Direkt zum Hauptbereich

Biene sticht Bauer - Gedanken zum Bürgerbegehren

"Rettet die Bienen!" - Wer will das nicht? Das muss man den Initiatoren lassen. Indem sie die arme kleine Biene Maja auf ihrer Klatschmohnwiese bedrohen, nimmt man allen Gegnern den Wind aus den Segeln. Wer Kritik am Gesetzesentwurf äußert, wird (vor allem in den sozialen Medien) schnell ausgehebelt:
"Also willst du, dass die Bienen aussterben?"
"Nein, natürlich nicht!"
"Also musst du unterschreiben!" Bäm. Ende der Diskussion.


Die Fronten verhärteten schnell, das Motto "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns!" ist allgegenwärtig. Wegen der paar Änderungen im Bayerischen Naturschutzgesetz werden weder die Bauernhöfe aussterben, noch wäre im Falle eines Scheiterns die Welt untergegangen - nicht zuletzt, wenn man einmal ganz logisch die Gesamtfläche Bayerns an derselben bedenkt. Ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber etwas tun ist besser als nichts tun. Irgendwer muss schließlich anfangen. Über das Wie kann man sich streiten, aber wichtiger ist doch, DASS etwas getan wird. Vom Untergang der Menschheit zu sprechen, weil der bayerische Bauer bis an den Gewässerrand bewirtschaftet, ist jedoch sicher überzogen.

Als mündiger Bürger habe ich natürlich versucht, mich zu informieren. Angefangen bei dem Gesetzentwurf der Initiative, über die Darstellung des Bauernverbands bis zu Pro- und Contra-Listen der Nachrichten. Die Ängste der Bauern kann ich schließlich nachvollziehen. Der Änderungsvorschlag ist voll von Vorschriften und Verboten, die die Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen betreffen. Es geht ins Detail des landwirtschaftlichen Alltags, von dem ich keine Ahnung habe und mir in der Kürze der Zeit auch kein fundiertes, kein praktisches Wissen aneignen kann. Von den Bestimmungen über Fördergelder ganz zu schweigen.

Schon während des ersten Lesens des Antrags auf Gesetzesänderung habe ich das Gefühl, dass die Bauern zwangsverpflichtet werden sollen, wie sie ihre Betriebe zu führen haben. Deutschland paragrafiert sich noch zu Tode. Parallel macht Schlagzeilen, dass die Zahl der Bio-Höfe kontinuierlich steigt - nicht zuletzt eben wegen der Fördergelder, die eine Umstellung möglich machen und die Höfe rentabel bleiben. Nur bei der Bio-Milch sei Vorsicht geboten, denn hier gebe es schon Wartelisten, weil der Markt gesättigt sei. Hoppla. Was bedeutet die Forderung nach biologisch genutzter Landwirtschaftsfläche für den Markt? Würden Bio-Produkte dann günstiger? Bedeutet es durch schrumpfende Einnahmen das Ende für die kleinen Höfe, die die Hauptrolle in der romantisierten Vorstellung eines Großstädters über das Landleben spielen? Oder handelt es sich dabei nur um einen symbolischen Aufschrei des wohlhabenden Landwirts, dessen Gewinn sich zwar schmälert (wenn es denn überhaupt so ist), er aber immer noch gut davon leben kann? Ist der Preis für Bio-Ware überhaupt gerechtfertigt, oder wird hier ein Trend zu Gold gemacht? Doch was maßen wir uns an, über den Verdienst eines Selbstständigen zu urteilen, der eben nicht von 8 bis 16 Uhr im Büro sitzt und dann sorgenfrei nach Hause geht? Der Risiken abwägen und Entscheidungen treffen muss, die seine Zukunft maßgeblich beeinflussen können?

Ich kann die Kritik des Bauernverbands also nachvollziehen. Dennoch bleibt auch hier, dass man die Lage vielleicht dramatischer darstellt, als sie tatsächlich ist. Aber wer weiß das schon so genau. Es wird vermutlich 50 shades of grey geben. Was mich auf den Gedanken bringt, wie Vorschriften und Bevormundung psychologisch wirken. In aller Regel lautet die Antwort Ablehnung und Rebellion, Aufbegehren und Trotz. Wer will sich schon gerne sagen lassen, wie er mit seinem Eigentum zu verfahren hat? Wie er zu leben hat? Ich möchte das für mich auf alle Fälle nicht.

