Direkt zum Hauptbereich

Hoch hinaus

Bild: FreeImages.com / Helmut Wattrott
"Zieht ihr um?"
"Nein, wieso?"
"Wo ist deine Deko hin?"

Ja, meine Deko. Ich hab sie recht gerne gemocht. Vor allem im Herbst und zu Weihnachten. Kleine Arrangements mit Stoff und Figuren, manchmal auch Streudeko. Hier ein Windlicht und da eine kleine Kerze. Dort auf dem Regal und hier auf der Fensterbank. Jetzt ist dort nichts. Nada. Wüste. Einöde. Gähnende Leere.

Es ist nicht so, dass ich plötzlich ein Anhänger des Minimalismus wäre. Ich bin pragmatisch. Dekofiguren sind meistens bunt und lachen in die Gegend. Sie sind aus Glas, Keramik oder einem anderen nicht bruchsicheren Material. Dekofiguren üben einen sehr großen Reiz aus - vor allem auf Zwergnase.

Erklär mal einem Kleinkind, dass es mit diesen bunten Dingern nicht spielen darf.
Erklär mal einem Kleinkind, warum Mama Streudeko verteilen darf, aber das Kleinkind nicht.

Ich habe es aufgegeben. Ich habe es auch aufgegeben, tausendmal "Nein!" zu sagen oder "Nur anschauen!" Es bringt sowieso nichts. Es kostet nur Nerven. Und Staubsaugerbeutel. Das betrifft im Übrigen nicht nur Deko.

Deshalb freue ich mich darauf, wenn Zwergnase älter ist und nicht mehr überall hintatscht. Dann werde ich eine Menge Stauraum haben. Denn sämtliche Regale auf seiner Höhe sind nahezu leer. Was wichtig ist und nicht kaputt gehen darf, muss hoch hinaus. Gar nicht so leicht, wenn er es inzwischen auch verstanden hat, sich Hilfe in Form eines Hockers zu holen.

Aber dieses Jahr sieht es nicht mehr so aus, als würden wir demnächst umziehen. Ich habe mich getraut und dekoriert. Aber so, dass Zwergnase nur schauen, nicht tatschen kann. Denn wenn seine Augen leuchten, wenn sich der Drache im Wind dreht oder das LED-Kerzenlicht im Kürbis flackert, dann leuchten Mamas Augen mit - zumindest bis Zwergnase betreten "Oh!" sagt...

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Wann wird's mal wieder richtig Sommer?

Im Sommer kann kommen, was wolle, ich beschwere mich nicht über die Hitze. Es gibt schließlich nichts Schlimmeres als einen verregneten Sommer, bei dem man Trübsal blasend an der Fensterscheibe klebt und verzweifelt, was man mit den Kindern noch anstellen könnte. Dieses Jahr blieb uns das erspart. Wenn es einem zu heiß wurde, fuhr man halt in den Urlaub. Nach Italien oder so.
Wir sahen nicht, wie der Rasen ausblieb, weil wir ständig beim Baden waren. Die Kinder schliefen am Abend müde im Bett und wir saßen mit Cocktail in der Hand auf dem Balkon. Unser Rum-Verbrauch kam diesen Sommer dem eines Piratenschiffs aus der Karibik gleich.
Das Freibad machte im September zu. Am letzten Tag hatte es 30 °C, die darauffolgenden Tage 33 °C. Aber im September kann man ja nicht mehr baden. Viel zu frisch! Als der Rum alle war, kauften wir keinen neuen mehr. Einerseits wollten wir den anonymen Alkoholikern entgehen, andererseits konnte ja jeder Abend der letzte draußen sein. Und dann steht der Rum …

Oma in der Pflicht?

Auf Einer schreit immer erschien kürzlich ein Gastbeitrag darüber, dass man sich als Mutter Unterstützung von der Oma wünschen würde, die aber ihr Leben in vollen Zügen genießt, sich im Fitnessstudio und auf Reisen herumtreibt, während die Working Mum sich wie im Hamsterrad aus Beruf, Haushalt und Kindererziehung fühlt. Früher sei das ganz anders gewesen. Früher hätten Omas gestrickt und mit dem Enkel auf der Parkbank sitzend Vögel gefüttert.
Ich glaube, hier ist jemand dem "Früher war alles besser"-Irrglauben aufgesessen. Zumindest trifft das gezeichnete Bild der Märchen-Oma nicht auf meine eigenen zu. Diese waren jünger als Zwergnases Omas jetzt und auch noch selbstständig. Demnach musste meine Mutter den Alltag mit zwei Kindern auch alleine stemmen. Meine Omas waren da, wenn Not am Mann war oder wenn meine Eltern eben einmal ausgehen wollten. Ich glaube aber nicht, dass sich meine Mutter gewünscht hätte, dass ihre Mutter und ihre Schwiegermutter sich in ihren Haushalt ei…

Der Kindergeburtstag

"Ich bin zur Geburtstagsfeier eingeladen!" Stolz hält mir Zwergnase die liebevoll gebastelte Einladung mit aufgeklebten Monsterauge und Zähnen vor das Gesicht. Seine Aufregung steckt mich an. Das wird sein erster richtiger Kindergeburtstag sein, ohne dass Mama den ganzen Nachmittag Händchen hält. Plötzlich bin ich nervöser als er. Denn Zwergnase gruselt sich schon etwas vor dem ganzen Halloween-Zeug, auch wenn er es nicht zugibt. Zwergnase ist begeistert. In der Woche vor dem Geburtstag malen wir täglich entweder auf Papier oder mit Straßenmalkreide Spinnen, Vampire, Geister und Skelette. Wenn er nachts zu uns ins Bett kriecht, geht das nur noch mit Taschenlampe. Aber seiner Begeisterung tut das keinen Abbruch. Ich bringe es nicht übers Herz, ihn nicht auf den Geburtstag zu lassen, weil er danach Angst haben könnte. Frage aber die Mama, ob ich nicht eine kleine Weile bleiben dürfe. Noch während ich die Nachricht abschicke, komme ich mir wie eine Glucke vor. 
Während ich Zwe…