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Die Kunst der Diplomatie

Mein größter Kritiker ist mein Sohn. Als echter Niederbayer ist er sparsam mit Lob, dafür deutlich in der Kritik. Ich bin ehrgeizig. Nachdem die grünen Muffins eindeutig durchgefallen waren, heute ein neuer Versuch. Eine kurzzeitige geistige Umnachtung ließ mich glauben machen, dass Pizzaschnecken doch eine lustige Idee seien.

Schon im Hausgang schnüffelt er misstrauisch. "Was stinkt hier denn so schrecklich? Mama! Was hast du da gekocht?!" Beim Blick auf den Teller wandert eine Augenbraue nach oben. "Ich hab dir nie gesagt, dass ich das essen mag!", wirft er vorwurfsvoll in den Raum.

"Jetzt probier doch erst einmal!" Aufmunternd schiebe ich ihm seinen Teller zurecht. Ein tiefer Schnauferer, widerwillig beißt er ab, kaut sehr ausgiebig und schluckt den Bissen angestrengt hinunter.

Ich traue mich kaum nachzufragen, scheine jedoch einen sehr erwartungsvollen Blick aufgesetzt zu haben, den mein Sohn nicht enttäuschen will.

Er tätschelt mir den Arm tröstend. …
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Zurück in die Zukunft

“Wir wollen mit Ihnen über Ihre Zukunft sprechen! Wie sieht die aus…?”, schalmeit es durch die Sprechanlage. “Blendend!”, entgegne ich und verabschiede die beiden Damen mit verdächtigen Broschüren in den Händen und einem Gesichtsausdruck, der dem Leiden Christi alle Ehre macht. Der Staubsauger-Vertreter ist den beiden zuvor gekommen. Auch der wollte mit mir über meine Zukunft sprechen. Das Saug-Wisch-Kombi-Dingens würde alles revolutionieren! Ein paar Tage zuvor versicherte mir der Kundendienst meiner Küchengeräte, dass ich mit der Marke in die Zukunft investiert hätte. Wer wollte schon ohne leben?

Scheinbar weiß jeder über meine Zukunft Bescheid. Eines haben alle gemeinsam. Alle malen sie ein Bild des Verderbens, der Schuld, des Mangels, Unzufriedenheit, Krankheit und Tod. Die Angst vor der Zukunft ist ein Bombengeschäft, das boomt. “Denken Sie auch an morgen!”, sagen Versicherung und Bank. Hauptsache, du gibst Geld aus, um das drohende Unheil abzuwenden. Alles für die Gesundheit und …

Das elterliche Meisterstück

“Der Fernseher bleibt jetzt aus!” Entschieden lege ich die Fernbedienung in die Schublade. “Aber Mama!” Fassungslosigkeit macht sich bei Zwergnase breit, Goldlöckchen zeigt protestierend mit dem Zeigefinger auf das Gerät, während sie das Gesicht kraus zieht. Aber ich bleibe konsequent und der Fernseher aus. Ich muss ein Grinsen unterdrücken, als Zwergnase schmollend in sein Zimmer stampft, während seine Schwester ihm ebenso energisch folgt. Zu seinen Entscheidungen zu stehen ist das A und O der Erziehung! Jawohl!

Ich erledige etwas Hausarbeit und freue mich, dass die beiden so einträchtig miteinander spielen. Im Kopf gewinne ich pädagogisches Bullshit-Bingo: Man muss Langeweile auch mal aushalten können - das fördert die Kreativität! Allerdings… Etwas verdächtig ist es schon, dass so gar nichts nach außen dringt. Die beiden Frühaufsteher werden doch nicht eingeschlafen sein?

Leise öffne ich die Tür, um meine beiden Engelchen nicht zu wecken. Doch das Bett ist leer. Stattdessen strahlt …

Auf der Suche

Jeder Mensch ist auf der Suche. Andere Leute suchen ihren Seelenverwandten, den Partner fürs Leben, das kleine und das große Glück. Manch einer sucht sich selbst oder den Sinn des Lebens. Ich bin auch auf der Suche. Ständig. Ich suche die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Ich suche zum Beispiel Karl-Heinz.

