Direkt zum Hauptbereich

Wer bei der Wahl seiner Eltern nicht aufgepasst hat...

Als Teenager habe ich schon sehr mit meinem genetischen Erbe gehadert. Schiefe Zähne, die Augen schlecht, die Finger krumm, die Oberschenkel "standfest". Als die körperlichen Vorzüge verteilt wurden, war ich anscheinend gerade am Buffet. Aus dem Teenie-Alter bin ich raus, die Zähne sind gerade, die Brille ist ein Accessoire und mit meinen Beinen stehe ich fest im Leben. Nur am Buffet treibe ich mich immer noch herum und lade Eigenschaften auf den Teller, die nur von zweifelhafter Nützlichkeit sind.


Denn anscheinend habe ich bei der Wahl des Ehepartners noch nichts dazu gelernt. Rein genetisch betrachtet. Die Theorie, dass sich gegenseitig ergänzende Immunsysteme zueinander hinziehen, um das Überleben zu sichern, wird Zwergnase einmal sehr witzig finden. Während er sich einer Sensibilisierung wegen einer Allergie unterzieht oder so. Oder beim Augenarzt im Wartezimmer sitzt. Oder vor einem Regal steht, um einen Linkshänder-Schreiber zu suchen. 

Wenn man Kinder bekommt, erfährt man wahnsinnig viel darüber, von welchem Ast des Stammbaums die "Talente" gefallen und vergessen worden sind. Überrascht waren wir etwa sehr, dass Zwergnase sich schon sehr früh als eindeutiger Linkshänder zeigte. Keiner von uns ist Linkshänder. Warum ist das Kind ein Linkshänder? Den Postboten können wir auch ausschließen. Uroma brachte dann Licht ins Dunkel. Mein Onkel sei "ein Linker", genauso wie eine seiner Tanten. Aber die wurden eben früher beim Schreiben "umgewöhnt". Das bleibt Zwergnase erspart. "Nimm's in de gescheide Hand!" heißt für ihn "Mach's mit Links!"

Auf anderes brachte mich Zwergnase selbst. "Mama! Du hast lauter Wimmerl am Rücken!", bemerkte er beim Umziehen im Bad. "Hast du wieder rote Gummibärle gegessen! Das darfst du nicht!", schalt er mich. Natürlich ein Echo von mir. Denn Zwergnase bekommt auf Erdbeeren und rote Aromastoffe Ausschlag. Aber tatsächlich hatte ich am Abend zuvor (heimlich) Erdbeeren gegessen. Eine eingehende Beobachtung ergab auch bei mir einen Zusammenhang zwischen meinem Hautbild und dem Verzehr roter Früchte.

Sehr ärgerlich waren auch seine ständigen Erkältungen. Nach einem halben Jahr im Kindergarten hätten wir eigentlich gedacht, das Schlimmste überstanden zu haben. Aber jedes Mal, wenn uns das Wetter rauslockte, schleppte Zwergnase den nächsten Infekt an! Es war zum Mäuse melken. Schnupfen, Husten, tränende Augen und immer irgendeine Form von Ausschlag. Es war ein rühriges Bild, als Zwergnase mit seinem Papa auf der Couch saß. Da hockten sie. Und schnieften. Und rotzten. Und husteten. Moment mal. Beide? Plötzlich ging mir ein Licht auf. Zwergnase war gar nicht ständig krank! Er hatte schlichtergreifend den Heuschnupfen seines Vaters geerbt. Da half all die frühkindliche Sensibilisierung im Kuh- und Heustall bei der Uroma auch nichts. Wobei er da drin zumindest keine Symptome zeigt.

Zum Glück wird er es wahrscheinlich irgendwann nicht hören, wenn man ihm sagt, dass er ein Hörgerät braucht. Immerhin.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Wann wird's mal wieder richtig Sommer?

Im Sommer kann kommen, was wolle, ich beschwere mich nicht über die Hitze. Es gibt schließlich nichts Schlimmeres als einen verregneten Sommer, bei dem man Trübsal blasend an der Fensterscheibe klebt und verzweifelt, was man mit den Kindern noch anstellen könnte. Dieses Jahr blieb uns das erspart. Wenn es einem zu heiß wurde, fuhr man halt in den Urlaub. Nach Italien oder so.
Wir sahen nicht, wie der Rasen ausblieb, weil wir ständig beim Baden waren. Die Kinder schliefen am Abend müde im Bett und wir saßen mit Cocktail in der Hand auf dem Balkon. Unser Rum-Verbrauch kam diesen Sommer dem eines Piratenschiffs aus der Karibik gleich.
Das Freibad machte im September zu. Am letzten Tag hatte es 30 °C, die darauffolgenden Tage 33 °C. Aber im September kann man ja nicht mehr baden. Viel zu frisch! Als der Rum alle war, kauften wir keinen neuen mehr. Einerseits wollten wir den anonymen Alkoholikern entgehen, andererseits konnte ja jeder Abend der letzte draußen sein. Und dann steht der Rum …

Oma in der Pflicht?

Auf Einer schreit immer erschien kürzlich ein Gastbeitrag darüber, dass man sich als Mutter Unterstützung von der Oma wünschen würde, die aber ihr Leben in vollen Zügen genießt, sich im Fitnessstudio und auf Reisen herumtreibt, während die Working Mum sich wie im Hamsterrad aus Beruf, Haushalt und Kindererziehung fühlt. Früher sei das ganz anders gewesen. Früher hätten Omas gestrickt und mit dem Enkel auf der Parkbank sitzend Vögel gefüttert.
Ich glaube, hier ist jemand dem "Früher war alles besser"-Irrglauben aufgesessen. Zumindest trifft das gezeichnete Bild der Märchen-Oma nicht auf meine eigenen zu. Diese waren jünger als Zwergnases Omas jetzt und auch noch selbstständig. Demnach musste meine Mutter den Alltag mit zwei Kindern auch alleine stemmen. Meine Omas waren da, wenn Not am Mann war oder wenn meine Eltern eben einmal ausgehen wollten. Ich glaube aber nicht, dass sich meine Mutter gewünscht hätte, dass ihre Mutter und ihre Schwiegermutter sich in ihren Haushalt ei…

Der Kindergeburtstag

"Ich bin zur Geburtstagsfeier eingeladen!" Stolz hält mir Zwergnase die liebevoll gebastelte Einladung mit aufgeklebten Monsterauge und Zähnen vor das Gesicht. Seine Aufregung steckt mich an. Das wird sein erster richtiger Kindergeburtstag sein, ohne dass Mama den ganzen Nachmittag Händchen hält. Plötzlich bin ich nervöser als er. Denn Zwergnase gruselt sich schon etwas vor dem ganzen Halloween-Zeug, auch wenn er es nicht zugibt. Zwergnase ist begeistert. In der Woche vor dem Geburtstag malen wir täglich entweder auf Papier oder mit Straßenmalkreide Spinnen, Vampire, Geister und Skelette. Wenn er nachts zu uns ins Bett kriecht, geht das nur noch mit Taschenlampe. Aber seiner Begeisterung tut das keinen Abbruch. Ich bringe es nicht übers Herz, ihn nicht auf den Geburtstag zu lassen, weil er danach Angst haben könnte. Frage aber die Mama, ob ich nicht eine kleine Weile bleiben dürfe. Noch während ich die Nachricht abschicke, komme ich mir wie eine Glucke vor. 
Während ich Zwe…