Direkt zum Hauptbereich

Keiner ist zuständig...


Freitag

Gähnende Leere. Der Raum scheint schon vor Wochen oder gar Monaten überstürzt verlassen worden zu sein. Vielleicht Katastrophenalarm? Vielleicht Auslöschung der Menschheit?
Egal, was es war, es muss furchtbar gewesen sein. Rückkehr ausgeschlossen. Keine Notwendigkeit mehr, Ordnung zu schaffen. Die Milch blickt sehnsüchtig gen Kühlschrank. Die rettende Kühle wäre so nah, aber die Milch steckt bis zum Hals am Aufschäumer des Kaffeevollautomaten. Leise und unbemerkt resigniert sie. Man könnte auch sagen, sie stockt. Der Vollautomat hat längst aufgehört seine Kaffeetränen zu weinen. Diese waren zahlreich. Inzwischen sind sie vertrocknet. Nur noch hässliche braune Flecken erinnern an sie. In Spüle und Spüler sind Kaffeetassen und Löffel gefangen. Irgendwer hat ihnen nur noch zugerufen: "Vergammeln sollt ihr in alle Ewigkeit!" So muss die Endzeit, das Ende der Menschheit aussehen.

Montag

Für die Milch kommt jede Hilfe zu spät. Sie wird im Abfluss beerdigt. Macht aber nix, ein neues Opfer ist schnell gefunden. Die Kaffeetassen und Löffel hoffen auf ihre Erlösung, doch sie werden im Fegefeuer gehalten. Nichts passiert. Außer, dass sie immer mehr werden. Der Vollautomat ächzt, stöhnt und pfeift unter der Last neuer Bohnen, die aufgerieben werden wollen. Keiner stört sich am einsetzenden Verwesungsgeruch der bereits zermahlten. Keiner hat einen Blick für ihr Schicksal. Keiner schaut hin.

Aber irgendwann kann die Gemeinschaft der Kaffeegötter die Vorgänge nicht mehr ignorieren. Sie erhebt sich. Stimmen werden laut. Sie fordern ein energisches Eingreifen. Eine Regelung für alle Zeit - ja, für alle Ewigkeit!
Es wird der allmächtige Rat einberufen. Die Voraussetzungen scheinen gut, haben sie doch alle dasselbe Ziel. Doch schnell bricht ein Tumult unter den Kaffeegöttern aus. Sie schreien, den einen treibt es die Zornesröte ins Gesicht, die anderen blicken flehend in den Himmel, können das Ausmaß des Unglücks nicht fassen. Ja, die Demokratie muss als gescheitert angesehen werden. Keiner fühlt sich verpflichtet, sich der Geschicke von Automat  Tasse, Löffel und Milch anzunehmen. Keiner will noch weiter Geld und Zeit investieren. Allgemeine Resignation. Das bringt doch alles nichts! Eine griechische Tragödie.

Und so werden weiter Unmengen von Milch vergammeln, Tassen und Löffeln im Geschirrspüler verrotten und Kaffeevollautomaten mit einem Wert im drei- bis vierstelligen Bereich verkalken, verdrecken und verwesen, weil es erwachsene Menschen nicht schaffen, die Kaffeeküche zu organisieren. Wenn es um Kaffee geht, werden sie zu Tieren, folgen der Darwin'schen Theorie des Rechts der Stärkeren und es ist anscheinend eindeutig ein Zeichen von Schwäche, die Spülmaschine auszuräumen, die Milch in den Kühlschrank zu stellen und den Vollautomaten zu reinigen. 
Ja, so geht's zu in den Kaffeeküchen.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Von hoffnungslosen Herrchen und ihren Haufen

Ich mag keine Hunde. Sie sabbern, ich mag ihren Geruch nicht und man weiß nie, ob er dich anspringt, wenn du einem begegnest. Aber das Schlimmste sind die Hundehaufen. Dafür kann das Tier natürlich nichts. Irgendwo muss es sein großes Geschäft verrichten. Und zwar dort, wo es sein Herrchen lässt. Auf Gehwegen, in Sandkästen auf Spielplätzen, in Vorgärten, Garageneinfahrten und auf landwirtschaftlich genutzten Wiesen. Die aufgestellten Hundetütenbehälter werden ignoriert. Ich kann es mir schon vorstellen. Am Rande eines Weges. Unbeobachtet. Der Hund setzt an, tut, was er tun muss. Es hat keiner gesehen, warum soll man sich die Hände schmutzig machen? Ein Nachbar hat ein Schild mitten in seinen Vorgarten gesetzt, dass sein Garten kein Hundeklo ist. Gegenüber ein Pappschild: "3 Meter Einfahrt - 3 Hundehaufen. Muss das sein?!" Spricht man die Herrchen an, bekommt man nur eine schnippische Antwort und die Haufen bleiben liegen. Erheblichen Schaden können Hunde

Oma in der Pflicht?

Foto: Karin Futschik Auf Einer schreit immer erschien kürzlich ein Gastbeitrag darüber, dass man sich als Mutter Unterstützung von der Oma wünschen würde, die aber ihr Leben in vollen Zügen genießt, sich im Fitnessstudio und auf Reisen herumtreibt, während die Working Mum sich wie im Hamsterrad aus Beruf, Haushalt und Kindererziehung fühlt. Früher sei das ganz anders gewesen. Früher hätten Omas gestrickt und mit dem Enkel auf der Parkbank sitzend Vögel gefüttert. Ich glaube, hier ist jemand dem "Früher war alles besser"-Irrglauben aufgesessen. Zumindest trifft das gezeichnete Bild der Märchen-Oma nicht auf meine eigenen zu. Diese waren jünger als Zwergnases Omas jetzt und auch noch selbstständig. Demnach musste meine Mutter den Alltag mit zwei Kindern auch alleine stemmen. Meine Omas waren da, wenn Not am Mann war oder wenn meine Eltern eben einmal ausgehen wollten. Ich glaube aber nicht, dass sich meine Mutter gewünscht hätte, dass ihre Mutter und ihre Schwiegerm

Der Hund auf der Straße - (K)ein Straßenköter?

Ich mag Hunde nicht besonders. Wenn ich auf der Straße einem begegne, ignoriere ich ihn. Es käme mir nicht in den Sinn, einem Hund oder seinem Besitzer zuzusprechen. Das Tüddelü der alten Damen, wenn sie normalerweise Babys sehen. Von wegen "Ja, ist das ein Süßer! Ja, wie heißt er denn? Bist ein Braver, gell! JAAAAAA!" Ähm. Nein. Zuviele Hunde von Bekannten sind an mir hoch gesprungen und haben mir die Kleidung ruiniert. Außer einem "Normal macht der das nicht! Höhö!" kam herzlich wenig von den Besitzern. Wenn ich nur an diese eine Jeans denke... Weiß der Geier, wo der Hund zuvor rumgelaufen war. Die Flecken von seinen Pfoten bekam ich nie wieder raus. Zu oft bin ich schon in Hundedreck gestiegen. Zu oft habe ich zu Zwergnase sagen müssen, dass er hier und dort keine Blumen pflücken darf, weil da Hunde reinkacken. Noch öfter hat mich das plötzliche Gebell hinter einer Hecke erschreckt oder wurde Zwergnase davon aufgeweckt. Nein, meine Erfahrungen mit Hunden sind bi