Vielleicht hätte man auch den Bauernverband im Vorhinein schon ins Boot holen können, wenn man miteinander gearbeitet hätte, auch Anerkennung und Wertschätzung für bereits Erreichtes kommuniziert hätte, gute Entwicklungen bestärkt und unterstützt hätte.a Der Weg ist das Ziel, in Bewegung bleiben, um vorwärts zu kommen. Aber hätte, hätte, Fahradkette. Nun ist es, wie es ist. Da helfen alle Phrasen nichts.

Ich habe übrigens bewusst nicht unterschrieben - weil ich die Folgen nicht absehen kann. Nun bin ich auf den Gegenentwurf der Landesregierung gespannt und hoffe auf eine Lösung, die ein annehmbarer Kompromiss für alle Beteiligten sein wird. Denn die Wiesen blühen bunt - und nicht schwarz-weiß.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Wann wird's mal wieder richtig Sommer?

Im Sommer kann kommen, was wolle, ich beschwere mich nicht über die Hitze. Es gibt schließlich nichts Schlimmeres als einen verregneten Sommer, bei dem man Trübsal blasend an der Fensterscheibe klebt und verzweifelt, was man mit den Kindern noch anstellen könnte. Dieses Jahr blieb uns das erspart. Wenn es einem zu heiß wurde, fuhr man halt in den Urlaub. Nach Italien oder so.
Wir sahen nicht, wie der Rasen ausblieb, weil wir ständig beim Baden waren. Die Kinder schliefen am Abend müde im Bett und wir saßen mit Cocktail in der Hand auf dem Balkon. Unser Rum-Verbrauch kam diesen Sommer dem eines Piratenschiffs aus der Karibik gleich.
Das Freibad machte im September zu. Am letzten Tag hatte es 30 °C, die darauffolgenden Tage 33 °C. Aber im September kann man ja nicht mehr baden. Viel zu frisch! Als der Rum alle war, kauften wir keinen neuen mehr. Einerseits wollten wir den anonymen Alkoholikern entgehen, andererseits konnte ja jeder Abend der letzte draußen sein. Und dann steht der Rum …

Oma in der Pflicht?

Auf Einer schreit immer erschien kürzlich ein Gastbeitrag darüber, dass man sich als Mutter Unterstützung von der Oma wünschen würde, die aber ihr Leben in vollen Zügen genießt, sich im Fitnessstudio und auf Reisen herumtreibt, während die Working Mum sich wie im Hamsterrad aus Beruf, Haushalt und Kindererziehung fühlt. Früher sei das ganz anders gewesen. Früher hätten Omas gestrickt und mit dem Enkel auf der Parkbank sitzend Vögel gefüttert.
Ich glaube, hier ist jemand dem "Früher war alles besser"-Irrglauben aufgesessen. Zumindest trifft das gezeichnete Bild der Märchen-Oma nicht auf meine eigenen zu. Diese waren jünger als Zwergnases Omas jetzt und auch noch selbstständig. Demnach musste meine Mutter den Alltag mit zwei Kindern auch alleine stemmen. Meine Omas waren da, wenn Not am Mann war oder wenn meine Eltern eben einmal ausgehen wollten. Ich glaube aber nicht, dass sich meine Mutter gewünscht hätte, dass ihre Mutter und ihre Schwiegermutter sich in ihren Haushalt ei…

Der Kindergeburtstag

"Ich bin zur Geburtstagsfeier eingeladen!" Stolz hält mir Zwergnase die liebevoll gebastelte Einladung mit aufgeklebten Monsterauge und Zähnen vor das Gesicht. Seine Aufregung steckt mich an. Das wird sein erster richtiger Kindergeburtstag sein, ohne dass Mama den ganzen Nachmittag Händchen hält. Plötzlich bin ich nervöser als er. Denn Zwergnase gruselt sich schon etwas vor dem ganzen Halloween-Zeug, auch wenn er es nicht zugibt. Zwergnase ist begeistert. In der Woche vor dem Geburtstag malen wir täglich entweder auf Papier oder mit Straßenmalkreide Spinnen, Vampire, Geister und Skelette. Wenn er nachts zu uns ins Bett kriecht, geht das nur noch mit Taschenlampe. Aber seiner Begeisterung tut das keinen Abbruch. Ich bringe es nicht übers Herz, ihn nicht auf den Geburtstag zu lassen, weil er danach Angst haben könnte. Frage aber die Mama, ob ich nicht eine kleine Weile bleiben dürfe. Noch während ich die Nachricht abschicke, komme ich mir wie eine Glucke vor. 
Während ich Zwe…