Direkt zum Hauptbereich

Was hast du gesagt?

Der Kindergarten ist eine feine Sache. Nicht nur, dass es dort einfach Unmengen an Spielsachengibt, nein, es gibt sogar einen Turnraum, in dem sich die Kinder auch bei schlechtem Wetter austoben können. Na gut, ein bisschen hofft man schon, dass dem Spross etwas Zucht und Ordnung beigebracht wird. Vor allem das Einzelkind erfährt, dass es nicht allein auf der Welt und es nicht der König vor dem Herrn ist. Beim Elternabend wird einem dann auch noch erzählt, dass es natürlich einen Unterschied macht, ob da Mama oder Papa etwas vom Kind einfordern oder "außenstehende" Personen. Die hätten ja doch irgendwie noch eine andere Autorität, vor allem im Zusammenhang mit der Gruppe an sich. Ja, ein bisschen mehr Bundeswehr statt Waldorf tut Zwergnase bestimmt gut. Der kleine Racker hat uns alle in der Hand.

Ja, ich will es gar nicht schön reden. Im Vergleich zu anderen Kindern hört Zwergnase furchtbar schlecht. Es ist nicht so, dass er ständig unangenehm auffallen würde. Das gar nicht. Im Gegenteil. Unterwegs ist er sogar sehr oft ein Vorzeigekind. Zuhause sieht das schon anders aus. Pädagogisch könnte man jetzt sagen, dass er eben seine Grenzen auslotet. Praktisch ist es jedoch so, dass er ein ganz schönes Schlitzohr ist. Er weiß genau, wie er einen drücken muss oder wie man den Kopf schief legen und "Ich hab dich sooo lieb!" sagen muss, dass alle Erwachsenen in der Umgebung dahinschmelzen wie das Eis in der Sonne. Manchmal ist man aber einfach so überrascht, welches Verhandlungsgeschick ein Dreijähriger an den Tag legen kann, dass man nicht anders kann, als seine Kreativität zu belohnen. Man träumt eben davon, dass das eigene Kind auch später gewisse Fähigkeiten zu nutzen weiß. Sich ohne Gewalt durchzusetzen, ist ja nun nicht die schlechteste Art, durchs Leben zu gehen.

Der Kindergarten ist leider nur bedingt eine Hilfe. Ich habe schon einmal erwähnt, dass durchaus mehr Ordnungssinn feststellbar ist. Schuhe werden ordentlich abgestellt und Spielsachen wieder aufgeräumt. Doch es gibt im Kindergarten nicht nur Erzieher und Erzieherinnen, sondern auch andere Kinder. Ältere Kinder. Kinder, die schon neue Strategien entwickelt haben, um die elterlichen Bemühungen zu Zucht und Ordnung zu unterwandern. Irgendwie werden diese Dinge schneller übernommen, als die wünschenswerten.

So heißt es derzeit immer erst einmal "Was?" oder "Was hast du gesagt?", wenn die Spielzeugkiste aufgeräumt werden soll, die Zähne geputzt werden müssen oder vorm Schlafengehen nochmal gebieselt werden soll. Unser Kind hat einen Grad an Taubheit erreicht, mit dem ich erst in 10 Jahren gerechnet hätte. Die ganzen schönen, bereits eingespielten Abläufe! Auf einmal werden sie alle wieder in Frage gestellt. "Was? Was hast du gesagt, Mama?" und dabei eine Unschuldsmiene aufsetzen, wie sie im Bilderbuche steht. 

Nur ein Gutes hat dieses nervige Nachfragen. Wir lernen endlich, konsequent zu bleiben. Denn man entwickelt selbst einen Trotz, der das Nachgeben verbietet.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Oma in der Pflicht?

Auf Einer schreit immer erschien kürzlich ein Gastbeitrag darüber, dass man sich als Mutter Unterstützung von der Oma wünschen würde, die aber ihr Leben in vollen Zügen genießt, sich im Fitnessstudio und auf Reisen herumtreibt, während die Working Mum sich wie im Hamsterrad aus Beruf, Haushalt und Kindererziehung fühlt. Früher sei das ganz anders gewesen. Früher hätten Omas gestrickt und mit dem Enkel auf der Parkbank sitzend Vögel gefüttert.
Ich glaube, hier ist jemand dem "Früher war alles besser"-Irrglauben aufgesessen. Zumindest trifft das gezeichnete Bild der Märchen-Oma nicht auf meine eigenen zu. Diese waren jünger als Zwergnases Omas jetzt und auch noch selbstständig. Demnach musste meine Mutter den Alltag mit zwei Kindern auch alleine stemmen. Meine Omas waren da, wenn Not am Mann war oder wenn meine Eltern eben einmal ausgehen wollten. Ich glaube aber nicht, dass sich meine Mutter gewünscht hätte, dass ihre Mutter und ihre Schwiegermutter sich in ihren Haushalt ei…

Mach Mama müde

Endlich Sommerferien! Man wird die im Kindergarten durch soziales Lernen erworbenen Ungezogenheiten wieder los und man erlebt endlich wieder was. Spannung, Spaß und Spiel hilft gegen jegliche Art und jede Tonlage von "Aber Mama, mir ist langweilig!" Zum Beispiel im Vergnügungspark.
In aller Frühe zieht man sich also viel zu viele Kleidungsschichten an, um für jedes Wetter gewappnet zu sein, packt Proviant ein, für den keine Zeit sein wird und erklärt dem aufgeregt herum hüpfenden Kind, dass es wegen der vielen Leute im Park nicht weglaufen soll. Das Kind nickt artig und läuft schon mal voraus ins Auto. Ähm ja.
Der Parkplatz ist der point of no return. Wenn du aus dem Auto steigst, gibt es kein Zurück. Sobald die ersten Fahrgeschäfte in Sicht sind, scheint der Kopf deiner Kinder vor Freude zu explodieren. "Mama! Schau! Damit will ich fahren!" Während Mama sich noch über ihre brillante Ausflugsidee freut, schlängelt sich der 5-Jährige durch die Leute. Nur sein Ziel…

Das Hausschwein

Jedes Mal, wenn ich nach dem Mittagessen unter den Tisch schaue, erscheint mir ein Haustier erstrebenswert. Der Küchenboden wäre jederzeit krümelfrei, geradezu wie geschleckt. Freilich müsste man darauf achten, dass das Tierchen alles verträgt und Übergewicht soll es von den Portionen unter dem Tisch ja auch nicht bekommen. Mit so einem Tier übernimmt man schließlich Verantwortung.

Warum eigentlich nicht? Nach kurzen Recherchen bin ich los und komme mit Pumba wieder heim, unserem neuen Hausschwein, ein kleines Allesfresserchen.

Zunächst sitzt Pumba nur in der Ecke. Soll er sich nur eingewöhnen. Ich sichere derweil die Wohnung. Nicht, dass Pumba versehentlich irgendwelches kleinteiliges Spielzeug erwischt oder sich an herunterhängenden Kabeln zu schaffen macht. Da muss man schon vorsorgen. Man kann sich kein Haustier anschaffen und glauben, dass alles so weiterläuft wie bisher!

Schließlich ermuntere ich Pumba zu einer Erkundungstour. Seine Neugier ist geweckt. Zielstrebig läuft er auf …