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Hochzeiten und andere Katastrophen

Hochzeiten sind toll. Verwandte, Freunde und Schmarotzer (Mehrfacheinordnungen möglich) finden sich zu solchen Gelegenheiten zusammen. Es wird getanzt, gegessen und gelacht. Noch nach Wochen hat man etwas zu reden. Über Tante Emmis Kleid, dass Onkel Rolf besoffen unterm Tisch lag, der füllige Onkel nur ein Kinderschnitzel serviert bekam und dann vom Buffet auch noch den Kuchen der eigenen Mutter erwischte. Doch das Beste an solchen Tagen sind die Kinder.

Zu Hochzeiten und anderen Katastrophen werden diese nämlich bei der freien Oma abgegeben. Ich liebe meine Kinder über alles, wirklich. So sehr, dass ich weder ihnen noch mir einen langen Tag zusammen im Wirtshaus antun möchte. Es geht ja schon los, wenn man sich für den Anlass zurecht macht. Nein! Gib ihr keine Breze! Apfelbäckchen wird nicht nur sich selbst einsauen! Zwergnases Nutella-Kussmund wird magisch von weißen Hemden oder teuren Roben angezogen, weil ihm ausgerechnet dann einfällt, dass er mich in der Nacht soooo sehr vermisst hat, als die Augen zu waren.

Und was man alles einpacken muss! Von Wickelsachen und Wechselklamotten einmal abgesehen, reist man mit Proviant für eine ganze Fußballmannschaft und Spielzeug für eine ganze Betreuungseinrichtung, damit das Kind ja nicht unleidig wird. Nichts von alledem wird tatsächlich benötigt, aber wehe, man hätte die Ausrüstung nicht dabei! Während das eine Kind zu sehr am Rockzipfel hängt, macht sich das andere selbstständig. Es rennt den Bedienungen zwischen die Füße, räumt Tischdecken ab und planscht im Zimmerbrunnen. Wenn man es endlich still am Tisch sitzen hat, zeigt es auf Onkel Hans und fragt, warum der so dick ist und warum Tante Helga wie ein Clown geschminkt ist. Zeit, um eine Stunde zu verschwinden, damit das Baby im Kinderwagen schläft. Macht es natürlich nicht, weil alles viel zu aufregend ist. Am Ende geht man viel zu früh nach Hause, bevor Onkel Hans am lustigsten wird, weil die Kinder ins Bett müssen. Und das Glas Wein, dass man so dringend nötig gehabt hätte, steht noch immer auf seinem Platz. Nein, danke!

Da haben die Kinder lieber ihre Beinfreiheit bei der Oma, während ich völlig entspannt mein Glaserl Wein schlürfe, am Tisch sitzen bleibe und mich in Ruhe mit Tante Emmi unterhalte. So oft wird schließlich auch nicht geheiratet.

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