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Feiertags-Fieber

Kinder werden krank. Das ist halt so. Da muss man als Eltern durch. Aber man hat dennoch Glück. Der Zeitpunkt, an dem das Kind erkrankt, lässt sich exakt hervorsagen, sodass man nicht zu einem unpassendem Zeitpunkt überrascht wird.

Es gibt genau zwei Situationen, in denen dein Kind mit Garantie krank wird.
Dein Kind wird mit 100%-iger Sicherheit krank, wenn etwas Wichtiges ansteht. Ein runder Geburtstag oder eine Hochzeit oder Urlaub zum Beispiel. Anlässe eben, die sich auch nicht verschieben lassen. Anlässe, bei denen dir als Mama dann schnell mal unterstellt wird, dass du nicht los lassen könntest, weil du dich beim Babysitter regelmäßig erkundigst, wie es deinem Spross geht. Wenn du jedoch erwähnst, dass das Kind fiebert, musst du aufpassen, dass dir nicht unterstellt wird, dass du dich und deinen Zwerg in den Vordergrund spielen möchtest. Kinder sind schließlich krank. Das ist nichts Besonderes.

Aber gut, damit kann man ja leben. Schwieriger wird es beim zweiten Fall. Dein Kind wird mit Sicherheit dann krank, wenn es im Vergleich zum Normalzustand schwierig ist, einen Arzt aufzutreiben. Du brauchst dir Feiertage nicht mehr im Kalender markieren. Dein Kind wird dich in der Nacht vorher darüber informieren. Wenn es nämlich fantasierend nach dir ruft und du dein Glühwürmchen in die Arme schließt. Die Hausapotheke wird natürlich sofort ausgeschöpft, aber 40 Grad Fieber sind ja nun kein Pappenstiel.

Nach einer durchwachten Nacht, in dem du dein Kind im Fieberwahn in deinen Armen wiegst, Fieber misst, ihm etwas zu trinken anbietest, es abwechselnd zu- und abdeckst, nachdem es die kühlenden Wadenwickel von sich gewiesen hat, recherchierst du erst einmal den Kinder-Notdienst. Zum Glück brauchst du dazu deine Augen nicht weit aufmachen. Der AB deines Kinderarztes hat alle notwendigen Informationen auf Ansage. Die Telefonnummer kennst du auswendig. Die Sprechzeit beginne um 10 Uhr - noch genug Zeit also, um ein bis zwei Kannen Kaffee aufzusaugen.

Um halb zehn stehst du dann in der Praxis. Vor dir etwa 10 andere. Aus den Behandlungsräumen hörst du auch schon Gebrüll und Gewinsele. Meine Wunschvorstellung, mit meinem kleinen Kartoffelsack im Arm die Praxis binnen 10 Minuten zu betreten und wieder zu verlassen, löst sich klammheimlich in Luft auf. Stattdessen nehmen wir im Wartezimmer Platz, das so eng ist, dass Hühner in der Legebatterie mehr Beinfreiheit haben. Doch der Platz ist das kleinere Problem.

Denn in jedem Wartezimmer gibt es mindestens ein Kind, das noch kränker ist als deines und du siehst regelrecht, wie die kleinen Bazillen und Viren hämisch lachen und sich auf den Weg machen, um dein Kind zu attackieren. Schon geschwächt stellt es schließlich eine leichte Beute dar.

Endlich wird der Name von Zwergnase aufgerufen und wir flüchten aus der Killervirenzuchtstation ins Behandlungszimmer. Es dauert nicht lange und eine gestresste Ärztin rauscht herein. Da merkt man dann, dass die eigenen großen Dramen für andere ganz klein sind. 40 Grad Fieber? Ach, da lacht man doch! Und wenn man das eh weiß, braucht man ja nicht nochmal Fieber messen! Wunderbar! Noch schnell abhorchen und Nase und Ohren durchleuchten. Hm, ja, leicht gerötet. Ja, hm. Das Kind soll Honig schlecken und Fiebersaft nehmen. Wie? Da braucht man auch noch ein Rezept? Naja, gut, wenn es sein muss... Ein Antibiotikum? Nein, da müssen wir schon warten, bis die Rötung im Ohr eine ausgewachsene Entzündung ist und die Mandeln eitrig sind. Dann gibt es ein Antibiotikum. Vielleicht. Man könne ja am Montag (Feiertag) nochmal zum Notdienst gehen. Oder am besten am nächsten Tag (Wochenende) zu einem anderen Notdienst.

Den Fiebersaft in der 20km entfernten Notdienst-Apotheke holen wir dann nicht mehr. Denn genau den gleichen haben wir zuhause. Das gute Zeug bekommt man wohl nur noch, wenn man ein Messer oder eine Pistole dabei hat.

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