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Beim Griechen

Biergarten Olympia Deggendorf
Foto: Karin Futschik

Ich habe mich lange darum gedrückt, mit Zwergnase in ein Restaurant zu gehen. Einen Eineinhalbjährigen am Tisch festzuhalten, wenn der das nicht will, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Entspanntes essen sieht anders aus. Lieber koche ich zuhause, bevor ich mir und den anderen Gästen einen Restaurantbesuch zumute. Kommt Zeit, kommt Rat, heißt es so schön. Mit seinen guten 3 Jahren kann man Zwergnase nun im Voraus verklickern, was auf ihn zukommt, was er darf und was er nicht darf. 

Heute geht's also zum Griechen. Da gibt es etwas zu essen. Auch Pommes? Auch Pommes. Beim Griechen sind wir aber nicht alleine. Da sitzen viele Menschen und wollen auch etwas essen. Auch Pommes? Ja, manche wollen auch Pommes. Wenn man zum Essen geht, muss man brav am Tisch sitzen bleiben, damit die Kellner das Essen nicht fallen lassen, weil sie stolpern. Dann kann man die Pommes nicht mehr essen? Nein, dann kann man die Pommes nicht mehr essen. Ernstes Nicken.

Wir sind vor Oma, Opa und der Lieblingstante im Biergarten. Zwergnase entscheidet sich für einen Tisch im Schatten, weist Mama und Papa so bestimmt die Plätze rechts und links neben ihm zu, dass sich der Kellner nicht zu widersprechen traut. Dieser bringt zwei Speisekarten und will die Getränkebestellung aufnehmen. Aber so geht das nicht. Zwergnase will auch ein Buch haben und Oma, Opa und die Lieblingstante brauchen auch eins. Der Kellner holt vier weitere Karten. Mama trinkt Wasser, Zwergnase will kein eigenes. Er trinkt bei der Mama mit. Das macht er immer so! 

Als er dem Kellner nachschaut, entdeckt er Oma, Opa und die Lieblingstante. Vor Freude wirft er fast den Stuhl um und winkt stürmisch. "Oma! Opa! Tante! Hier sind wir! Huhuuu!" Ja, es weiß jetzt auch der taube Gast am anderen Ende des Biergartens, wo wir sitzen. Ganz Gentleman erklärt er auch den dreien, wie sie zu sitzen haben. Alles muss schließlich seine Ordnung haben. Wie wir studiert er die Speisekarte ausgiebig. Aufmerksam hört er uns zu, ehe er selbst bestellt. POMMES. Was auch sonst? Das Fleisch kann der Papa haben. Der mag das so gern. Jawohl.

Der Kellner kann viele Teller tragen. Warum da allerdings überall Salat drauf ist, kann Zwergnase nicht so richtig verstehen. Jeder kriegt einen Teller. Nur er nicht. "Du hast meine Pommes vergessen!", ruft er traurig aus. Für den Bruchteil einer Sekunde werde ich nervös. Bitte. Nicht ausflippen. Bitte, bitte nicht. Doch der zweite Kellner, der unserem Chef einen großen Teller Pommes vor die Nase stellt, lächelt breit. "Danke!" Packt die Gabel und legt los. 

Ganz unvermittelt schaut er auf und zeigt mit dem Finger an den Rand des Biergartens. "Ha! Mama! Die haben ja Busen!", ruft er aus. "Die haben ja gar nichts an!" Mei, was soll man dazu auch sagen. Es stimmt ja. Bei den Statuen sieht man nunmal den Busen. Was der Blinde neben dem Tauben jetzt vielleicht bedauern mag. Zumindest hat er ganz sicher davon gehört. Wie jeder andere im Biergarten auch. Solange Zwergnase nicht hinlaufen und anfassen will, ist alles in Ordnung. 

Beim Bezahlen merken wir, dass sich Zwergnase vom letzten Besuch doch wichtige Details eingeprägt hat. Er will keinen Schnaps, lieber einen Lutscher und hebt abwehrend die Hand. Wie gut, dass der grinsende Kellner einen in seiner Brusttasche versteckt hat. Als wir den Biergarten verlassen, verabschiedet sich Zwergnase like a Boss und grüßt selbstbewusst hier und da in die Runde. Er weiß eben, wie man einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Servuuuus!


Kommentare

  1. Herzige Geschichte mit eurem Kleinen! Ein Biergarten war eine gute Wahl. Unsere Eltern sind mit uns auch nur in Lokalitäten gegangen, wo es Möglichkeiten für uns Kinder gab, zu spielen.

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  2. So lieb. Echt. Bei uns ist das schon lange her. Inzwischen haben wir den echten Pubertäter im Haus. Ich mag das immer, wenn kleine Kinder so sind wie der Deine und gab da auch als Gast die Ruhe weg. Kenn das ja 😉 Liebe Grüße aus Oberbayern!

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