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Es werden Posts vom 2018 angezeigt.

Wann wird's mal wieder richtig Sommer?

Im Sommer kann kommen, was wolle, ich beschwere mich nicht über die Hitze. Es gibt schließlich nichts Schlimmeres als einen verregneten Sommer, bei dem man Trübsal blasend an der Fensterscheibe klebt und verzweifelt, was man mit den Kindern noch anstellen könnte. Dieses Jahr blieb uns das erspart. Wenn es einem zu heiß wurde, fuhr man halt in den Urlaub. Nach Italien oder so.
Wir sahen nicht, wie der Rasen ausblieb, weil wir ständig beim Baden waren. Die Kinder schliefen am Abend müde im Bett und wir saßen mit Cocktail in der Hand auf dem Balkon. Unser Rum-Verbrauch kam diesen Sommer dem eines Piratenschiffs aus der Karibik gleich.
Das Freibad machte im September zu. Am letzten Tag hatte es 30 °C, die darauffolgenden Tage 33 °C. Aber im September kann man ja nicht mehr baden. Viel zu frisch! Als der Rum alle war, kauften wir keinen neuen mehr. Einerseits wollten wir den anonymen Alkoholikern entgehen, andererseits konnte ja jeder Abend der letzte draußen sein. Und dann steht der Rum …

Kochen für Kinder

"Was hast du denn heute schon wieder gekocht?" Missmutig rutscht Zwergnase auf seinen Stuhl und zieht die Nase kraus. "Das schmeckt mir bestimmt nicht!", sagt er und lässt den Blick über seinen Teller wandern. Dann verschränkt er die Arme vor der Brust, ich presse die Lippen aufeinander. "Kann ich nicht bei Oma essen?" Ich lege meine Gabel ab, da spaziert glücklicherweise Oma zur Tür herein, die heute bei uns isst.

Sogleich verkündet Zwergnase ihr sein Leid: "Schau Oma, was SIE heute wieder gekocht hat!" Doch Oma ist meine Rettung. "Oh, lecker Milchreis!", ruft sie ihrerseits aus, setzt sich und beginnt zu essen. Zwergnase schiebt seinen Reis beleidigt mit dem Löffel auf seinem Teller herum. Mir entgeht sein Grinsen nicht, als sogar seine Schwester den Reis wieder mit der Zunge nach draußen schiebt. Die isst sonst eher so in Richtung Staubsauger. Nämlich alles.
Natürlich helfen die alt bekannten Diskussionen gar nichts. Man könnte fre…

Am Ende wird alles gut

Apfelbäckchens Impftermin kommt mir sehr gelegen. Eine Praxis weiter lasse ich mich gleich selbst gegen Grippe impfen, um ein neuerliches Grippenspiel zu vermeiden. Außerdem will ich noch schnell den Reisepass im Rathaus abholen und anschließend muss ich mir noch Schlafanzüge kaufen, denn die Bestellung aus einem Online-Shop kommt und kommt nicht an. In meinem Kundenkonto ist sie auch nicht auffindbar und mir ist es schlichtweg zu dumm, Nachforschungen zu betreiben. Kaufe ich eben woanders.

Beschwingt wagele ich also ins Foyer des Rathauses. Ich werde von vielen grimmigen Gesichtern empfangen. Ich ziehe meine Nummer und gleiche sie mit dem Monitor ab. A 113. Doch ich entdecke nur andere Buchstaben mit Nummern auf der Anzeigentafel. Super, dann muss ich vielleicht doch nicht so lange warten. Ich positioniere mich neben einer Dame, die gerade zu schimpfen anfängt. "Der letzte ging vor 20 Minuten rein! Seitdem ist nichts passiert und davor habe ich auch schon 20 Minuten gewartet!&qu…

