Direkt zum Hauptbereich

Echte Freunde

Echte Freunde zu finden ist schwer. Es gibt nicht viele, die mit sich so im Reinen sind, dass sie dir dein Glück uneingeschränkt gönnen. Die meisten sind vom Neid zerfressen und geben dir die Schuld an ihrer eigenen Unzufriedenheit. Nur wenn sie etwas brauchen, erinnern sie sich an dich und stehen mit großen Rehaugen an deiner Tür. Wohl wissend, dass man es aller Wahrscheinlichkeit nicht übers Herz bringt, ihnen diese direkt vor der Nase wieder zuzuschlagen. Klingt frustriert? Ist es auch. 

Doch glücklicherweise kann man dagegen etwas machen. Entweder, man hört sich den Titel "Ein Freund" von der EAV an. Oder man sucht sich eben neue Freunde. Am besten solche, die ihren Prinzipien treu sind, was auch passieren mag. Auf die du dich in jeder Situation zu 100 Prozent verlassen kannst, weil du sie so gut kennst, dass keine ihrer Reaktionen mehr überraschend für dich ist. Wo man solche Freunde findet? In aller Regel auf allen Streaming-Kanälen. Am besten wählt man Serien mit mehr als 3 Staffeln aus, sodass du auch genug Gelegenheit hast, deine neuen Freunde wirklich kennenzulernen. 

Das Schöne an diesen Freunden ist, dass sie dich an ihrem Leben teilhaben lassen, ohne dich mit ihren Problemen zu belasten. Gut, es kann schon mal sein, dass du nach 5 Folgen Prison Break am Stück im Behandlungszimmer eines Arztes nach einem Fluchtweg suchst, der nicht durch die Tür geht und du dir vornimmst, mehr wissenschaftliche Zeitungen zu lesen, um dir ein nettes Tool zu bauen, solltest du in eine internationale Verschwörung hinein geraten. Du fragst dich, ob es wirklich Mäuse waren, die die Elektronik der Konrad Adenauer angeknabbert haben oder ob nicht doch Michael Scofield eine Verteilerbox lahmgelegt hat - zu welchem Zweck auch immer.

Deine neuen Freunde sind immer für dich da. Genau dann, wenn du sie brauchst. Und hast du einmal keine Lust auf sie, musst du dich nicht erklären. Niemand ist beleidigt. Sie warten mit ihrem Leben einfach auf dich, bis du wieder soweit bist, ihre Sorgen, Ängste und Nöte zu teilen und ihre Glücksmomente mit ihnen zu durchleben.
Zu schön, um wahr zu sein? Nun, wo Licht ist, ist bekanntermaßen auch Schatten. Denn wenn du ihnen einmal absagst, kann es durchaus sein, dass sie ihr Leben mit jemand anderes weiterleben. Heißt: Verrate bloß niemandem, wie weit du in welcher Serie bist. Irgendwer hat sie bestimmt schon angeschaut und wird dann Sachen sagen wie: "Ah, da war dies und jenes ja noch nicht!" oder "Ach ja. Es ist alles ganz anders, als es da noch aussieht." oder "Du wirst dich noch wundern, was mit Xy passiert!" Danke auch! DAS WOLLTE ICH NICHT WISSEN!

Ein weiterer Nachteil ist, dass nicht du bestimmen kannst, wann sich eure Wege trennen. Irgendwann bleibt nur noch ein Abspann zurück und ein Loch im Bauch. So schnell du deine Freunde gewonnen hast, sind sie auch wieder verloren. Du weißt, dass es doch irgendwie weitergehen muss! Doch es bleibt nichts als Leere. Man spricht über sie, wie über längst Vergangenes. "Weißt du noch...? Wie hätte Xy wohl in dieser Situation reagiert?" Ich bin außerdem wählerisch, was neue Freunde angeht. Es müssen schon besondere Schicksale sein wie die meines Lieblings-Ausbrechers. Davor habe ich mein Herz einem gewissen Vikingerkönig namens Ragnar geschenkt, von dem ich mich erst nach drei Durchgängen aller Staffeln verabschieden konnte. Sein Schicksal schmerzt mich noch immer. Doch mit etwas Geduld tun sich sicher bald neue Freundschaften auf. Manche bleiben dann auch ein Leben lang - wie die mit einer Belegschaft einer Notaufnahme in Chicago. Bei 15 Staffeln weiß man eben, was man hat.

