.30 Uhr. Wir holen meine Freundin ab. Im Auto diskutieren wir über die Vor- und Nachteile verschiedener Feuchttücher, Windeln und über das Geschenk zum Osterhasen. Kurz vor der Ankunft überlegen wir, ob es an der Kasse eine lange Schlange geben wird. Schließlich war vor 15 Jahren beim Auftritt von Groove Coverage die Hölle los - jedes Mal. Als wir die Disco nach 30 Minuten Fahrt erreichen, gibt es die erste Ernüchterung. Der Parkplatz ist fast leer. Aber wir sind nicht enttäuscht, sondern denken praktisch. Du kannst in der Nähe des Eingangs parken, damit du hinterher mit den zu hohen Schuhen nicht zu weit stackseln musst.

An der Kasse warten wir geduldig, bis der Türsteher die Ausweise der Kinder vor uns kontrolliert. Übereifrig haben wir unsere gezückt. Der Security blickt auf, streift kurz unsere Gesichter und winkt ab mit "Nein, passt schon!" Mangels Andrang hätte er aus reiner Höflichkeit so tun können, als würde er unser Alter prüfen. Aber nein. Du siehst eben nicht mehr wie 15 aus. Wir erörtern das Preisleistungsverhältnis von Kosmetika. (Good old Nivea schlägt sie alle!)

Ich warte auf das Gefühl von früher. Die freudige Erwartung einer geilen Partynacht. Wir schlendern durch die Disco, sehen zwar vereinzelt bekannte Gesichter, aber das Begrüßen fällt weitaus ruhiger aus als SEINERZEIT. Wir schlendern an eine Bar und setzen uns - Schuhe und so. Statt Desperados bestellen wir Wasser und Weinschorle - wobei bei letzterem Wunsch die Augenbrauen der Kellnerin hoch gehen. "Was?" - "Weinschorle?" - "Hab ich nicht. Vielleicht kriegst du drüben eine." Drüben ist die Bienenkorb-Verschnitt-Area, für die wir wiederum deutlich zu jung sind. Allerdings ist dort besser geheizt, was uns prinzipiell schon entgegenkäme, obwohl wir uns nicht mal für Minirock und Top mit ohne Strumpfhose entschieden haben. Ist doch viel zu kalt draußen.

23.30 Uhr. Wir ratschen und unterdrücken das erste Gähnen. Mit einem Blick auf die Uhr rechnen wir uns aus, wieviel Stunden Schlaf wir diese Nacht bekommen werden. Die Stimmung scheint gut zu sein, zumindest behauptet der DJ das, aber der Funke will einfach nicht überspringen. Liegt vielleicht an dem dritten Glas Wasser.

00.00 Uhr. Der Live-Act beginnt. Gott sei Dank, dann können wir in etwa eineinhalb Stunden wieder heimfahren. Wir stellen fest, dass auch an der Sängerin der Zahn der Zeit genagt hat, allerdings nur rein optisch. Der Auftritt ist super und wir schwingen sogar das Tanzbein. Aber nicht mehr im Käfig an der Tanzfläche, sondern fast zurückhaltend an der Bar. Bis ein Jungspunt sich dazudrängelt, um ein Wodka-Boot zu bestellen. Als er wartet, fragt er mich, wer die Sängerin sei und ob man die kennen müsse. Ich nenne den Namen, was ihn aber nicht sonderlich beeindruckt. Selbst als wir die Songtexte lauthals mitsingen (so ein bisschen Stimmung hat uns dann doch erfasst, aber nicht zuviel), dämmert ihm scheinbar der Altersunterschied nicht. Das Ego klammert sich an den letzten Strohhalm und bildet sich ein, dass man mir mein Alter nicht ansähe.

Um 01.45 Uhr packen wir unsere sieben Sachen zusammen. Wir sind ja schon fast 4 Stunden nach unserer regulären Bettgehzeit dran. O Gott, o Gott. Wir treffen noch eine andere Freundin, die sich ebenfalls auf den Weg macht. Sie nennt das Kind beim Namen: "Ich bin zu alt für dieses Scheiß!"

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