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Es werden Posts vom 2018 angezeigt.

Echte Freunde

Echte Freunde zu finden ist schwer. Es gibt nicht viele, die mit sich so im Reinen sind, dass sie dir dein Glück uneingeschränkt gönnen. Die meisten sind vom Neid zerfressen und geben dir die Schuld an ihrer eigenen Unzufriedenheit. Nur wenn sie etwas brauchen, erinnern sie sich an dich und stehen mit großen Rehaugen an deiner Tür. Wohl wissend, dass man es aller Wahrscheinlichkeit nicht übers Herz bringt, ihnen diese direkt vor der Nase wieder zuzuschlagen. Klingt frustriert? Ist es auch. 
Doch glücklicherweise kann man dagegen etwas machen. Entweder, man hört sich den Titel "Ein Freund" von der EAV an. Oder man sucht sich eben neue Freunde. Am besten solche, die ihren Prinzipien treu sind, was auch passieren mag. Auf die du dich in jeder Situation zu 100 Prozent verlassen kannst, weil du sie so gut kennst, dass keine ihrer Reaktionen mehr überraschend für dich ist. Wo man solche Freunde findet? In aller Regel auf allen Streaming-Kanälen. Am besten wählt man Serien mit meh…

Die kalte Schulter

Es gibt Möbelstücke, die sind wie ein guter Freund. Man fühlt sich rundum wohl und wünscht sich, dass die gemeinsame Zeit nie enden würde. Doch die Lebensumstände verändern sich, was einst passte wird nun unpassend. Plötzlich ist die Beziehung fad und abgelegen. Es drückt hier und da und du weißt, etwas Neues muss her. Wie es der Zufall will, denkt sich das auch der Bekannte eines Bekannten... - ihr wisst schon. Auf alle Fälle will der seine neuwertige Ledercouch zu einem Bruchteil ihres Anschaffungswertes loswerden. Ideal für uns! Abwischbares Leder ist äußerst kinderlieb und so geben wir ihr das Ja-Wort.
Doch prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht was Besseres findet!  So ist es eben, wenn man sich vorher nicht beschnuppert. Man hegt große Erwartungen. Zu große, die dann bitter enttäuscht werden. Dass sich die Couch einfach abwischen lässt, ist schon der einzige Vorteil. Ansonsten leben wir aneinander vorbei. Manchmal hat das Herz eben seine Gründe, die die Vernunft nicht kennt.…

Freigang

Je älter man wird, umso weniger geht man am Wochenende raus. Dass man die Kinder zu Oma und Opa ausquartiert, wäre ja noch die leichteste Übung. Die Aussicht, sie am Sonntag mit einem verkaterten Kopf wieder bespaßen zu müssen, ist jedoch nicht sehr reizvoll. Einmal im halben Jahr zieht es uns dann doch vor die Tür, vor allem für so wichtige Ereignisse wie das Weinfest des örtlichen Sportvereins. 
Oma und Opa erklären sich sofort und ohne Umschweife bereit, die Kinder zu hüten. Ein bisschen Freigang haben wir uns wieder einmal verdient. Zwergnase ist dahingehend sowieso unkompliziert und da wir inzwischen im selben Haus wohnen, ist auch Apfelbäckchen kein Problem. Ich lege sie wie jeden Tag ins eigene Bett und so bekommt sie quasi gar nicht mit, dass Mama und Papa nicht da sind. Das Babyphon bringen wir zu Oma, wo Zwergnase schon aufgeregt auf der Couch herumhüpft. Er will uns so schnell los werden, dass uns Oma nur noch durch die zufliegende Tür "Viel Spaß!" zurufen kann. &…

Traumgewicht - Plötzlich schlank (Teil 3)