Unschuldige Kindlein

Das Kindchenschema ist von Natur äußerst geschickt eingerichtet. Die großen Kulleraugen, das kleine Stupsnäschen und die ungeschickten Patschehändchen sorgen dafür, dass man da steht und ruft "Mei schau, was sie wieder macht!" Wie die kleinen Menschlein versuchen, den großen alles nachzumachen, sich zu erproben und die Welt zu erfahren, sich ganzheitlich zu entwickeln und sich neue Fähigkeiten anzueignen. Ich könnte mit dem pädagogischen Bullshit-Bingo gern noch ein wenig weitermachen. Seien wir ehrlich. Ein Sack Flöhe ist leichter zu hüten als ein Kind zwischen ein und zwei Jahren. Zu agil, um auf dem Spieleteppich sitzen zu bleiben (sie begreifen schnell, dass der Rand des Teppichs nur eine imaginäre Grenze ist und dahinter keineswegs ein Strom glühender Lava droht) und zu dumm unschuldig, um ausufernde Erklärungen, warum man was nicht macht, zu verstehen.

Wobei... Mit der Unschuld scheint mir das so eine Sache zu sein. Keine Sekunde kann man die Kleinen aus dem Auge lasse…

Wer hat die längere Nudel?

Als Schülerin beobachtete ich einmal, wie sich zwei Jungs aus der Oberstufe nach einer kurzen Diskussion auf den Boden warfen und Liegestütze machten, bis einer von ihnen aufgab. Verstanden habe ich dieses Aufplustern nicht. Männer scheinen aus wirklich allem einen Wettkampf zu machen, wollen sich in den absurdesten Disziplinen messen. Die Evolution schlägt voll zu: Nur der Stärkste überlebt. Weit gefehlt, dass der homo sapiens sapiens geistig über diesen Trieben stehen könnte. Er tut es nicht und hat es nie getan. Das weiß ich spätestens seit Zwergnase. Es muss am Y-Chromosom liegen. Plötzlich fing es an.  "Mama, warum hat der Papa schneller gegessen als ich?" "Mama, lass mich das machen, das ist Männersache!" (Ich konnte das Essiggurkenglas nur knapp vor dem Tod durch Zerschellen an der Wand bewahren.) Beim Laufradfahren mit dem Freund ist es für beide nur akzeptabel, auf gleicher Höhe nebenher zu radeln. Wehe, das Rad des einen setzt sich vor das des anderen!
I…

Bis zum bitteren Ende

Das Thermometer zeigt 35 °C. Auf den Terrassenfliesen, in der direkten Sonne. Die Wetterstation ist längst nicht so gnädig. Über 23 °C kommt sie nicht hinaus. Der Himmel ist herrlich blau über den sich färbenden Blättern. Auf einmal war der Herbst da. Schleichend. Zuerst merkte man es nur daran, dass es in der Nacht abkühlte und morgens auf dem Balkon kein T-Shirt mehr reichte. Ich habe mit Zwergnase ein Tablett mit Zier-Kürbissen, Teelichtern und Blättergirlande dekoriert. Daneben steht nun unsere Freibadtasche, in die ich Handtücher, Bikini, Badehose und Proviant stopfe. Der September schreckt uns nicht ab. Während andere ans Drachensteigen denken, wollen wir noch einmal planschen. Das Freibad gehört uns praktisch allein, seine Saison naht sich dem Ende vor der langen, langen Pause. Die 50 Freibadbesuche machen wir doch locker voll.

Was für ein Sommer! Er gönnte uns praktisch keine Pause vom Baden. Von den Gewittern mitten am Nachmittag ließen wir uns nicht die Laune verhageln. Wir …

IKEA hat mein Bett geklaut!

