Direkt zum Hauptbereich

Wie sind denn die Nächte?


Wenn man mit einem Säugling unterwegs ist, sind die Reaktionen häufig ähnlich. Erwartungsvolle Blicke in den Kinderwagen oder ins Maxi Cosi, ein verträumtes Lächeln und oft genug ein enttäuschtes "Oh, die schläft ja!" Öhm. Deshalb bin ich ja mit ihr unterwegs. Entweder, weil sie schläft oder damit sie schläft. Wenn wir dann schon beim Thema sind, folgt unweigerlich der Bestseller unter den häufig gestellten Fragen an frisch gebackene Eltern: "Wie sind denn die Nächte? Schläft sie durch?"
Ich schlafe jeden Abend mit der Gewissheit ein, dass sie durchschlafen wird.
Daran ändert auch das Quäken zwischen ein und zwei Uhr nachts nichts. Erst ganz putzig, ähnlich einem Krokodilbaby, das nach seiner Mutter ruft, dann doch etwas drängender. Kategorie Alarmanlage. Spätestens da reißt man die Augen auf, gefolgt von einem Moment der Orientierungslosigkeit. Blick auf den Wecker, nochmal kurz die Augen schließen, bevor man hinaus in die kalte Nacht tapst. Im Dämmerlicht einer kleinen Lampe bereite ich die Flasche zu, während die Alarmanlage verschiedene Soundeffekte ausprobiert. Man mag es kaum glauben, aber das weckt einen nach ein paar Wochen nicht zwingend auf, sodass man beim Füttern aufpassen muss, nicht wieder einzuschlafen. Der Kopf nickt immer wieder nach unten. Das rhythmische Schmatzen, das warme Paket an die Brust gedrückt und dazu die ebenfalls schläfrigen Augen des Goldschatzes vor einem laden aber auch zum Träumen ein. Welch idyllische Zweisamkeit zwischen Mutter und Kind!

Wenn dann das Kind nicht plötzlich eine ungewöhnliche Färbung annehmen würde.
Baby mit Füllstandanzeige? Wie praktisch! 
Das Gesichtchen läuft von unten her ganz rot an und das Baby presst die Fäustchen zusammen. Nach nur kurzer Zeit riecht man das Absinken des Füllstandes sehr deutlich - dementsprechend lässt auch die rote Gesichtsfärbung nach. Gut, dass man nicht vor der Flasche gewickelt hat. Eine Windel gespart! Das freut die Haushaltskasse. Auf dem Wickeltisch hat der kleine Engel sichtlich Spaß, sodass die immer noch schläfrige Mama aufpassen muss, dass die zappelnden Füßchen nicht in der ... Windel landen.

Flink wird die frische Windel unter dem wieder frischen Babypopo positioniert, als es gluckst. Wieso gluckst es? Wie niedlich. Oh, hoppla. Schnell das bisschen Suppe weggewischt, das der Schluckauf herausbefördert. Abwarten. Kommt noch was? Jap. Aber eine Etage tiefer auf die immer noch offene und jetzt nicht mehr frische Windel.
Das war es dann mit der Mega-Ersparnis.
Also nochmal von vorn. Einmal oben wischen, einmal unten wischen. Dieses Mal etwas schneller, Mama! Das Bäuerchen drückt! Wenigstens kommt das nach dem Hochnehmen schnell - und in einer Lautstärke, das einem ausgewachsenen Brauereibesitzer alle Ehre macht. Jetzt bin ich definitiv hellwach. Fast eine Stunde, nachdem ich aus dem Tiefschlaf gerissen worden bin. Hilft nichts. Die Flasche ist immer noch halb voll und das Kind mit Sicherheit leer.

Als ich die Flasche das nächste Mal absetze, ist sie restlos ausgezuzelt. Ich bin glücklich. Jetzt nochmal ein Bäuerchen und dann wieder ab ins warme Bett. Das Baby über die Schulter geworfen, das dort aber eher wegdämmert als rülpst. Man hutschelt und ruckelt, um zu helfen, wo nicht zu helfen ist. Ich mag nicht mehr.
Die Müdigkeit kommt zurück. Ich will ins Bett.
Ich stehe auf und mache ein paar Schritte in Richtung Schlafzimmer, als auch das kleine Wunder die Augen erschrocken aufreißt. Dann höre ich es platschen. Jetzt ist das Kind vollkommen leer und der Küchenboden voll. Ja, es ist wirklich ein Wunder, was alles in so ein Kind passt. Oder eben nicht. Das kann man sehen, wie man will.