Panisch riss Rieke ihre Augen auf und tastete die Matratze neben sich ab. Sie war allein. Dann schlug sie die Hände vors Gesicht. Was hatte sie nur getan? Wie dumm konnte man denn sein? Sich ausgerechnet von dem Kerl verführen zu lassen, der einen wie einen Fußabtreter behandelt hat. Zu Riekes Traurigkeit gesellte sich Wut und erneut bahnten sich die Tränen ungehemmt ihren Weg. Es dauerte eine ganze Weile, bis Rieke bemerkte, dass etwas nicht stimmte. Sie atmete tief durch. Was war hier falsch? Sie sah sich in ihrem Schlafzimmer um. Es war gewohnt ordentlich, nur das schwarze, sackähnliche Etwas lag am Boden. Moment. Das schwarze? Müsste dort nicht ihr rotes Abendkleid liegen... und ihre Unterwäsche? Erst jetzt lugte Rieke vorsichtig unter die Bettdecke. Sie trug ihr gemütliches Schlafshirt. Wie immer. Rieke sprang aus dem Bett und stellte sich vor den Spiegel. Sie wollte ihn küssen, so leicht fühlte sie sich mit einem Mal. Sie sah auch aus wie immer. Sie hatte all das nur geträumt! D…

Traumgewicht - Plötzlich schlank (Teil 2)

Die Sonne kitzelte Rieke in der Nase. Sie nahm einen tiefen Atemzug, bevor sie die Augen öffnete. Sie streckte sich genüsslich und ausgiebig. Dann setzte Rieke beide Beine auf den Boden, hielt einen Moment inne, sprang leicht wie eine Feder auf die Füße und hüpfte ins Bad. Wie gewöhnlich schob sie sich die Waage zurecht, die Rieke erst mit der Zehenspitze antippte. Augen geradeaus und 1...2...3... drauf. Nach einigen Sekunden starrte sie auf das Display. Bitte sei gnädig!, sandte sie ein Stoßgebet zum Himmel. Rieke stieg von der Waage und wiederholte die Prozedur mehrmals. Langsam ging sie zurück in ihr Schlafzimmer und stellte sich vor ihren Spiegel. Sie ließ ihren Bademantel über die Schultern rutschen und zu Boden fallen. Der Spiegel warf das Bild eines absoluten Traumkörpers zurück.
Rieke sank auf das Bett und fuhr sich mit den Fingern durch die Haare. Wie war das möglich? In Gedanken versunken fasste sie in die Gummibärchen-Tüte neben ihrem Bett. Plötzlich fiel ihr der gestrige A…

Traumgewicht - Plötzlich schlank (Teil 1)

Das darf doch nicht wahr sein!", fluchte Rieke lautstark, stieg von der Waage und schlüpfte in ihren babyrosa Bademantel, in dem sie sich ganz furchtbar klein und niedlich fand. Im Moment fühlte sie sich jedoch nur ganz furchtbar. Schon wieder ein Kilo mehr! 
Sie verstand die Welt nicht mehr. Für was verbot sie sich eigentlich den ganzen Süßkram, aß stattdessen nichts anderes mehr als Hähnchenbrust und Gemüse und schleppte sich ins Fitnessstudio? Doch nicht dafür! Während ihrer Morgentoilette inspizierte sie ihre Hamsterbäckchen und sah Tante Gundula kräftig zukneifen. "Ach schau!", hatte diese immer gerufen, "was für knuffige Pausbacken! Den Babyspeck verlierst du schon noch!", hatte sie Rieke immer trösten wollen und ihr mitleidsvoll den Arm getätschelt. Tja. Nächstes Jahr wurde Rieke 30 und der Babyspeck war ihr treu wie eh und je.  Treuer, als es ihr Ex jemals gewesen war. Der hatte sie jedoch durch ein Watte frühstückendes Model ersetzt. Rieke wollte kot…

