Direkt zum Hauptbereich

Warum Mamas Auto nicht in die Garage darf


Wir haben eine Garage. In der steht immer das neuere Auto, um es vor Hagel, Vogelkacke, Mardern oder sonstigen unliebsamen Einflüssen zu schützen. Zuerst war das meins, dann hat Papa ein neues bekommen. Wenn der Nasenpapa arbeiten ist, könnte ich die Garage nutzen. Aber dafür bin ich zu bequem. Nur im Sommer ist das anders. Mein Auto steht direkt in der Sonne und mutiert innerhalb von Minuten zum Schnellkochtopf. Sich mit Kind in ein völlig überhitztes Auto zu setzen, wenn das nicht sein muss, wäre  selten dämlich. So gut ist die Klimaanlage auch wieder nicht. Ich parke mein Auto in der Garage, um es kühl zu halten.
So der Plan, der die letzten drei Jahre auch wunderbar funktioniert hat. Doch nun hat Zwergnase ein Wörtchen mitzureden. 
Er bekommt einen ausgewachsenen Wutanfall mit Schreien, Zetern und Weinen, als wir vom Kindergarten nach Hause kommen, ich das Auto abstelle, die Garage öffne und das Auto hineinfahre. "Aber da steht doch Papas Auto drin!", schluchzt er.

Ruhig erkläre ich ihm, dass wir später ins Freibad fahren, das Auto in der Garage kühl bleibt und sein Sitz so nicht heiß wird. Wenn wir nach Hause kommen, bleibt das Auto auf dem gewohnten Platz stehen. Papa wird sein Auto schon in der Garage geparkt haben und alles ist so, wie es sein soll. Misstrauisch nickt er, beruhigt sich aber. Damit kann er leben. Nach dem Mittagsschlaf bekräftige ich, dass wir nun die Garage für Papa wieder frei machen. Alles paletti.

Wenn da nicht die Verkettung unglücklicher Umstände gewesen wäre...

Ich beuge mich über Zwergnase und fummele am Gurt herum. "Das geht aber schwierig", murmele ich, bevor es endlich klickt. Ich fahre aus der Garage heraus, drehe mich zum Auto um und sehe Zwergnase weinen. Ach, du meine Güte. "Was ist denn los?" - "Der Gurt ist wieder aufgegangen! So darf man nicht Auto fahren! Das ist gefährlich!" Wenigstens hat er sich gemerkt, was ich ihm vor einer Weile gesagt habe, als er sich ohne Erlaubnis abgegurtet hat. Aber da ahnte ich noch nicht, wie schwer es mir meine eigenen Worte noch machen würden. Schnell wird er wieder angeschnallt, es wird ausgiebig getröstet und demonstriert, dass der Gurt jetzt hält. Wir verbringen einen schönen Tag im Freibad.

Als wir nach Hause kommen, steht Papa lachend neben seinem Auto und winkt. Vor der Garage. 

Er saugt gerade das Auto. Zwergnases Augen weiten sich und logisch. Er beginnt zu weinen. Schließlich hat Mama ihr Versprechen nicht gehalten. Ich kann es ihm nicht verdenken. Ich erkläre dem verdutzten Nasenpapa die Situation. Schnellstmöglich wird das richtige Auto in der Garage geparkt. Aber es ist zu spät. Wir haben Zwergnase einen bleibenden Garagenschaden angehängt, der ihn bis zum Schlafengehen und darüberhinaus beschäftigt.

Am nächsten Tag hole ich ihn wieder vom Kindergarten ab. Ich muss den Gurt dreimal überprüfen und muss ihm versprechen, nicht in die Garage zu fahren. "Vergiss nicht, mich anzugurten! Und auf keinen Fall in die Garage fahren, Mama!" Natürlich nicht. Wie könnte ich nur. Ich parke vor der Garage, wir essen zu Mittag, ich lasse die Jalousie im Schlafzimmer herunter, sodass man die Garage nicht mehr sehen kann. Ich lege Zwergnase zum Mittagsschlaf, stehle mich hinaus und fahre das Auto in die Garage. Nach seinem Schlaf bringe ich die Tasche hinaus, während er noch schnell auf dem Klo ist und fahre wieder aus der Garage. "Schau, Mama! Im Auto wird es gar nicht heiß! Wir brauchen Papas Garage gar nicht!" So ein Glück aber auch...