Karl-Heinz ist ein achtzig Zentimeter großer Plüschhase, den mein 92 Zentimeter großes Goldlöckchen an seinen Schlappohren hinter sich herzieht, wenn sie ins Bett geht. Ohne Karl-Heinz geht nichts. Eltern brauche ich die Folgen nicht zu erläutern, wenn der Herr wieder mal abgängig ist. Es muss Karl-Heinz sein und kein anderer. Ist er verschwunden, hilft sie tatkräftig bei der Suche. Goldlöckchen geht in die Knie, hebt den Spieleteppich an, schaut drunter und ruft “Heinse?” Überrascht, nicht erfolgreich gewesen zu sein, lässt sie den Teppich wieder fallen und zuckt mit den Schultern: “Nimma da!” Dann eilt sie mit Feuereifer zum nächsten Versteck, um den Vorgang zu wiederholen.

Finde …

Macho, Macho

Nach einer Weile stellt man bei der Kindererziehung fest, dass es völlig egal ist, was du sagst. Viel wichtiger ist, was du deinen Abkömmlingen vorlebst. Sie sehen alles und sie hören alles. In jeder Einzelheit. So legt Zwergnase im Spiel dem Papa das Fleisch auf den Teller, während Mama am Salatblatt knabbern darf. Vielleicht sollte ich unseren Kaffeekonsum überdenken… Goldlöckchen braucht an der Puppenküche nur die Tassen und den Vollautomat, der so herrliche Geräusche macht. Fehlt nur noch der Duft der Kaffeebohnen. Der Rest interessiert sie nicht. Einen besonderen Pro-Tipp habe ich aber: Vor den Kindern besser nicht das Messer ablecken! Umso mehr freut es mich, wenn andere Mütter mir sagen, wie brav und anständig sich Zwergnase verhält.

Manchmal ergeben sich auch etwas ungünstige Kombinationen. So trägt Goldlöckchen ihrem großen Bruder die Kleidung hinterher und stellt ihm die Schuhe zum Hineinschlüpfen parat. Er lässt es sich natürlich gefallen. Irgendeinen Vorteil muss ja eine k…

Nimm 2 - Doppelt hält besser

5.50 Uhr. Muttertag. Tatort: Elterliches Schlafzimmer. “Alles Liebe zum Muttertag!” Zwergnase drückt mir einen saftigen Knutscher ins Gesicht und überreicht mir stolz sein im Kindergarten gebasteltes Geschenk. Mir wird ganz warm ums Herz. Passend zum Muttertag. Sie geben einen ja soviel zurück, oder wie war das?

Am Tag zuvor. Nachmittag. Zwergnase brüllt. Goldlöckchen quietscht. “Aber das ist meine Trinkflasche!”, protestiert er, während sie die Füße in den Boden stemmt und daran zieht. Ehe ich einschreiten kann, rutscht ihm die Flasche aus der Hand und beide landen auf dem Hosenboden. Jetzt plärren beide, während der Saft ausläuft und klebrige Flecken auf dem Boden macht. Goldlöckchens etwas kleinere Flasche steht unbehelligt auf dem Tisch. Atmen. Einatmen. Ausatmen. “Hättest du sie nicht einfach trinken lassen können?”, presse ich zwischen den Zähnen hervor. Doch selbst wenn Zwergnase ritterlich nachgegeben hätte, ihre eigene Flasche hätte Goldlöckchen ihm ja doch nicht überlassen.…

Spielermama

Irgendwann kommt im Leben einer Frau der Tag, an dem sie ihren Sohn auf den Fußballplatz begleitet. Sie trägt ihm eine Sporttasche hinterher, so groß, dass in dieser ein weiteres Kind Platz hätte. Während ihr kleiner Star von einem Bein auf das andere tritt, enträtselt sie, wie Schienbeinschoner und Stutzen angelegt werden und hilft dem Champion in die Stollenschuhe, mit denen er ihr auf die Finger tritt. Der Göttergatte hat es sich natürlich nicht nehmen lassen, den Sohnemann schon für das erste Training professionell auszustatten. Das Talent kommt mit dem Spiel… oder so ähnlich.

Mit der Disziplin ist es so eine Sache. Bis der letzte vom Trainer auf seinem Platz positioniert wird, tanzt der erste schon wieder aus der Reihe, während der andere die Gänseblümchen auf dem Rasen zählt. Ich bewundere die Geduld des Dompteurs und bin erstaunt, als dann tatsächlich ein geordnetes Training beginnt, bei dem die zukünftige Nationalelf das Passspiel übt.

Plötzlich liegt Zwergnase am Boden und wei…