Ich habe Glück. Es hätte auch das Bett sein können. Zwei Stunden, nachdem mich die Alarmanlage geweckt hat, krieche ich wieder unter die Decke in das inzwischen kalte Bett. Ich dämmere gerade weg, als mich der Große aus dem Schlaf reißt und nach mir ruft...
Jede Nacht ist anders.
Ich hätte auch von diesen Nächten erzählen können: Ich hab sie um halb elf ins Bett gelegt. Um sechs hat sie mich wieder geweckt. Sie schläft einfach super! Aber das wäre halt nicht halb so unterhaltsam...

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Oma in der Pflicht?

Auf Einer schreit immer erschien kürzlich ein Gastbeitrag darüber, dass man sich als Mutter Unterstützung von der Oma wünschen würde, die aber ihr Leben in vollen Zügen genießt, sich im Fitnessstudio und auf Reisen herumtreibt, während die Working Mum sich wie im Hamsterrad aus Beruf, Haushalt und Kindererziehung fühlt. Früher sei das ganz anders gewesen. Früher hätten Omas gestrickt und mit dem Enkel auf der Parkbank sitzend Vögel gefüttert.
Ich glaube, hier ist jemand dem "Früher war alles besser"-Irrglauben aufgesessen. Zumindest trifft das gezeichnete Bild der Märchen-Oma nicht auf meine eigenen zu. Diese waren jünger als Zwergnases Omas jetzt und auch noch selbstständig. Demnach musste meine Mutter den Alltag mit zwei Kindern auch alleine stemmen. Meine Omas waren da, wenn Not am Mann war oder wenn meine Eltern eben einmal ausgehen wollten. Ich glaube aber nicht, dass sich meine Mutter gewünscht hätte, dass ihre Mutter und ihre Schwiegermutter sich in ihren Haushalt ei…

Von hoffnungslosen Herrchen und ihren Haufen

Ich mag keine Hunde. Sie sabbern, ich mag ihren Geruch nicht und man weiß nie, ob er dich anspringt, wenn du einem begegnest. Aber das Schlimmste sind die Hundehaufen.
Dafür kann das Tier natürlich nichts. Irgendwo muss es sein großes Geschäft verrichten. Und zwar dort, wo es sein Herrchen lässt. Auf Gehwegen, in Sandkästen auf Spielplätzen, in Vorgärten, Garageneinfahrten und auf landwirtschaftlich genutzten Wiesen. Die aufgestellten Hundetütenbehälter werden ignoriert.
Ich kann es mir schon vorstellen. Am Rande eines Weges. Unbeobachtet. Der Hund setzt an, tut, was er tun muss. Es hat keiner gesehen, warum soll man sich die Hände schmutzig machen? Ein Nachbar hat ein Schild mitten in seinen Vorgarten gesetzt, dass sein Garten kein Hundeklo ist. Gegenüber ein Pappschild: "3 Meter Einfahrt - 3 Hundehaufen. Muss das sein?!" Spricht man die Herrchen an, bekommt man nur eine schnippische Antwort und die Haufen bleiben liegen.
Erheblichen Schaden können Hunde auch auf Futterwiesen a…

Der Hund auf der Straße - (K)ein Straßenköter?

Ich mag Hunde nicht besonders. Wenn ich auf der Straße einem begegne, ignoriere ich ihn. Es käme mir nicht in den Sinn, einem Hund oder seinem Besitzer zuzusprechen. Das Tüddelü der alten Damen, wenn sie normalerweise Babys sehen. Von wegen "Ja, ist das ein Süßer! Ja, wie heißt er denn? Bist ein Braver, gell! JAAAAAA!" Ähm. Nein. Zuviele Hunde von Bekannten sind an mir hoch gesprungen und haben mir die Kleidung ruiniert. Außer einem "Normal macht der das nicht! Höhö!" kam herzlich wenig von den Besitzern. Wenn ich nur an diese eine Jeans denke... Weiß der Geier, wo der Hund zuvor rumgelaufen war. Die Flecken von seinen Pfoten bekam ich nie wieder raus. Zu oft bin ich schon in Hundedreck gestiegen. Zu oft habe ich zu Zwergnase sagen müssen, dass er hier und dort keine Blumen pflücken darf, weil da Hunde reinkacken. Noch öfter hat mich das plötzliche Gebell hinter einer Hecke erschreckt oder wurde Zwergnase davon aufgeweckt. Nein, meine Erfahrungen mit Hunden sind b…