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Das erste Mal

Die  Aussicht auf rohen Fisch mit Reis und salziger Sojasauce versetzt mich nicht gerade in ekstatische Verzückung. Deshalb ernte ich regelmäßig ungläubige Blicke dafür, mit guten 30 Jahren noch nie Sushi essen gewesen zu sein. Allerdings bin ich stets offen für Neues und so bin ich nun keine Sushi-Jungfrau mehr.

Ich bin froh, erfahrene Begleitung um mich zu haben, denn die Speisekarte besteht aus einem blinkenden Bahnhofsschild. Ich verlasse mich auf die anderen. Zur Vorspeise gibt es edamame, gekochte grüne Sojabohnen mit Salz. Ungläubig starre ich auf das kleine Schälchen, die grünen Dinger locken mich so gar nicht. Tatsächlich schmecken sie aber sehr lecker. 

Als verschiedene Sushi eindrucksvoll auf einem Holzschiff serviert werden, muss ich mich den Essstäbchen stellen. Geduldig zeigen mir meine Begleiterinnen immer wieder, wie ich sie halten muss. Doch ich schaffe es nicht. Immer wieder rutscht mir eins aus der Hand oder ich verkrampfe dermaßen, dass ich sie nicht bewegen kann. Als ich es endlich schaffe, eine Fischrolle aufzunehmen, entflutscht mir diese sofort wieder. Ich schäme mich. Wie doof kann man eigentlich sein? Ich vergewaltige das maki, indem ich ein Stäbchen durch den Mantel stecke und die Rolle so zum Sojaschälchen balanciere. Das ist mir allerdings noch peinlicher, sodass ich letztlich mit den Fingern esse. Aber ich fühle mich als einzige sehr unwohl dabei. Erst später lese ich in der Karte, dass das Essen mit der Hand durchaus üblich sei.

Als die Platte leer ist, fühle ich mich noch nicht wirklich satt. Sechs Augen blicken mich erwartungsvoll an. „Und?“ Tatsächlich hat es mir weder besonders gut noch schlecht geschmeckt. Vermutlich würde ich niemand vorschlagen, dass wir mal Sushi essen gehen könnten. Das Glücksgefühl, das Glänzen der Sushisüchtigen will sich nicht einstellen. Scheinbar auch nicht bei den anderen – denn beim Zwischenstopp zwischen zwei Bars können sie am goldenen M nicht vorbei… 

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