Der große IKEA-Fan war ich noch nie. Nur wenige Möbel aus Schweden nennen wir unser eigen. Als wir umgezogen sind, wollte ich zum Leidwesen meines Mannes für die Kinder ein PAX-Kleiderschranksystem. Die beiden Schiebetürenschränke haben sich aus mehreren Gründen als teurer Fehlkauf herausgestellt. (Ja, Schatz, du hattest recht.) Doch IKEA wirbt ja mit seinem Rückgaberecht. Für Zwergnases Bett galt eine lebenslange und für die beiden Schränke eine einjährige Frist bei Erstattung des vollen Kaufpreises! Alter Schwede! Sofort beauftragte ich online den Abtransport von PAX & Co. Bei der Terminvereinbarung war die Dame am anderen Ende der Leitung sehr entgegenkommend.

Sie: "Ich hätte einen Termin am Donnerstag."
Ich: "Hm, ginge nicht ein Mittwoch auch? Da hätte mein Mann frei."
Sie: "Ah, schön. Also Donnerstagnachmittag zwischen 13 und 17 Uhr. Sehr gerne. Bitte demontieren Sie die Möbel für den Transport!"

Um 12 Uhr mittags standen zwei Männer einer Möbelsp…

Hochzeiten und andere Katastrophen

Hochzeiten sind toll. Verwandte, Freunde und Schmarotzer (Mehrfacheinordnungen möglich) finden sich zu solchen Gelegenheiten zusammen. Es wird getanzt, gegessen und gelacht. Noch nach Wochen hat man etwas zu reden. Über Tante Emmis Kleid, dass Onkel Rolf besoffen unterm Tisch lag, der füllige Onkel nur ein Kinderschnitzel serviert bekam und dann vom Buffet auch noch den Kuchen der eigenen Mutter erwischte. Doch das Beste an solchen Tagen sind die Kinder.
Zu Hochzeiten und anderen Katastrophen werden diese nämlich bei der freien Oma abgegeben. Ich liebe meine Kinder über alles, wirklich. So sehr, dass ich weder ihnen noch mir einen langen Tag zusammen im Wirtshaus antun möchte. Es geht ja schon los, wenn man sich für den Anlass zurecht macht. Nein! Gib ihr keine Breze! Apfelbäckchen wird nicht nur sich selbst einsauen! Zwergnases Nutella-Kussmund wird magisch von weißen Hemden oder teuren Roben angezogen, weil ihm ausgerechnet dann einfällt, dass er mich in der Nacht soooo sehr vermis…

WhatsApp Gruppenchats

WhatsApp-Gruppen sind eine praktische Sache. Es gibt kaum noch jemanden, der den Messenger-Dienst nicht nutzt, sodass Omas 80. Geburtstag, der Jungesellinnenabschied der Freundin oder die Grillparty am Weiher einfach mit sämtlichen Beteiligten geplant werden kann. Außerdem gibt es die dauerhaft genutzten WhatsApp-Gruppen für die Fotos der Familie oder mit Freunden oder für den Kegelverein, den Schützenverein, für die Feuerwehr, den Fußballverein, das Ballett, für den Kindergarten, den Elternbeirat, die Schule und für alle sonstigen Aktivitäten, die man mit anderen Leuten gemein hat. Informationen können schnell und unkompliziert ausgetauscht werden. Es ist eine super Sache.

Wären da nicht die Bilder oder besser gesagt die automatische Speicherung derselben in der Fotogalerie des Smartphones. Sobald ein Chat etwas länger brach liegt, fühlt sich garantiert irgendjemand dazu berufen, dies zu ändern. Statt eine simple Textnachricht zu schicken, wird ein nettes Bildchen mit katastrophaler …

Die perfekte Maniküre

Ich bin keine Beautyqueen. Natürlich achte ich auf ein gepflegtes Erscheinungsbild, aber mein täglicher Aufwand dafür hält sich in Grenzen. Schnell muss es gehen und praktisch muss es sein. Bei Make-up und Frisur absolut kein Problem. Doch die Nagelpflege schließt beides kategorisch aus.