Der Kindergeburtstag

"Ich bin zur Geburtstagsfeier eingeladen!" Stolz hält mir Zwergnase die liebevoll gebastelte Einladung mit aufgeklebten Monsterauge und Zähnen vor das Gesicht. Seine Aufregung steckt mich an. Das wird sein erster richtiger Kindergeburtstag sein, ohne dass Mama den ganzen Nachmittag Händchen hält. Plötzlich bin ich nervöser als er. Denn Zwergnase gruselt sich schon etwas vor dem ganzen Halloween-Zeug, auch wenn er es nicht zugibt. Zwergnase ist begeistert. In der Woche vor dem Geburtstag malen wir täglich entweder auf Papier oder mit Straßenmalkreide Spinnen, Vampire, Geister und Skelette. Wenn er nachts zu uns ins Bett kriecht, geht das nur noch mit Taschenlampe. Aber seiner Begeisterung tut das keinen Abbruch. Ich bringe es nicht übers Herz, ihn nicht auf den Geburtstag zu lassen, weil er danach Angst haben könnte. Frage aber die Mama, ob ich nicht eine kleine Weile bleiben dürfe. Noch während ich die Nachricht abschicke, komme ich mir wie eine Glucke vor. 
Während ich Zwe…

Wann wird's mal wieder richtig Sommer?

Im Sommer kann kommen, was wolle, ich beschwere mich nicht über die Hitze. Es gibt schließlich nichts Schlimmeres als einen verregneten Sommer, bei dem man Trübsal blasend an der Fensterscheibe klebt und verzweifelt, was man mit den Kindern noch anstellen könnte. Dieses Jahr blieb uns das erspart. Wenn es einem zu heiß wurde, fuhr man halt in den Urlaub. Nach Italien oder so.
Wir sahen nicht, wie der Rasen ausblieb, weil wir ständig beim Baden waren. Die Kinder schliefen am Abend müde im Bett und wir saßen mit Cocktail in der Hand auf dem Balkon. Unser Rum-Verbrauch kam diesen Sommer dem eines Piratenschiffs aus der Karibik gleich.
Das Freibad machte im September zu. Am letzten Tag hatte es 30 °C, die darauffolgenden Tage 33 °C. Aber im September kann man ja nicht mehr baden. Viel zu frisch! Als der Rum alle war, kauften wir keinen neuen mehr. Einerseits wollten wir den anonymen Alkoholikern entgehen, andererseits konnte ja jeder Abend der letzte draußen sein. Und dann steht der Rum …

Kochen für Kinder

"Was hast du denn heute schon wieder gekocht?" Missmutig rutscht Zwergnase auf seinen Stuhl und zieht die Nase kraus. "Das schmeckt mir bestimmt nicht!", sagt er und lässt den Blick über seinen Teller wandern. Dann verschränkt er die Arme vor der Brust, ich presse die Lippen aufeinander. "Kann ich nicht bei Oma essen?" Ich lege meine Gabel ab, da spaziert glücklicherweise Oma zur Tür herein, die heute bei uns isst.

Sogleich verkündet Zwergnase ihr sein Leid: "Schau Oma, was SIE heute wieder gekocht hat!" Doch Oma ist meine Rettung. "Oh, lecker Milchreis!", ruft sie ihrerseits aus, setzt sich und beginnt zu essen. Zwergnase schiebt seinen Reis beleidigt mit dem Löffel auf seinem Teller herum. Mir entgeht sein Grinsen nicht, als sogar seine Schwester den Reis wieder mit der Zunge nach draußen schiebt. Die isst sonst eher so in Richtung Staubsauger. Nämlich alles.
Natürlich helfen die alt bekannten Diskussionen gar nichts. Man könnte fre…

Am Ende wird alles gut

Apfelbäckchens Impftermin kommt mir sehr gelegen. Eine Praxis weiter lasse ich mich gleich selbst gegen Grippe impfen, um ein neuerliches Grippenspiel zu vermeiden. Außerdem will ich noch schnell den Reisepass im Rathaus abholen und anschließend muss ich mir noch Schlafanzüge kaufen, denn die Bestellung aus einem Online-Shop kommt und kommt nicht an. In meinem Kundenkonto ist sie auch nicht auffindbar und mir ist es schlichtweg zu dumm, Nachforschungen zu betreiben. Kaufe ich eben woanders.

