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Bei IKEA

Das Wetter ist miserabel. Ununterbrochener Dauerregen. Man ist zuhause eingesperrt. Man muss froh sein, wenn man keinen Schnee zu Gesicht bekommt. Mein Mann und ich sitzen in der Küche und starren gedankenverloren aus dem Fenster. "Wir könnten doch wieder einmal zu IKEA", sage ich in die Stille hinein. Er brummt nur. Das schwedische Möbelhaus ist ein Folterinstrument des Teufels. Speziell für Männer erdacht. Dessen ist er sich sicher. "Wenn wir jetzt fahren, sind wir rechtzeitig zurück, um Zwergnase vom Kindergarten abzuholen." Er blickt auf die Uhr und nickt. Was soll man auch sonst machen, wenn das Kind im Kindergarten ist. Er zieht sich an und will das Auto schon mal aus der Garage holen.

"Hast du eine Klappbox im Auto? Und Körbe?" Überrascht blickt er auf.
"Was willst du denn alles kaufen?"
"Eigentlich nur Messer."
"Und dafür brauchst du eine Klappbox und Körbe? Mehrere?"
"Naja... ist halt IKEA."

Damit ist die Diskussion beendet, Box und Körbe werden im Kofferraum verstaut. Als wenn man bei IKEA wirklich nur das kaufen würde, weswegen man hinfährt. Guter Witz! Es versteht sich von selbst, dass wir das große Auto nehmen. Man weiß ja nie. Auf der Autobahn stehen wir eine halbe Stunde im Stau. Ein LKW ist wegen Aquaplaning von der Straße abgekommen und im Graben gelandet. Mein Mann schaut nervös auf die Uhr. "Das schaffen wir niemals rechtzeitig zurück", sagt sein Blick. "Wir brauchen ja keine Möbel", meine ich, um ihn zu beruhigen. "Wir sind da ganz schnell durch." Er sagt nichts. Glaubt mir aber offensichtlich nicht. Schnell durch bei IKEA? Wer's glaubt! Wenn's nur Möbel wären! Aber er hat die Deko-Krimskrams-Hölle voller Teelichter, Windlichter, Vasen und Servietten vor Augen.

Es ist nicht viel los und wir können direkt vor dem Eingang parken. Wir haben 45 Minuten Zeit, dann müssen wir wieder am Auto sein und uns auf den Rückweg machen. Also schauen, bezahlen, in den Kofferraum räumen. Für meinen Mann ganz klar. Mit Frau in diesem Geschäft? Unmöglich! Ha! Das werden wir doch sehen! Zack, zack, zack sind wir die Treppe oben und biegen links ab zum Restaurant. Von dort aus noch einmal eine scharfe Linkskurve, Treppe wieder hinunter zum Küchenkrempel & Co. Er schnappt sich einen Einkaufswagen und lässt die Reifen qualmen. Bloß keine Zeit verlieren.

Ich laufe zum Geschirr. Hier ein Teil, da ein Teil, was ich in der Küche ganz unbedingt noch brauche. Völlig unmöglich, dass ich ohne dieses und jenes auch noch eine Stunde länger in der Küche zubringe! Ihm dämmert, warum ich während der Fahrt eher schweigsam war. Ich habe meinen Einkaufszettel im Kopf ergänzt. Am längsten brauchen wir vor den Messern. Welches haben wir gleich nochmal schon daheim? Das kurze oder das lange Kochmesser? Das lange? Nein, das kurze. Oder? Nimm doch einfach eins!, schreit sein Blick. Mit jeder Minute mehr im Laden scheint das Fegefeuer unerträglicher. Ich greife zum langen, zum Gemüsemesser und zu drei Obstmessern. Zack, zack, zack. Landen sie im Wagen.

"Ab zur Kasse!", meint er dann. Äh, nein. Ich wollte doch noch ein paar neue Handtücher... "Wir haben aber keine Zeit mehr!" Ach, da brauchen wir doch nicht lang. Stimmt auch. Ich bin ziemlich schnell fündig und lege die Handtücher sogar noch zusammen. Er tritt von einem Fuß auf den anderen. Na gut. Ein wenig mach ich das vielleicht, um ihn zu ärgern. Was sich liebt und so. Aber er hat ja recht. Die Zeit drängt. Zu seiner großen Erleichterung brauch ich keine Teelichter, keine Servietten, keine Vasen oder sonstiges dekoratives Zeug in der Ramschzone vor den Kassen. Mir würden allenfalls noch so Süßigkeitengläser gefallen... Aber nein. Brauchen wir nicht. Brauchen wir nicht?! Er hört wohl nicht richtig? Der Herr hat Erbarmen und das Ende ist nah. Erlösung!

Er atmet auf, als er genau 45 Minuten später den Zündschlüssel dreht. Eine Klappbox und ein Korb sind voll. Aber nur, weil die Handtücher soviel Platz brauchen! Das schwöre ich! Zwergnase wird rechtzeitig vom Kindergarten abgeholt und mein Mann ist erleichtert. Die nächsten 3 Monate kann er behaupten, dass wir doch eh erst bei IKEA waren. Gut, dass ich das richtige Kochmesser erwischt habe und wir es nicht zurückgeben müssen...

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