Und was sind eure Lieblingsserien?

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Wann wird's mal wieder richtig Sommer?

Im Sommer kann kommen, was wolle, ich beschwere mich nicht über die Hitze. Es gibt schließlich nichts Schlimmeres als einen verregneten Sommer, bei dem man Trübsal blasend an der Fensterscheibe klebt und verzweifelt, was man mit den Kindern noch anstellen könnte. Dieses Jahr blieb uns das erspart. Wenn es einem zu heiß wurde, fuhr man halt in den Urlaub. Nach Italien oder so.
Wir sahen nicht, wie der Rasen ausblieb, weil wir ständig beim Baden waren. Die Kinder schliefen am Abend müde im Bett und wir saßen mit Cocktail in der Hand auf dem Balkon. Unser Rum-Verbrauch kam diesen Sommer dem eines Piratenschiffs aus der Karibik gleich.
Das Freibad machte im September zu. Am letzten Tag hatte es 30 °C, die darauffolgenden Tage 33 °C. Aber im September kann man ja nicht mehr baden. Viel zu frisch! Als der Rum alle war, kauften wir keinen neuen mehr. Einerseits wollten wir den anonymen Alkoholikern entgehen, andererseits konnte ja jeder Abend der letzte draußen sein. Und dann steht der Rum …

Oma in der Pflicht?

Auf Einer schreit immer erschien kürzlich ein Gastbeitrag darüber, dass man sich als Mutter Unterstützung von der Oma wünschen würde, die aber ihr Leben in vollen Zügen genießt, sich im Fitnessstudio und auf Reisen herumtreibt, während die Working Mum sich wie im Hamsterrad aus Beruf, Haushalt und Kindererziehung fühlt. Früher sei das ganz anders gewesen. Früher hätten Omas gestrickt und mit dem Enkel auf der Parkbank sitzend Vögel gefüttert.
Ich glaube, hier ist jemand dem "Früher war alles besser"-Irrglauben aufgesessen. Zumindest trifft das gezeichnete Bild der Märchen-Oma nicht auf meine eigenen zu. Diese waren jünger als Zwergnases Omas jetzt und auch noch selbstständig. Demnach musste meine Mutter den Alltag mit zwei Kindern auch alleine stemmen. Meine Omas waren da, wenn Not am Mann war oder wenn meine Eltern eben einmal ausgehen wollten. Ich glaube aber nicht, dass sich meine Mutter gewünscht hätte, dass ihre Mutter und ihre Schwiegermutter sich in ihren Haushalt ei…

Der Kindergeburtstag

"Ich bin zur Geburtstagsfeier eingeladen!" Stolz hält mir Zwergnase die liebevoll gebastelte Einladung mit aufgeklebten Monsterauge und Zähnen vor das Gesicht. Seine Aufregung steckt mich an. Das wird sein erster richtiger Kindergeburtstag sein, ohne dass Mama den ganzen Nachmittag Händchen hält. Plötzlich bin ich nervöser als er. Denn Zwergnase gruselt sich schon etwas vor dem ganzen Halloween-Zeug, auch wenn er es nicht zugibt. Zwergnase ist begeistert. In der Woche vor dem Geburtstag malen wir täglich entweder auf Papier oder mit Straßenmalkreide Spinnen, Vampire, Geister und Skelette. Wenn er nachts zu uns ins Bett kriecht, geht das nur noch mit Taschenlampe. Aber seiner Begeisterung tut das keinen Abbruch. Ich bringe es nicht übers Herz, ihn nicht auf den Geburtstag zu lassen, weil er danach Angst haben könnte. Frage aber die Mama, ob ich nicht eine kleine Weile bleiben dürfe. Noch während ich die Nachricht abschicke, komme ich mir wie eine Glucke vor. 
Während ich Zwe…