Beschwingt wagele ich also ins Foyer des Rathauses. Ich werde von vielen grimmigen Gesichtern empfangen. Ich ziehe meine Nummer und gleiche sie mit dem Monitor ab. A 113. Doch ich entdecke nur andere Buchstaben mit Nummern auf der Anzeigentafel. Super, dann muss ich vielleicht doch nicht so lange warten. Ich positioniere mich neben einer Dame, die gerade zu schimpfen anfängt. "Der letzte ging vor 20 Minuten rein! Seitdem ist nichts passiert und davor habe ich auch schon 20 Minuten gewartet!&qu…

Unschuldige Kindlein

Das Kindchenschema ist von Natur äußerst geschickt eingerichtet. Die großen Kulleraugen, das kleine Stupsnäschen und die ungeschickten Patschehändchen sorgen dafür, dass man da steht und ruft "Mei schau, was sie wieder macht!" Wie die kleinen Menschlein versuchen, den großen alles nachzumachen, sich zu erproben und die Welt zu erfahren, sich ganzheitlich zu entwickeln und sich neue Fähigkeiten anzueignen. Ich könnte mit dem pädagogischen Bullshit-Bingo gern noch ein wenig weitermachen. Seien wir ehrlich. Ein Sack Flöhe ist leichter zu hüten als ein Kind zwischen ein und zwei Jahren. Zu agil, um auf dem Spieleteppich sitzen zu bleiben (sie begreifen schnell, dass der Rand des Teppichs nur eine imaginäre Grenze ist und dahinter keineswegs ein Strom glühender Lava droht) und zu dumm unschuldig, um ausufernde Erklärungen, warum man was nicht macht, zu verstehen.

Wobei... Mit der Unschuld scheint mir das so eine Sache zu sein. Keine Sekunde kann man die Kleinen aus dem Auge lasse…

Wer hat die längere Nudel?

Als Schülerin beobachtete ich einmal, wie sich zwei Jungs aus der Oberstufe nach einer kurzen Diskussion auf den Boden warfen und Liegestütze machten, bis einer von ihnen aufgab. Verstanden habe ich dieses Aufplustern nicht. Männer scheinen aus wirklich allem einen Wettkampf zu machen, wollen sich in den absurdesten Disziplinen messen. Die Evolution schlägt voll zu: Nur der Stärkste überlebt. Weit gefehlt, dass der homo sapiens sapiens geistig über diesen Trieben stehen könnte. Er tut es nicht und hat es nie getan. Das weiß ich spätestens seit Zwergnase. Es muss am Y-Chromosom liegen. Plötzlich fing es an.  "Mama, warum hat der Papa schneller gegessen als ich?" "Mama, lass mich das machen, das ist Männersache!" (Ich konnte das Essiggurkenglas nur knapp vor dem Tod durch Zerschellen an der Wand bewahren.) Beim Laufradfahren mit dem Freund ist es für beide nur akzeptabel, auf gleicher Höhe nebenher zu radeln. Wehe, das Rad des einen setzt sich vor das des anderen!
I…

Bis zum bitteren Ende

Das Thermometer zeigt 35 °C. Auf den Terrassenfliesen, in der direkten Sonne. Die Wetterstation ist längst nicht so gnädig. Über 23 °C kommt sie nicht hinaus. Der Himmel ist herrlich blau über den sich färbenden Blättern. Auf einmal war der Herbst da. Schleichend. Zuerst merkte man es nur daran, dass es in der Nacht abkühlte und morgens auf dem Balkon kein T-Shirt mehr reichte. Ich habe mit Zwergnase ein Tablett mit Zier-Kürbissen, Teelichtern und Blättergirlande dekoriert. Daneben steht nun unsere Freibadtasche, in die ich Handtücher, Bikini, Badehose und Proviant stopfe. Der September schreckt uns nicht ab. Während andere ans Drachensteigen denken, wollen wir noch einmal planschen. Das Freibad gehört uns praktisch allein, seine Saison naht sich dem Ende vor der langen, langen Pause. Die 50 Freibadbesuche machen wir doch locker voll.