Der Nagellack ist mit Sicherheit FAST trocken, wenn du den Hosenknopf zumachst. Er ist auch FAST trocken, wenn du etwas in der Handtasche suchst oder die Jacke anziehst. Er verschmiert garantiert dann, wenn keine Zeit ist, die Nägel neu zu machen. Immer.

Von French und kreativen Verzierungen ganz zu schweigen! Die weiße Nagelspitze verwackelt sowieso und der Nagelsticker klebt überall, nur nicht da, wo er soll. Wenn er auf den Nagel fällt und du ihn zurecht rückst, verschmiert er den FAST trockenen Lack.

Mein Problem versteht aber keiner. Eine „Professionelle“ soll mir doch Gel-Nägel verpassen. Das hatte ich schon. Wieder ein Termin mehr, es macht die Nägel kaputt, kostet Geld und spätestens, wenn sic…

Fahren ohne Navi

Wir starren auf den Kartenausschnitt auf der Einladung. Da müssen wir abbiegen. Rechts. Nein, links. Ich drehe die Karte herum. Wenn ich aus dieser Richtung komme, ist links das andere rechts. Oder so ähnlich. Eigentlich sollte der Weiher ganz leicht zu finden sein, an dem wir zu einem kleinen Grillfest eingeladen sind. Das stellen wir fest, nachdem wir uns eine halbe Stunde mit der Karte beschäftigt haben. Die Herausforderung des 21. Jahrhunderts: Finde ein Ziel ohne Navi! Denn eine Adresse gibt es nicht.

Als wir am nächsten Tag ins Auto steigen, sind wir gut gelaunt und zuversichtlich. Kein Smartphone steckt in der Halterung. Wir schaffen das! Das größere Dorf, in dem wir einmal abbiegen müssen, erreichen wir ohne Probleme. Wir verlassen den Ort und fahren durch die Pampa. Links und rechts wird die Straße von Feldern gesäumt, wo laut Karte eigentlich kleine Waldstücke sein müssten. Wir werden misstrauisch. So weit hätte das laut Karte nicht sein dürfen. Wir passieren ein Ortsschild u…

Führerschein im Lotto

Ich stehe an der grünen Ampel. Hinter mir ein Hupkonzert, anschwellende Halsadern, eindeutige Gesten, rote Köpfe. Vor mir allerdings dasselbe. Die Kreuzung ist verstopft, nichts geht mehr. Die Ampel wird rot. Der Verkehr fließt ab, in der nächsten Grünphase ist von dem Chaos nichts mehr zu sehen.

Ich biege auf einen kleinen Parkplatz ein. Es gibt nicht viele Plätze. Doch ich habe Glück. Am Ende parkt gerade jemand aus. Ich warte. Im Rückspiegel sehe ich, dass zwei weitere Fahrzeuge wegfahren. Ehe ich mich entscheide, einen der beiden Parkplätze zu nehmen, parkt ein schwarzer SUV mittig ein. Der Autofahrer dahinter gestikuliert wild, steigt aus und schimpft. Die Fahrerin interessiert es nicht. Mit fetter Sonnenbrille stakselt sie auf ihren Heels davon. Vielleicht hat sie ja die Parkscheibe vergessen, schießt es mir durch den Kopf, so als ausgleichende Gerechtigkeit. Ich parke ein, erledige meinen Termin.

Es wird so spät, dass ich Zwergnase direkt vom Kindergarten abhole. Vor dem Treppe…

Das erste Mal

Die Aussicht auf rohen Fisch mit Reis und salziger Sojasauce versetzt mich nicht gerade in ekstatische Verzückung. Deshalb ernte ich regelmäßig ungläubige Blicke dafür, mit guten 30 Jahren noch nie Sushi essen gewesen zu sein. Allerdings bin ich stets offen für Neues und so bin ich nun keine Sushi-Jungfrau mehr.

