Wo ist Uropa? - Was soll mein Kind glauben?


Zwergnases Uropa ist im Februar gestorben. Wie erklärt man den Tod einem Dreijährigen, wenn man ihn doch selbst kaum fassen kann? Ich kann ihm schlecht sagen, dass er das selbst entscheiden soll, wo Uropa ist. Denn Zwergnase will jetzt wissen, warum er nicht mehr in seinem Bett liegt und mit ihm Späße treibt. Ohne irgendwelche Fachartikel zu wälzen, habe ich mich für die Variante entschieden, die auch für mich am tröstlichsten ist.

Uropa ist jetzt im Himmel. Er passt von dort auf uns alle auf. 
Vor kurzem waren wir auf dem Friedhof. Er hat das Foto auf dem Kreuz wieder erkannt. Es ist dasselbe, das auch zuhause auf dem Schrank steht. Ich habe ihm nicht erklärt, was sich tatsächlich im Grab befindet. Ich will keine Alpträume und Ängste auslösen.

Der Friedhof ist ein Ort, an dem man die Gestorbenen besuchen und an sie denken kann.

Obwohl wir es bei der Taufe bezeugt haben, so haben wir uns noch nicht mit der religiösen Erziehung unserer Kinder auseinandergesetzt. Wahrscheinlich sind wir auch nicht mehr als "Taufschein"-Christen, die zu hohen Festen die Kirche besuchen und ansonsten nur bei besonderen Anlässen wie Hochzeiten, Taufen oder eben Beerdigungen. Für mich findet Glauben unabhängig von der Kirche und einem Pfarrer statt.

Ich glaube das, was mir Hoffnung gibt und mich tröstet.

Ob Zwergnase später genauso empfindet oder zum Atheisten wird, weiß ich nicht.

Das ist ihm zum gegebenen Zeitpunkt selbst überlassen.

Vermutlich trägt bis dato der Kindergarten mehr zur christlichen Erziehung bei als wir selbst. Mir ist lediglich wichtig, dass er keine schlechte Erfahrung macht. Der Kirchenbesuch jedoch hat mich überlegen lassen, wie ein Gottesdienst auf ein Kind wirken mag.

So saß er zum Beginn der Messe auch ganz artig mit gefalteten Händen da, wie es ihm im Kindergarten wohl für die Kirchengänge zu St. Martin und Weihnachten beigebracht worden ist. Er stand mit auf, lauschte, setzte sich wieder und schaute. An dieser Stelle wurde es mit der positiven Einstellung schwierig. "Warum weint der Mann?", flüsterte er mir zu und zeigte verhalten auf eine Darstellung Jesu mit Dornenkrone. "Warum kann die Frau nicht lachen?" und meinte damit eine Marienstatue mit geneigtem Haupt und traurigem Gesicht.

Was er auch entdeckte, war geprägt von Leid und Angst. 

Ich konnte ihm seine Fragen nicht beantworten. Ließ sie mit einem Fragezeichen im Kirchenraum hängen. Warum sieht man überall Leid und Angst, wo Hoffnung sein sollte?

Wieso herrscht Schwermut, wo Freude allgegenwärtig sein sollte?

Ich kann und will ihm nicht erklären, dass dies der Kirchenpolitik vergangener Zeiten entspricht. Dass die Kirche den Menschen Angst machte und Schuld einredete, um sie an sich zu binden.

Zumindest weiß ich jetzt, was ich ihm auf alle Fälle mit auf den Weg geben will.
Das Leben ist schön und voller Hoffnung.

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