Was für ein Sommer! Er gönnte uns praktisch keine Pause vom Baden. Von den Gewittern mitten am Nachmittag ließen wir uns nicht die Laune verhageln. Wir …

IKEA hat mein Bett geklaut!

Der große IKEA-Fan war ich noch nie. Nur wenige Möbel aus Schweden nennen wir unser eigen. Als wir umgezogen sind, wollte ich zum Leidwesen meines Mannes für die Kinder ein PAX-Kleiderschranksystem. Die beiden Schiebetürenschränke haben sich aus mehreren Gründen als teurer Fehlkauf herausgestellt. (Ja, Schatz, du hattest recht.) Doch IKEA wirbt ja mit seinem Rückgaberecht. Für Zwergnases Bett galt eine lebenslange und für die beiden Schränke eine einjährige Frist bei Erstattung des vollen Kaufpreises! Alter Schwede! Sofort beauftragte ich online den Abtransport von PAX & Co. Bei der Terminvereinbarung war die Dame am anderen Ende der Leitung sehr entgegenkommend.

Sie: "Ich hätte einen Termin am Donnerstag."
Ich: "Hm, ginge nicht ein Mittwoch auch? Da hätte mein Mann frei."
Sie: "Ah, schön. Also Donnerstagnachmittag zwischen 13 und 17 Uhr. Sehr gerne. Bitte demontieren Sie die Möbel für den Transport!"

Um 12 Uhr mittags standen zwei Männer einer Möbelsp…

Hochzeiten und andere Katastrophen

Hochzeiten sind toll. Verwandte, Freunde und Schmarotzer (Mehrfacheinordnungen möglich) finden sich zu solchen Gelegenheiten zusammen. Es wird getanzt, gegessen und gelacht. Noch nach Wochen hat man etwas zu reden. Über Tante Emmis Kleid, dass Onkel Rolf besoffen unterm Tisch lag, der füllige Onkel nur ein Kinderschnitzel serviert bekam und dann vom Buffet auch noch den Kuchen der eigenen Mutter erwischte. Doch das Beste an solchen Tagen sind die Kinder.
Zu Hochzeiten und anderen Katastrophen werden diese nämlich bei der freien Oma abgegeben. Ich liebe meine Kinder über alles, wirklich. So sehr, dass ich weder ihnen noch mir einen langen Tag zusammen im Wirtshaus antun möchte. Es geht ja schon los, wenn man sich für den Anlass zurecht macht. Nein! Gib ihr keine Breze! Apfelbäckchen wird nicht nur sich selbst einsauen! Zwergnases Nutella-Kussmund wird magisch von weißen Hemden oder teuren Roben angezogen, weil ihm ausgerechnet dann einfällt, dass er mich in der Nacht soooo sehr vermis…

WhatsApp Gruppenchats

WhatsApp-Gruppen sind eine praktische Sache. Es gibt kaum noch jemanden, der den Messenger-Dienst nicht nutzt, sodass Omas 80. Geburtstag, der Jungesellinnenabschied der Freundin oder die Grillparty am Weiher einfach mit sämtlichen Beteiligten geplant werden kann. Außerdem gibt es die dauerhaft genutzten WhatsApp-Gruppen für die Fotos der Familie oder mit Freunden oder für den Kegelverein, den Schützenverein, für die Feuerwehr, den Fußballverein, das Ballett, für den Kindergarten, den Elternbeirat, die Schule und für alle sonstigen Aktivitäten, die man mit anderen Leuten gemein hat. Informationen können schnell und unkompliziert ausgetauscht werden. Es ist eine super Sache.

