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Der Kindergartenausflug zum Haus am Strom (Untergriesbach)

Foto: Karin Futschik
Es fällt mir sehr schwer, meine Comfort-Zone zu verlassen. Insbesondere mit Zwergnase. Von Großveranstaltungen für Kinder halte ich mich in der Regel fern. Zu viele Menschen, zu viel Gedrängel. Gelegentlich geht es natürlich in den Zoo oder auf das Frühlingsfest. Als ich den pinken Zettel mit den Informationen zum Kindergartenausflug aus seinem Rucksack fischte, stand außer Frage, dass wir teilnehmen. Zwergnase hat Kinder um sich, erlebt etwas und ich habe die Gelegenheit, die anderen Mamis besser kennenzulernen.

Was ein Ausflug für Mama bedeutet

Am Tag vor dem Ausflug bereue ich meine Entscheidung. Immer. Mit der gepackten Tasche könnten wir vermutlich auch eine Woche in Urlaub fahren. Wir sind wirklich für jeden Fall gerüstet. Wir haben Kleidung für alle Fälle dabei. Dazu eine Kühltasche, mit der man den ganzen Bus versorgen könnte. Wurstbrote, Obststücke, Gemüsescheiben, Süßigkeiten, und und und. Was? Schon so spät? Als das in der Wohnung herumrennende Kind einfangen, eincremen, anziehen. Heute müssen wir ja pünktlich sein! Die Küche hinterlasse ich im Chaos und ich hoffe inständig, dass wir vor Papa zuhause sind.

Zwischenstopp beim Bäcker für zwei frische Brezen. Erleichtert stelle ich fest, dass wir nicht die letzten am und vor allem im Bus sind. Zum Glück ist nicht Zwergnase das erste Kind, das (nach ganzen 10 Minuten Fahrt) aufs Klo muss. Wir hätten keine Zeit gehabt, erst noch den Schlüssel fürs WC vom Busfahrer zu holen. Die zwei Stunden Busfahrt vergehen eigentlich doch recht schnell. Nur die Serpentinen auf den letzten Kilometern fordern meinem Magen alles ab. Bitte lass kein Kind in den Bus kotzen, sonst muss ich auch... (Das kotzende Kind saß zum Glück im anderen Bus.)

Beim Haus am Strom stürmen die Kinder sofort den Spielplatz, was nach der langen Fahrt wenig verwunderlich ist. Die Programmleiterin sieht das anders. Alle Kinder sollen sich um sie scharen, damit diese den Informationen lauschen können, die eigentlich für die Eltern gedacht sind. Die stehen nach dem 10-minütigen Vortrag ratlos in der Gegend herum. Auf dem Informationszettel des Kindergartens war eindeutiger formuliert, welches Angebot für welche Altersgruppe angedacht ist...

Grundsätzlich seien die Angebote nur für die Kinder gedacht, ohne Begleitung durch die Eltern. Eine halbe Stunde Fußweg bei erdrückender Schwüle zur Mittagszeit? Genau wie die meisten anderen Eltern der kleineren Kinder stelle ich die Mitarbeiterin der Märchengruppe vor die vollendete Tatsache, dass mein Kind meine Begleitung braucht, weil es dem Kind zuviel wird. Die Eltern der älteren Kinder werden ins Bistro verbannt, wo sie aber bitte regelmäßig etwas bestellen oder die Plätze für den Radfahrerverkehr räumen sollen, damit die umsatzschwachen Tage heute ausgeglichen werden können. So hat man sich einen Ausflug für Kinder und Eltern vorgestellt. Nicht.

Tatsächlich laufen wir etwa zwei Stunden durch die Gegend, um mithilfe kleiner pädagogischer Basteleinlagen die Geschichte des Fischerjungen Peters zu erkunden, der der Nixe Isar verfiel. Ich bin froh, meine müde Zwergnase im Buggy schieben zu können. Die Strecke wäre eine einzige Tortur gewesen. Von der Geschichte bleibt nicht allzuviel hängen. Sie ist zu lang und zu kompliziert für die Dreijährigen. Ich bin froh, als wir zurück am Ausgangspunkt sind, etwas essen können und sich die Kinder am Spielplatz mit Wasserspielen abkühlen und selbst beschäftigen können, sodass Zwergnase bei der Heimfahrt an mich gekuschelt selig schläft.


Wie der Ausflug für Zwergnase war

Heute gibt es einen Ausflug! Mit dem Kindergarten! Das Wagerl haben wir auch dabei. Geschoben werden ist so schön. Wir fahren ganz weit weg mit dem Bus, einem roten. Da sitzt man viel höher und kann auf die Autos hinunterschauen. Aber im Bus haben sie die Gurte vergessen. Deshalb sitze ich die ganze Fahrt bei Mama auf dem Schoß. Ihre Arme gurten mich an, damit mir nichts passiert. Wir fahren viele Berge hoch und wieder hinunter. Und ganze viele Kurven gibt es auch. 

Endlich sind wir da! Aber Mama sagt immer, ich muss aus dem Wagerl aussteigen, weil eine Frau uns etwas erzählen will. Ein Märchen. Aber erst müssen wir Anhänger basteln, um ins Märchenland zu dürfen. Mit einem Klitzerstein und Kleber. Wir suchen einen Schatz. Unter den Steinen liegt der. Die Frau liest etwas von Peter vor. Alle gehen los und ich darf endlich im Wagerl sitzen bleiben. Mama schiebt und ich esse Breze. Wir sind ein super Team, oder? Auf einmal sehen wir einen Fluss. Mit Schiffen! Wir müssen alle auf einer komischen Bank sitzen, die aussieht wie ein Baum. Mama macht ein Foto. Unter einem Kirschbaum steckt uns die Frau bunte Tücher in die Hosentaschen. Ich bin ein oranger Krebs. Ich will Kirschen vom Baum pflücken, aber Mama sagt, die sind noch nicht reif. Ich bin müde. Wir basteln einen Palast für eine Meerjungfrau. Mit Schnecken (iiiihhhhh) und Muscheln. Im Wagerl muss ich ein bisschen rasten. Aber Mama hat keine Kuschelwindel dabei. Die habe ich zuhause aus der Tasche gezogen, damit ich sie nicht verliere. 

Endlich sind wir am Spielplatz. Die Schaufel gehört mir! Ich baue einen Kieselberg und das Wasser kann nicht mehr weiterfließen. Pirat kann ich auch spielen. Mama ist doof. Sie sagt, dass ich bieseln gehen und mich umziehen muss. Der Bus fährt schon wieder nach Hause! Ich will aber noch nicht! Das ist sooo blöd. Aber eigentlich ist es auf Mamas Schoß schon sehr gemütlich. 

Daheim erzähle ich Papa gleich vom Bus. Busfahren ist schön. 

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