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Die Abenteuer der Beikost


Bei Zwergnase las ich einmal in einem Ratgeber, dass man sich für die Einführung der Beikost Zeit nehmen solle. Damit war nicht das Alter des Kindes gemeint, sondern der Moment des ersten Breis. Man solle sowohl das Kind als sich selbst kleckersicher anziehen. Für Zwergnase hatte ich Ganzkörperätzchen aus Plastik besorgt, die nun ihren zweiten großen Einsatz haben sollten. Bei Zwergnase haben wir sie ohnehin kaum verwendet. Warum war das noch gleich? Man vergisst ja so schnell!

Das Plastiklätzchen findet Apfelbäckchen ziemlich spannend. Wie das raschelt! Halt, Mama! Ich will auch mal! Sie zupft und rupft, was das Zeug hält und schaut mich gar nicht an, weil das Plastikgeraschel so interessant ist. Am Ende hat sie es so weit runtergezogen, dass sie ihre Arme nicht mehr frei bewegen kann und beginnt zu schimpfen. Lätzchen aus, Ärmelchen zurück. Einsatz von normalen Lätzchen und Geschirrtuch. Die Erinnerung kommt wieder. "Naaaa, ein Löffelchen für Maaaamaaaa...!" Nein, der Löffel gehört Apfelbäckchen. Zack, hat sie ihn schon gefasst und begutachtet ihn von allen Seiten, während der Brei der Schwerkraft folgt. Anfängerfehler! Ein zweiter Löffel muss her, den man dem Kind in die Hand drückt. Problem gelöst. 

Jetzt muss man nur noch Acht geben, dass das Apfelbäckchen damit nicht in die Schüssel tunkt. Das Füttern funktioniert gut und ratzfatz ist das Menü aus Karotte-Kartoffel-Hühnchen fast geleert. Weil man ja irgendwann nicht mehr weiß, was man den großen Augen vor einem alles erzählen soll, fängt man zu loben an: "Fein hast du das Breile gegessen! Ganz toll!" Nein, tu es bitte nicht! Lache dein Kind auf keinen Fall (!) an, so lange es noch Brei im Mund hat. Es wird zurück lachen und brabbeln und prusten. Das ist der Moment, in dem du selbst kleckersichere Kleidung benötigst - oder ein gutes Waschmittel. Jeden Tag heißt es Karotte-Kartoffel-Hühnchen in kleinen Gläschen. Immer Karotte-Kartoffel-Hühnchen von der gleichen Marke.

Man möchte denken, ein Gläschen sei wie das andere. Ob hier Karoffel-Hühnchen oder dort Karoffel-Hühnchen, ist doch wurscht. Nimmt man halt das, was gerade im Angebot ist. Weit gefehlt! Denn scheinbar gibt es erhebliche Qualitätsunterschiede beim Karoffel-Hühnchen-Menü. Die ersten drei Löffel aus dem anderen Gläschen schlingt das Apfelbäckchen noch gierig hinunter. Beim vierten Löffel jedoch, den größten Hunger bereits gestillt, fällt ihr das andersfarbige Etikett auf. Schluss mit lustig! Das kann die Mama selber essen! Es wird gespuckt, der Kopf weggedreht und geschrien, als gäbe es Apfelbäckchen am Spieß. Ich nehme das Apfelbäckchen auf den Schoß, lenke es ab, halte ihr die Trinkflasche hin und möchte ihr einen weiteren Löffel unterjubeln. Keine Chance. Sie windet und sträubt sich, als würde ich sie vergiften wollen.

So schnell gibt Mama aber nicht auf. Bei der nächsten Menü-Mahlzeit fülle ich das Karoffel-Menü in ein altes Gläschen um. Wieder fällt Apfelbäckchen gierig über die ersten drei Löffel her, dann ist Schicht im Schacht. Da hilft die richtige Etikettenfarbe auch nichts mehr. Am Ende streiche ich die Segel, gebe ihr die Flasche und bitte anschließend den Papa, die "richtigen" Gläschen auf dem Nachhauseweg noch zu besorgen, weil unser Gourmet beschlossen hat, eher in den Hungerstreik zu treten als diese Menüs zu essen. Mal schauen, ob der Papa es merkt, wenn ich die übrigen Gläschen unters Gulasch mische...

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