Ich bin froh, erfahrene Begleitung um mich zu haben, denn die Speisekarte besteht aus einem blinkenden Bahnhofsschild. Ich verlasse mich auf die anderen. Zur Vorspeise gibt es edamame, gekochte grüne Sojabohnen mit Salz. Ungläubig starre ich auf das kleine Schälchen, die grünen Dinger locken mich so gar nicht. Tatsächlich schmecken sie aber sehr lecker. 
Als verschiedene Sushi eindrucksvoll auf einem Holzschiff serviert werden, muss ich mich den Essstäbchen stellen. Geduldig zeigen mir meine Begleiterinnen immer wieder, wie ich sie halten muss. Doch ich schaffe es nicht. Immer wieder rutscht mir eins aus der Hand oder ich verkrampfe dermaßen, dass ich sie nicht bewegen kann. Al…

Bella Italia

Ich könnte heulen. Als mich mein Mann ins Auto gesetzt hat, habe ich Zwergnase verstanden, wenn er noch nicht nach Hause will. Ich musste mich wirklich sehr zusammenreißen, nicht laut „ICH WILL ABER NICHT!“ zu schreien. Vielleicht hätte ich mich auch auf dem Boden gewälzt. Unser erster Familienurlaub in Italien war viel zu schnell vorbei. Dabei war er mit einem 4-Jährigen nicht immer einfach.

Zwergnase wusste nicht, wo ihm der Kopf stand. Er schoss durch die Gegend wie ein nervöses Eichhörnchen, ohne rechts und nach links zu sehen. Und zwar überall, nicht nur am Strand. Auch im Speisesaal des Hotels. Was wurden da Kaffeetassen von den Gästen und Teller von den Kellnern ausbalanciert, ausgewichen und zur Seite gehüpft, wenn unser Energiebündel nicht zu halten war. Im Restaurant versuchte Zwergnase gegen den hohen Geräuschpegel von Gesprächen und Geschirrgeklapper anzukommen, am Strand gegen Wellenrauschen, Gekreische der Möwen und spielende Kinder. Wir haben ein sehr lautes Kind mit nac…

Schadensbegrenzung

Eine entfernte Kusine von mir ist Mama von zwei Jungs. Es war mir unerklärlich, warum die Eltern die beiden schon beim kleinsten Muckser ermahnten und zurechtwiesen. Die Jungs waren artig und folgsam, die Strenge fand ich – kinderlos – übertrieben.

Dann kam Zwergnase. Er erinnert mich an Michel aus Lönneberga. Oft hegt er die besten Absichten und es geht alles schief. Mit der Zeit bekommt man ein Gespür für den Tatendrang des Nachwuchses. Anders als dieser entwickelt man auch eine Weitsicht für den größten anzunehmenden Unfall. Aufgeschlagene Knie, blaue Flecke, zerbrochene Gläser oder kaputtes Spielzeug. Meistens.
„Zwergnase, pass auf!“, „Lass das!“, „Da steht noch was!“, „Steig da nicht drauf!“, „Hör auf zu zappeln!“ oder „Leg das wieder hin!“ höre ich mich im Minutentakt sagen, um kleinere und größere Schäden zu verhindern. Meine eigene Stimme nervt mich selbst. „Schimpf doch nicht immer“, meinen sie dann, die Omas und Opas, die Tanten und Onkeln. Bis die Smarties durch die Gegend f…

Wir brauchen keinen neuen Grill!

