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Knast

Es sind Tage wie diese. Tage an denen dir das Baby direkt vor die Füße kotzt. Genau genommen kotzt es je nach Haltung auf die Füße, auf den Rücken, in den Ausschnitt, und wenn es nicht dich trifft, dann zwischen irgendwelche Ritzen und Fugen oder in andere schwer erreichbare Stellen. Es sind Tage wie diese, an denen du morgens schon weißt, dass du den Geruch von Babykotze den ganzen Tag nicht aus der Nase kriegst, egal wie oft du dich selbst und das Kind säuberst und umziehst. Und du wirst es oft tun.

In dieser Zeit hängt dir der Große mit Sicherheit auch quengelnd am Rockzipfel. Weil du den Apfel falsch aufgeschnitten (mein toller Apfelentkerner ist leider noch nicht da), du das Brot falsch bestrichen und du das ultimative Lieblings-Dino-T-Shirt noch nicht gewaschen hast.

An Tagen wie diesen wünscht du dich an einen Strand in der Karibik mit einem Cocktail in der Hand und deine einzige Sorge ist, was das nächste Buffet zu bieten hat. Lange hält die Vision nicht an, da schalmeit es schon wieder "Maaaaaamaaaaaa!" Weinerlich, wütend, müde, knatschig oder alles auf einmal. Das Dauer-"Mähmähmäh" im Hintergrund dringt schon gar nicht mehr ins Bewusstsein durch. An Tagen wie diesen verspüre ich den starken Drang, mich im Schneidersitz auf den Balkon zu setzen, die Hände auf den Knien ruhen zu lassen, mit den Daumen die Mittelfinger zu berühren und "Oooooooooohhhhhhhhhhmmmmmm" vor mich hinzusummen. Vielleicht stünde mir auch so eine esoterische Klangschale ganz gut, während mich die Sonne in der Nase kitzelt. Weil genau diese scheint wie schon lange nicht mehr, bin ich fest entschlossen, die Sonne allen Widrigkeiten zum Trotz zu genießen.

Beide Kinder müssen ja irgendwann schlafen, denkst du dir, lässt die Klangschale weg und ersetzt sie durch einen schönen ruhigen Kaffee auf dem Balkon. Ein schöner Gedanke. Ein Gedanke, der dich durchhalten lässt. Bis die Kinder schlafen. Natürlich nicht gleichzeitig. Okay. Dann gibt es eben ein Bier abends auf dem Balkon. Gleichmal kühl stellen. Denke positiv! Wenn der Große schläft und die Kleine wach ist, ist die Kleine müde, wenn der Große fit ist. Optimal! Baby in den Wagen, Großen an die frische Luft. Perfekt! Der Tag ist gerettet.

Nicht. Der Große schläft länger als erwartet und hat erst einmal Hunger. Das hält das Baby aber nicht mehr aus. Also Baby ins Bett, Essen für den Großen. Das Baby schläft natürlich so tief, dass es ein unkalkulierbares Risiko darstellen würde, würde man es in den Kinderwagen umbetten (Störe nie, wirklich niemals Babys Schlaf!!!). Also den Großen hinhalten. Als das Baby aufwacht, braucht es eine frische Windel, dann eine Flasche, die es anschließend wieder kotzt. Aber man lernt dazu. Das Baby wird in ein Ganzkörperlätzchen gesteckt und zum Bäuerchen direkt über die Spüle gehalten. Wasserhahn auf, Wasserhahn zu und fertig. Warten, bis das Baby wieder müde wird, sonst rebelliert es im Kinderwagen. Jetzt aber schnell, damit wir zumindest noch eine Stunde raus können. Das Baby ist angezogen, der Große war bieseln, Brotzeit ist eingepackt und los geht's! Endlich Ausbruch aus der Wohnung und ab in die Sonne.

Das Baby schläft schnell ein, Kinderwagen geparkt, mit dem Großen spielen. Nach nur kurzer Zeit wackelt der Wagen: "Mäh mäh mäh!" Großen vertrösten, wageln. Das geht ein paar Mal so, dann wird es dem Großen zu blöd. Quengeln, das kann er auch!  Das mit dem Schläfchen im Wagen wird nichts mehr, also wieder rein. Der nächste Hunger steht ohnehin schon wieder an. Die Nerven liegen blank. Ich fühle mich in der Wohnung gefangen. Der schöne Tag findet ohne uns statt. Als der Mann heimkommt und meint, dass er nochmal weg müsse, rutscht mir ein theatralisches "Lass mich nicht allein!" heraus.

"Aber Mama! Du hast doch Apfelbäckchen und mich!", ruft Zwergnase da und legt mir tröstend die Hand auf den Arm. Und dann weißt du wieder, wofür.

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