Wären da nicht die Bilder oder besser gesagt die automatische Speicherung derselben in der Fotogalerie des Smartphones. Sobald ein Chat etwas länger brach liegt, fühlt sich garantiert irgendjemand dazu berufen, dies zu ändern. Statt eine simple Textnachricht zu schicken, wird ein nettes Bildchen mit katastrophaler …

Die perfekte Maniküre

Ich bin keine Beautyqueen. Natürlich achte ich auf ein gepflegtes Erscheinungsbild, aber mein täglicher Aufwand dafür hält sich in Grenzen. Schnell muss es gehen und praktisch muss es sein. Bei Make-up und Frisur absolut kein Problem. Doch die Nagelpflege schließt beides kategorisch aus.

Der Nagellack ist mit Sicherheit FAST trocken, wenn du den Hosenknopf zumachst. Er ist auch FAST trocken, wenn du etwas in der Handtasche suchst oder die Jacke anziehst. Er verschmiert garantiert dann, wenn keine Zeit ist, die Nägel neu zu machen. Immer.

Von French und kreativen Verzierungen ganz zu schweigen! Die weiße Nagelspitze verwackelt sowieso und der Nagelsticker klebt überall, nur nicht da, wo er soll. Wenn er auf den Nagel fällt und du ihn zurecht rückst, verschmiert er den FAST trockenen Lack.

Mein Problem versteht aber keiner. Eine „Professionelle“ soll mir doch Gel-Nägel verpassen. Das hatte ich schon. Wieder ein Termin mehr, es macht die Nägel kaputt, kostet Geld und spätestens, wenn sic…

Fahren ohne Navi

Wir starren auf den Kartenausschnitt auf der Einladung. Da müssen wir abbiegen. Rechts. Nein, links. Ich drehe die Karte herum. Wenn ich aus dieser Richtung komme, ist links das andere rechts. Oder so ähnlich. Eigentlich sollte der Weiher ganz leicht zu finden sein, an dem wir zu einem kleinen Grillfest eingeladen sind. Das stellen wir fest, nachdem wir uns eine halbe Stunde mit der Karte beschäftigt haben. Die Herausforderung des 21. Jahrhunderts: Finde ein Ziel ohne Navi! Denn eine Adresse gibt es nicht.

Als wir am nächsten Tag ins Auto steigen, sind wir gut gelaunt und zuversichtlich. Kein Smartphone steckt in der Halterung. Wir schaffen das! Das größere Dorf, in dem wir einmal abbiegen müssen, erreichen wir ohne Probleme. Wir verlassen den Ort und fahren durch die Pampa. Links und rechts wird die Straße von Feldern gesäumt, wo laut Karte eigentlich kleine Waldstücke sein müssten. Wir werden misstrauisch. So weit hätte das laut Karte nicht sein dürfen. Wir passieren ein Ortsschild u…

Führerschein im Lotto

Ich stehe an der grünen Ampel. Hinter mir ein Hupkonzert, anschwellende Halsadern, eindeutige Gesten, rote Köpfe. Vor mir allerdings dasselbe. Die Kreuzung ist verstopft, nichts geht mehr. Die Ampel wird rot. Der Verkehr fließt ab, in der nächsten Grünphase ist von dem Chaos nichts mehr zu sehen.

Ich biege auf einen kleinen Parkplatz ein. Es gibt nicht viele Plätze. Doch ich habe Glück. Am Ende parkt gerade jemand aus. Ich warte. Im Rückspiegel sehe ich, dass zwei weitere Fahrzeuge wegfahren. Ehe ich mich entscheide, einen der beiden Parkplätze zu nehmen, parkt ein schwarzer SUV mittig ein. Der Autofahrer dahinter gestikuliert wild, steigt aus und schimpft. Die Fahrerin interessiert es nicht. Mit fetter Sonnenbrille stakselt sie auf ihren Heels davon. Vielleicht hat sie ja die Parkscheibe vergessen, schießt es mir durch den Kopf, so als ausgleichende Gerechtigkeit. Ich parke ein, erledige meinen Termin.