Mein Mann ist ein wahrer Fleischesser. Da kann es schon mal sein, dass er im Februar bei 12 °C den Grill abstaubt und sein Zubehör säubert, damit wir im Fall des Falles ohne Verzug loslegen können. 
Am ersten warmen Tag in diesem Jahr stand er mit runzeliger Stirn auf dem Balkon. Neben der schneeweißen, frisch gestrichenen Hauswand den Holzkohlegrill anwerfen? Keine gute Idee. Es dauerte nicht lange, bis er das Gespräch sucht. Es ist definitiv keine Option, den Grill im Garten aufzustellen und mit dem Fleisch durch das ganze Haus zu tanzen. Genausowenig trage ich die Gartenmöbel und sämtliches Geschirr durch das Haus, um im Garten zu essen. Außerdem ist es kein richtiges Grillen, wenn frau dem Grillmeister keine Belehrungen wie "Dreh es nicht so schnell um!", "Soll schon gut durch sein!" oder "Pass auf, dass du es nicht verkohlst!" um die Ohren hauen kann.
Der Göttergatte hatte auch eine schnelle Lösung parat. Von einer einschlägigen Grillmarke aus den US…

So a saudummer Dog

Es sind Tage wie diese, an denen man morgens schon froh ist, wenn man abends wieder im Bett liegt. An denen dir morgens das Genick schon weh tut, weil du dich in der Nacht verlegen hast. Da reckt man den Hals noch hin und her, als herzzereißendes Geschrei für einen weiteren Verreißer sorgt, so schrecke ich hoch. Apfelbäckchen brüllt, dann brüllt Zwergnase, weil Apfelbäckchen brüllt. Er wollte doch nur mit ihr spielen - und sie vermutlich noch ausschlafen. Sei's drum, das entlockt mir lediglich einen Seufzer. Deshalb ist der Tag noch nicht verloren.
Nicht viel später schalte ich die Kaffeemaschine ein, ein blaues Blinken zeigt an, dass sie vorheizt. In der Zeit bereite ich die Flasche für Apfelbäckchen zu. Das Blinken erlischt und ich drücke die Taste für einen starken Kaffee. Dumm nur, dass ich die Tasse unter dem Auslass vergessen habe. An dieser Stelle hätte ich einfach alles stehen und liegen lassen und zurück ins Bett kriechen sollen.  Allerspätestens, als bei einem Rülpser vo…

Dino Expo XXL in Deggendorf

Gestern und heute gastiert die Dino Expo XXL auf dem Festplatz in Deggendorf. Mit einem großen kleinen Dinofan zuhause überlegt man natürlich, ob sich ein Besuch lohnt. Die Bewertungen auf Facebook sind allerdings nicht gerade berauschend. Vor allem der Preis wirkt abschreckend. Wer nicht über eine Sonderkarte verfügt, zahlt für einen Erwachsenen 9 Euro und für Kinder 8 Euro, vergünstigt kostet der Eintritt 6 Euro. Die Ausstellung öffnet um 11 Uhr und schließt um 18 Uhr.
Geboten werden Nachbildungen der einschlägigen Dinoarten, die allen Eltern von interessierten Kindern bekannt sein dürften, etwa der T-Rex und ein Spinosaurier, ein Parasaurolophus und ein Triceratops. Es gibt Dinos zum Herumklettern, einen Sandkasten, in dem nach Knochen gegraben werden kann, einen T-Rex-Kopf in Originalgröße, zwei Urwaldwelten, ein Infozelt, in dem eine Doku abgespielt wird und Miniaturskelette ausgestellt werden sowie viele Sachtexte und Bilder. Weiterhin gibt es einen Verkaufsstand mit überteuerte…

Shoppingtour

Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich mit Vorliebe online shoppe. Das hat verschiedene Gründe. Abends auf der Couch quengelt mir kein Kind ins Ohr, läuft davon, betatscht und begrapscht alles, braucht ein Klo, will ein Spielzeug haben oder findet Kleidung probieren langweilig. Ich brauche die Kinder erst gar nicht anziehen und ins Auto packen, keine Tasche mitschleppen, mit dessen Inhalt wir drei Tage in völliger Abgeschiedenheit überleben könnten, ich brauche keinen Parkplatz suchen und bezahlen.
Dennoch war ich vor kurzem mit meiner Mutter shoppen. Die Kinder habe ich dem Mann aufs Auge gedrückt und dann sind wir nachmittags in die City. Wir brauchten Kleider für einen festlichen Anlass. Da sind wir penibel, da wollen wir den Stoff sehen und fühlen, die Qualität vorab prüfen. Außerdem fallen die Größen bei Abendkleidern so unterschiedlich aus, dass es ohne Anprobieren nicht geht.
Im einschlägigen Bekleidungsgeschäft in der Deggendorfer Einkaufspassage Degg's stehen wir in der e…

