Der Hund auf der Straße - (K)ein Straßenköter?

Ich mag Hunde nicht besonders. Wenn ich auf der Straße einem begegne, ignoriere ich ihn. Es käme mir nicht in den Sinn, einem Hund oder seinem Besitzer zuzusprechen. Das Tüddelü der alten Damen, wenn sie normalerweise Babys sehen. Von wegen "Ja, ist das ein Süßer! Ja, wie heißt er denn? Bist ein Braver, gell! JAAAAAA!" Ähm. Nein. Zuviele Hunde von Bekannten sind an mir hoch gesprungen und haben mir die Kleidung ruiniert. Außer einem "Normal macht der das nicht! Höhö!" kam herzlich wenig von den Besitzern. Wenn ich nur an diese eine Jeans denke... Weiß der Geier, wo der Hund zuvor rumgelaufen war. Die Flecken von seinen Pfoten bekam ich nie wieder raus. Zu oft bin ich schon in Hundedreck gestiegen. Zu oft habe ich zu Zwergnase sagen müssen, dass er hier und dort keine Blumen pflücken darf, weil da Hunde reinkacken. Noch öfter hat mich das plötzliche Gebell hinter einer Hecke erschreckt oder wurde Zwergnase davon aufgeweckt. Nein, meine Erfahrungen mit Hunden sind bis auf eine einzige Malamute-Hündin wirklich nicht berauschend. Und es wird auch nicht besser. Denn neuerdings haben sich auch die Nachbarn einen Hund angeschafft.


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Wenigstens weiß man immer, wenn Gefahr in Verzug ist. Denn dann wird der Name des Hundes, nennen wir ihn Alto,  in monotonem Dauergebrüll durchs Dorf gerufen. Nur Alto scheint der einzige zu sein, der das nicht hört. Oder es ist ihm egal. Das weiß man nicht so genau. Mir ist es jedoch keineswegs egal, wenn Alto plötzlich vor dem Sandkasten in unserem Garten (!) steht und Zwergnase anknurrt. Alto ist so ein grässlicher kleiner Wadelzwicker, der alle Glieder vor Aufregung durchstreckt, den Schwanz aufrichtet und dann in ohrenbetäubender Lautstärke loskläfft. Dazwischen zeigt er seine spitzen Zähne und der Blick ist irr. Mit der Töle auf Augenhöhe gefrieren wir beide zu Eis. Weit entfernt nehme ich ein ärgerliches "Alto!" wahr, was weder Zwergnase noch mich beruhigt. Das Herrchen ist weit und breit nicht in Sicht.

Es ist auch nicht das erste Mal, dass das Tier unter dem Maschendrahtzaun seiner Besitzer durchgeschlüpft und auf Wanderschaft gegangen ist. Es ist auch keineswegs so, dass es sich bei Alto um einen "ganz, ganz Braven" handelt, der "nur spielen will". Davon kann nämlich mein Hunde liebender Mann ein Lied singen, der beim Rasenmähen vom Wadelzwicker eben in diese gewickt worden ist. Denn Alto versteht nicht nur seinen eigenen Namen nicht, sondern auch kein Deutsch und kennt auch die gängigen Kommandos nicht, wie mein Mann nun weiß. Alles in allem führt das Verhalten des Hundes dazu, dass ich ihn - jetzt sind wir zurück beim Sandkasten mit dem kläffenden Tier vor dem weinenden Kind - auf keinen Fall einfach hoch heben und zurück über den Zaun werfen kann. Ich behalte meine Hände gerne noch länger, danke. Irgendwann taucht dann doch ein Herrchen auf, schimpft in einer Fremdsprache mit dem Tier, braucht aber selbst eine Viertelstunde, um es vom Grundstück zu befördern. Denn Alto will scheinbar noch etwas spielen und läuft seinem Herrchen munter durch unseren Garten davon. Statt einer Entschuldigung gibt es nur ein verlegenes Lachen. Wenigstens hat Alto uns nicht in den Garten gekackt, so wie der Köter einer ehemaligen Hausbewohnerin.

Wie dem auch sei. Letztens geschah es dann, dass ich in unsere Straße einbog und der Kläffer mitten auf der Straße stand. Herrenlos, nicht willig, sich einen Zentimeter zur Seite zu bewegen. Sein einziges Glück war, dass ich zwar oft zweifelhaftes Kopfkino abspiele, dieses aber nicht in die Tat umsetze. Und so trat mein Fuß auf die Bremse statt aufs Gas. Wegen Karma und so...

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