Kommentare

  1. Toll geschrieben! Dein Text hat mich super unterhalten, weil ich mir alles so bildlich vorstellen konnte. Herrlich!

    Lieben Gruß Jessi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen lieben Dank, Jessi! Dann habe ich den Text richtig geschrieben, wenn das Kopfkino angeht. So ein Feedback tut immer gut. Ganz lieben Dank auch fürs Teilen :)

      Liebe Grüße,
      Karin

      Löschen

Kommentar posten

Beliebte Posts aus diesem Blog

Oma in der Pflicht?

Auf Einer schreit immer erschien kürzlich ein Gastbeitrag darüber, dass man sich als Mutter Unterstützung von der Oma wünschen würde, die aber ihr Leben in vollen Zügen genießt, sich im Fitnessstudio und auf Reisen herumtreibt, während die Working Mum sich wie im Hamsterrad aus Beruf, Haushalt und Kindererziehung fühlt. Früher sei das ganz anders gewesen. Früher hätten Omas gestrickt und mit dem Enkel auf der Parkbank sitzend Vögel gefüttert.
Ich glaube, hier ist jemand dem "Früher war alles besser"-Irrglauben aufgesessen. Zumindest trifft das gezeichnete Bild der Märchen-Oma nicht auf meine eigenen zu. Diese waren jünger als Zwergnases Omas jetzt und auch noch selbstständig. Demnach musste meine Mutter den Alltag mit zwei Kindern auch alleine stemmen. Meine Omas waren da, wenn Not am Mann war oder wenn meine Eltern eben einmal ausgehen wollten. Ich glaube aber nicht, dass sich meine Mutter gewünscht hätte, dass ihre Mutter und ihre Schwiegermutter sich in ihren Haushalt ei…

Von hoffnungslosen Herrchen und ihren Haufen

Ich mag keine Hunde. Sie sabbern, ich mag ihren Geruch nicht und man weiß nie, ob er dich anspringt, wenn du einem begegnest. Aber das Schlimmste sind die Hundehaufen.
Dafür kann das Tier natürlich nichts. Irgendwo muss es sein großes Geschäft verrichten. Und zwar dort, wo es sein Herrchen lässt. Auf Gehwegen, in Sandkästen auf Spielplätzen, in Vorgärten, Garageneinfahrten und auf landwirtschaftlich genutzten Wiesen. Die aufgestellten Hundetütenbehälter werden ignoriert.
Ich kann es mir schon vorstellen. Am Rande eines Weges. Unbeobachtet. Der Hund setzt an, tut, was er tun muss. Es hat keiner gesehen, warum soll man sich die Hände schmutzig machen? Ein Nachbar hat ein Schild mitten in seinen Vorgarten gesetzt, dass sein Garten kein Hundeklo ist. Gegenüber ein Pappschild: "3 Meter Einfahrt - 3 Hundehaufen. Muss das sein?!" Spricht man die Herrchen an, bekommt man nur eine schnippische Antwort und die Haufen bleiben liegen.
Erheblichen Schaden können Hunde auch auf Futterwiesen a…

Der Hund auf der Straße - (K)ein Straßenköter?

Ich mag Hunde nicht besonders. Wenn ich auf der Straße einem begegne, ignoriere ich ihn. Es käme mir nicht in den Sinn, einem Hund oder seinem Besitzer zuzusprechen. Das Tüddelü der alten Damen, wenn sie normalerweise Babys sehen. Von wegen "Ja, ist das ein Süßer! Ja, wie heißt er denn? Bist ein Braver, gell! JAAAAAA!" Ähm. Nein. Zuviele Hunde von Bekannten sind an mir hoch gesprungen und haben mir die Kleidung ruiniert. Außer einem "Normal macht der das nicht! Höhö!" kam herzlich wenig von den Besitzern. Wenn ich nur an diese eine Jeans denke... Weiß der Geier, wo der Hund zuvor rumgelaufen war. Die Flecken von seinen Pfoten bekam ich nie wieder raus. Zu oft bin ich schon in Hundedreck gestiegen. Zu oft habe ich zu Zwergnase sagen müssen, dass er hier und dort keine Blumen pflücken darf, weil da Hunde reinkacken. Noch öfter hat mich das plötzliche Gebell hinter einer Hecke erschreckt oder wurde Zwergnase davon aufgeweckt. Nein, meine Erfahrungen mit Hunden sind b…