Das Muttertagsessen

Wenn unsere Familie für den Muttertag plant, geht das meistens schief. So saßen wir beispielsweise bei 15 °C, Nieselregen und eisigem Ostwind mutterseelenallein in einem Biergarten, weil es bestimmt noch aufreißt. Ein anderes Mal wollten wir zuhause grillen, denn am Muttertag ins Restaurant zu gehen, ist ja blanker Irrsinn, selbst wenn man nicht unter aufgespanntem Regenschirm im Biergarten sitzt. Saßen wir eben bei aufgespanntem Schirm auf der Terrasse. Dieses Mal war es nämlich nicht kalt, sondern schwülwarm. Es kam, wie es kommen musste. Pünktlich zum Essen ein Donnerschlag, ein Wolkenbruch und Wind von der Seite. Dazu ein Temperatursturz von gefühlten 20 °C.  1. Akt: Restaurantbesuch am Muttertag Nach unseren ganzen Pleiten, Pech und Pannen haben wir uns angewöhnt, eine Woche vor oder nach dem Muttertag zum Essen zu gehen. Doch da die Wettervorhersage auf keine Ostwinde, Temperaturstürze oder Regengüsse hinwies, wollten wir dieses Jahr unser Glück wieder einmal versuchen. Normaler…

Das neumoderne Glump

Als ich mein erstes Handy haben wollte, erklärten mir meine Eltern, dass mein Vater meine Mutter noch von der Telefonzelle aus anrufen hätte müssen und sie sich auch verabreden hätten können. Der eingeschnappte Gymnasiast antwortete mit einem Unfug wie "Das einzig Beständige ist die Veränderung!" und knallte mit den Türen. "Wir haben das nicht gehabt und ging trotzdem!", wusste auch die Oma. Ein Standardsatz, der einen regelmäßig mit den Augen rollen ließ. Heute weiß ich, dass ich meinen Kindern unter Begleitung eindrucksvoller lautlicher Imitation erklären werde, wie man sich einst mit einem Modem ins Internet einwählen musste. Denn auf einmal war er da, der Gedanke, dass man dieses neumoderne Glump nicht braucht und das Altbewährte genauso gut, wenn nicht sogar besser gewesen sei. 
Andächtig standen wir nämlich in der Vorführküche des Möbelhauses und ließen uns blenden, wie schnell der ultramoderne Induktionsherd mit Touch-Bedienfeld einen Topf mit Wasser aufkoch…

Das Einschlafritual

Die Erziehungsratgeber sind sich einig. Kinder brauchen einen festen Rahmen, in dem sie sich wohlfühlen, der ihnen Sicherheit und Geborgenheit schenkt. Es geht nichts über Rituale. Nun macht man gerne den Fehler, dass man sich als Eltern ein Einschlafritual zurechtlegt, ohne das Kind in die Überlegung miteinzubeziehen. Dieses hält in aller Regel vom Bilderbuchritual, bestehend aus einem Gute-Nacht-Kuss auf die Stirn und anschließendem seligen Augenschließen, allein im eigenen Bett, nichts. Also so gar nichts. Unsere Einschlafroutine möchte ich im Folgenden schildern. Realitätsnah und erprobt, ohne irgendwelche klugen Ratgeber. Ich schicke voraus, dass es sich um ein sehr brauchbares Ritual handelt. Am Ende schläft das Kind nämlich immer. 
Das Ritual beginnt mit Apfelbäckchens Positionierung auf der Wickelkommode. Vor der Nacht gibt es selbstverständlich eine frische Windel. Zumindest ist das das Ziel. Denn kaum berührt der Rücken die Auflage, ist dies das Zeichen für Apfelbäckchen, di…