Es wird so spät, dass ich Zwergnase direkt vom Kindergarten abhole. Vor dem Treppe…

Das erste Mal

Die Aussicht auf rohen Fisch mit Reis und salziger Sojasauce versetzt mich nicht gerade in ekstatische Verzückung. Deshalb ernte ich regelmäßig ungläubige Blicke dafür, mit guten 30 Jahren noch nie Sushi essen gewesen zu sein. Allerdings bin ich stets offen für Neues und so bin ich nun keine Sushi-Jungfrau mehr.

Ich bin froh, erfahrene Begleitung um mich zu haben, denn die Speisekarte besteht aus einem blinkenden Bahnhofsschild. Ich verlasse mich auf die anderen. Zur Vorspeise gibt es edamame, gekochte grüne Sojabohnen mit Salz. Ungläubig starre ich auf das kleine Schälchen, die grünen Dinger locken mich so gar nicht. Tatsächlich schmecken sie aber sehr lecker. 
Als verschiedene Sushi eindrucksvoll auf einem Holzschiff serviert werden, muss ich mich den Essstäbchen stellen. Geduldig zeigen mir meine Begleiterinnen immer wieder, wie ich sie halten muss. Doch ich schaffe es nicht. Immer wieder rutscht mir eins aus der Hand oder ich verkrampfe dermaßen, dass ich sie nicht bewegen kann. Al…

Bella Italia

Ich könnte heulen. Als mich mein Mann ins Auto gesetzt hat, habe ich Zwergnase verstanden, wenn er noch nicht nach Hause will. Ich musste mich wirklich sehr zusammenreißen, nicht laut „ICH WILL ABER NICHT!“ zu schreien. Vielleicht hätte ich mich auch auf dem Boden gewälzt. Unser erster Familienurlaub in Italien war viel zu schnell vorbei. Dabei war er mit einem 4-Jährigen nicht immer einfach.

Zwergnase wusste nicht, wo ihm der Kopf stand. Er schoss durch die Gegend wie ein nervöses Eichhörnchen, ohne rechts und nach links zu sehen. Und zwar überall, nicht nur am Strand. Auch im Speisesaal des Hotels. Was wurden da Kaffeetassen von den Gästen und Teller von den Kellnern ausbalanciert, ausgewichen und zur Seite gehüpft, wenn unser Energiebündel nicht zu halten war. Im Restaurant versuchte Zwergnase gegen den hohen Geräuschpegel von Gesprächen und Geschirrgeklapper anzukommen, am Strand gegen Wellenrauschen, Gekreische der Möwen und spielende Kinder. Wir haben ein sehr lautes Kind mit nac…

Schadensbegrenzung

Eine entfernte Kusine von mir ist Mama von zwei Jungs. Es war mir unerklärlich, warum die Eltern die beiden schon beim kleinsten Muckser ermahnten und zurechtwiesen. Die Jungs waren artig und folgsam, die Strenge fand ich – kinderlos – übertrieben.

Dann kam Zwergnase. Er erinnert mich an Michel aus Lönneberga. Oft hegt er die besten Absichten und es geht alles schief. Mit der Zeit bekommt man ein Gespür für den Tatendrang des Nachwuchses. Anders als dieser entwickelt man auch eine Weitsicht für den größten anzunehmenden Unfall. Aufgeschlagene Knie, blaue Flecke, zerbrochene Gläser oder kaputtes Spielzeug. Meistens.
„Zwergnase, pass auf!“, „Lass das!“, „Da steht noch was!“, „Steig da nicht drauf!“, „Hör auf zu zappeln!“ oder „Leg das wieder hin!“ höre ich mich im Minutentakt sagen, um kleinere und größere Schäden zu verhindern. Meine eigene Stimme nervt mich selbst. „Schimpf doch nicht immer“, meinen sie dann, die Omas und Opas, die Tanten und Onkeln. Bis die Smarties durch die Gegend f…