Oma in der Pflicht?

Foto: Karin Futschik

Auf Einer schreit immer erschien kürzlich ein Gastbeitrag darüber, dass man sich als Mutter Unterstützung von der Oma wünschen würde, die aber ihr Leben in vollen Zügen genießt, sich im Fitnessstudio und auf Reisen herumtreibt, während die Working Mum sich wie im Hamsterrad aus Beruf, Haushalt und Kindererziehung fühlt. Früher sei das ganz anders gewesen. Früher hätten Omas gestrickt und mit dem Enkel auf der Parkbank sitzend Vögel gefüttert.

Ich glaube, hier ist jemand dem "Früher war alles besser"-Irrglauben aufgesessen. Zumindest trifft das gezeichnete Bild der Märchen-Oma nicht auf meine eigenen zu. Diese waren jünger als Zwergnases Omas jetzt und auch noch selbstständig. Demnach musste meine Mutter den Alltag mit zwei Kindern auch alleine stemmen. Meine Omas waren da, wenn Not am Mann war oder wenn meine Eltern eben einmal ausgehen wollten. Ich glaube aber nicht, dass sich meine Mutter gewünscht hätte, dass ihre Mutter und ihre Schwiegermutter sich in ihren Haushalt eingemischt hätten. Genausowenig würde ich wollen, dass mir Mutter oder Schwiegermutter die Wohnung wischen oder die Wäsche bügeln.

Auch wenn in dem oben verlinkten Gastbeitrag herausgestellt wird, dass Omas keine kostenlosen Arbeitskräfte zur Kinderbetreuung seien, so bleibt aber bei mir genau das nach dem Lesen hängen. Der Neid darüber, dass man selbst im Leben gefangen sei und die Oma alle Freiheit genießen könne.
Ich sage:
Das ist ihr gutes Recht!
Alles im Leben hat seine Zeit. So stellt die Generation meiner Eltern im Allgemeinen fest, dass das Großeltern-Sein wesentlich entspannter als das Elternsein ist. Wenn der Enkel da ist, nehmen sich Großeltern die Zeit, die im Elternalltag manchmal fehlte. Sie freuen sich, wenn man kommt und sie freuen sich, wenn man wieder geht. Sie sparen sich die kleinen Kämpfe und Wutanfälle, Großeltern müssen nicht immer konsequent sein. Großeltern dürfen verwöhnen. Wie es auch unsere Großeltern mit uns gemacht haben. Genau deswegen kann man sich nicht auf die eigene Erinnerung verlassen. Sie ist getrübt davon, dass Großeltern eben Großeltern und nicht Eltern waren.

Alles im Leben hat seine Zeit. Die eigenen Eltern haben genau diese Pflicht schon hinter sich, sind selbst jahrelang im Hamsterrad gefangen gewesen, um uns die bestmögliche Zukunft zu ermöglichen und uns Förderung zu bieten. Ich denke, meine Mama fand es sicher auch nicht erfüllend, freitags von der Arbeit nach Hause zu hetzen, für uns zu kochen, uns von der Schule abzuholen und dann in aller Hektik zum Klavierunterricht zu bringen. Dennoch hat sie es gemacht, ohne sich ein einziges Mal zu beklagen. Weil sie das Beste für uns wollte.

Schlussendlich wird man die Omas auch nicht vorher gefragt haben, ob man sie mit Enkel "belasten" darf. Man hat sich selbst für die Elternschaft entschieden und nicht bei den zukünftigen Großeltern um Erlaubnis dafür gebeten. Dass man sich die Belastungen des Elternseins vorher absolut nicht vorstellen kann, ist ein anderes Thema. Aber die kannten die eigenen Eltern auch nicht und dennoch haben sie ganz natürlich die Verantwortung für ihre Familie übernommen. Wenn es also zuviel wird, ist es vielleicht einfach an der Zeit, etwas umzustellen, selbst aktiv zu werden. Omas sind ein Zuckerl, wie ich vor kurzem festgestellt habe, keine Selbstverständlichkeit (hier).


Beliebte Posts aus diesem Blog

Im Rathaus

Schäferstündchen - Wenn Eltern miteinander ins Bett gehen

Von Kochkünsten und Küchenexperimenten