Die Abenteuer der Beikost

Bei Zwergnase las ich einmal in einem Ratgeber, dass man sich für die Einführung der Beikost Zeit nehmen solle. Damit war nicht das Alter des Kindes gemeint, sondern der Moment des ersten Breis. Man solle sowohl das Kind als sich selbst kleckersicher anziehen. Für Zwergnase hatte ich Ganzkörperätzchen aus Plastik besorgt, die nun ihren zweiten großen Einsatz haben sollten. Bei Zwergnase haben wir sie ohnehin kaum verwendet. Warum war das noch gleich? Man vergisst ja so schnell!
Das Plastiklätzchen findet Apfelbäckchen ziemlich spannend. Wie das raschelt! Halt, Mama! Ich will auch mal! Sie zupft und rupft, was das Zeug hält und schaut mich gar nicht an, weil das Plastikgeraschel so interessant ist. Am Ende hat sie es so weit runtergezogen, dass sie ihre Arme nicht mehr frei bewegen kann und beginnt zu schimpfen. Lätzchen aus, Ärmelchen zurück. Einsatz von normalen Lätzchen und Geschirrtuch. Die Erinnerung kommt wieder. "Naaaa, ein Löffelchen für Maaaamaaaa...!" Nein, der Löff…

Knast

Es sind Tage wie diese. Tage an denen dir das Baby direkt vor die Füße kotzt. Genau genommen kotzt es je nach Haltung auf die Füße, auf den Rücken, in den Ausschnitt, und wenn es nicht dich trifft, dann zwischen irgendwelche Ritzen und Fugen oder in andere schwer erreichbare Stellen. Es sind Tage wie diese, an denen du morgens schon weißt, dass du den Geruch von Babykotze den ganzen Tag nicht aus der Nase kriegst, egal wie oft du dich selbst und das Kind säuberst und umziehst. Und du wirst es oft tun.
In dieser Zeit hängt dir der Große mit Sicherheit auch quengelnd am Rockzipfel. Weil du den Apfel falsch aufgeschnitten (mein toller Apfelentkerner ist leider noch nicht da), du das Brot falsch bestrichen und du das ultimative Lieblings-Dino-T-Shirt noch nicht gewaschen hast.
An Tagen wie diesen wünscht du dich an einen Strand in der Karibik mit einem Cocktail in der Hand und deine einzige Sorge ist, was das nächste Buffet zu bieten hat. Lange hält die Vision nicht an, da schalmeit es sc…

100 Euro als Strafe Gottes

Die folgende Geschichte ist zu 100 Prozent ein Erste-Welt-Problem und so manch einer wird sich bestimmt denken, dass er diese Probleme auch gerne hätte. Dessen bin ich mir vollkommen bewusst und gerade deshalb entbehrt es nicht einer gewissen Situationskomik - außer für Schwaben. Schwaben werden mich sicherlich verstehen. Was ich damit sagen will: Auch diese Geschichte sollte mit Humor gelesen werden. Wer den nicht aufbringt, versucht es einfach später noch einmal. 
Nun geschah es zu jener Zeit, dass wir sehr viele Tage im Möbelhaus zubrachten, um unser neues Zuhause einzurichten. Man kaufte dieses und jenes, und das da wäre ja auch noch praktisch. So kam es, dass die Freundschaftskarte glühte, das Auto ächzte und das Konto stöhnte. Doch nach einer Weile war es vollbracht. Wir waren wunschlos glücklich. Alles stand und hing an seinem Fleck, die Deko verteilte sich alsbald gleichmäßig über die Räume und wir sahen, dass es gut war. 
Und so las ich den maschinell erstellten und ohne Unter…