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Was macht MANN im Kreißsaal


Viele fragen sich, warum man Kreißsaal eigentlich mit ß schreibt. Mit dem Kreis, den die Gebärende mit ihren Hüften auf einem Pezziball beschreibt, um Geburt voran zu treiben, hat der Kreißsaal auf alle Fälle nichts zu tun. Vielmehr geht das zugrunde liegende Verb kreißen auf das mittelhochdeutsche krîzen zurück, das stöhnen bedeutet und auch das Wort kreischen wird daraus abgeleitet. Die Wortherkunft lässt also auf die Stimmung im Kreißsaal schließen, wo der Schwangeren spätestens dämmert, dass es nicht heißen muss Wir sind schwanger, sondern es ganz allein sie ist, die sich dort auf der Liege krümmt und stöhnt, während er hilflos daneben steht. Manch einer wird sich vielleicht nach den Zeiten sehnen, in denen der werdende Vater vor der Tür wartete, bis er Babys Schreie hörte und von der Hebamme hereingeholt wurde.

Doch das kann er im Zuge der Gleichberechtigung schnell vergessen. Nachdem er zu jedem Vorsorgetermin geschleppt worden ist, seine Partnerin mindestens einmal im Geburtsvorbereitungskurs zu unterstützen hatte und ihr allabendlich den Bauch massieren und bequatschen sollte, um das vorgeburtliche Bonding (Eltern-Kind-Bindung) zu unterstützen, ist es selbstverständlich, dass er sich über die Geburt informiert. Er wird dann auf Artikel treffen, die ihm Tipps geben, wie er die werdende Mutter unterstützen kann (wie diesen hier zum Beispiel).

Nett gemeint, allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass eine Frau in den Wehen Sätze hören möchte wie "Du solltest jede Stunde zur Toilette gehen!", "Probiere doch die Atemübungen aus deinem Kurs!", "Jede Wehe bringt dich unserem Ziel näher!" oder Anfeuerungen wie "Du machst das super!" Ich hätte sie nicht hören wollen.

Klare Ansagen verhindern Missverständnisse und Ärger. "Wenn du auch nur einen dieser Sätze sagst, werfe ich dich raus!" ist eine todsichere Variante. Daneben erhielt mein Mann noch die Anweisungen: "Halt meine Hand, bleib neben meinem Kopf und halte einfach die Klappe!" Ein "Sei einfach für mich da!" ist doch sowas von unpräzise. Die armen Männer, die nun erraten sollen, wie sie es ihrer Partnerin recht machen können - die vermutlich selbst nicht weiß, was sie während der Wehen brauchen wird.

Als ich um 2.51 Uhr von der ersten Wehe geweckt wurde, wusste ich nicht so recht, ob es nun wirklich losgeht und ließ mir ein Bad ein. Als die nächste Wehe bereits vier Minuten später kam, bat ich meinen Mann, sich anzuziehen und dachte an den Rat meiner Ärztin. Ich solle ins Krankenhaus, wenn die Wehen alle zehn Minuten kämen. Den Teil hatte ich wohl übersprungen. Nach einer wirklich kurzen Badewanne und dreiminütigen Wehenabstand freuten wir uns über das leere Parkhaus und checkten um 3.29 Uhr in der Notaufnahme im Krankenhaus ein. Gut, dass es Nacht war. Denn am Tag hätte ich wohl nicht mehr auf einen freien Aufzug warten können. 

Als wir an der Tür zum Kreißsaalbereich klingelten, lächelte mich die rote Wartebank an. "Komm, auch hier kann man ein Kind zur Welt bringen! Ich will auch mal Zeuge eines Wunders werden!" Wahrscheinlich dauerte es nicht einmal eine Minute, ehe mir Ärztin und Hebamme die Tür öffneten, doch in dieser Minute unter einer Wehe war ich davon überzeugt, auf dem Fußboden zu entbinden, wenn sich diese Scheißtür nicht sofort öffnete. Die Ärztin schlenderte mir ziemlich gelassen entgegen, bugsierte mich aber dann doch ziemlich schnell in ein Zimmer. Nach einer kurzen Untersuchung und zwei weiteren Wehen verstand sie meine Hektik, legte mir einen Venenzugang und fragte, ob ich es selbst noch bis in den Kreißsaal schaffte. Schaffte ich. In dem Kleid, das ich trug, warf ich mich auf die Liege. Der Hebamme sagte ich nur noch, dass ich genaue Anweisungen bräuchte, weil ich keinen Kurs besuchte hatte. Dann ereilte mich die nächste Wehe. Für irgendwelche Schmerzmittel war keine Zeit mehr.

Mein Mann wollte sich währenddessen neben meinem Kopf häuslich einrichten und versuchte irgendwie an meine Hand zu kommen, wie ich es ihm aufgetragen hatte, als man plötzlich Babyschreie vernahm. Ich glaube, wir haben beide ziemlich dumm aus der Wäsche geschaut, als wir realisierten, dass das die Schreie unserer Tochter waren und nicht die irgendeines anderen Kindes. 18 Minuten, nachdem wir das Krankenhaus betreten hatten und 56 Minuten, nachdem ich von der ersten Wehe geweckt worden war, war unser Goaßerl auf der Welt und wir beide wohlauf. 
Was andere Männer im Kreißsaal machen (müssen), weiß ich nicht. Meiner hat auf alle Fälle das versucht, was ich ihm aufgetragen habe - dass er letztlich nicht einmal Händchen halten konnte, war nicht seine Schuld. Für mich eine Traumgeburt. 

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