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Do it yourself - Mach's dir doch selbst!

Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich mit meinen Händen höchst ungeschickt bin. Am Ende kommt nie das Bild heraus, das ich im Kopf habe. Stattdessen kann man meine Erzeugnisse nicht von denen eines Kindergartenkindes unterscheiden. Handarbeit und Werken waren in der Grundschule für mich ein Graus und ich war froh, ab der 5. Klasse Sport als Wahlfach nehmen zu können. Zu meinem Leidwesen ist Do it yourself, kurz DIY, aber voll im Trend.


Ich will es nicht leugnen, es ist nicht so, dass ich es nicht versucht hätte. Vor einer Weile habe ich mit Perlen gewebt und gefädelt. Eine überaus entspannende Tätigkeit neben dem immer schlimmeren Fernsehprogramm, aber die Resultate waren trotzdem nicht vorzeigbar. Es ist ein Zeitvertreib. Ob nun Nähen, Malen, Häkeln, Stricken, Basteln, Dekorieren oder auch Marmeladen einkochen, Liköre ansetzen, Brot und Brötchen backen oder Handcremes, Peelings und Duschpralinen mit der Lotta produzieren - macht, was euch Spaß macht! Macht, was euch entspannt!

Aber um Himmelswillen, warum muss man die Produkte des eigenen Hobbys denn immer anderen Leuten aufs Auge drücken? So richtig bewusst wurde mir das vor Weihnachten in der Facebook-Gruppe zur Lotta. Es wurde geradezu nach Präsent-Ideen gegiert und täglich wurden Fotos von diversen Fläschchen mit oben genannten "Produkten" gepostet. Klar, schön mit Schleifen und Etiketten verziert, in Folie gepackt. Das "perfekte" Mitbringsel. Es soll aussagen "Ich habe das für dich gemacht! Ich habe mir Zeit für dich genommen!" Dabei ist das meiste sogar gekauft reine Geldverschwendung, Badesalz zum Beispiel.

Nur leider fehlt dabei meistens das "Ich hab daran gedacht, was du gerne magst." Oder man stellt einfach fest, dass auch andere lieber Sport statt Handarbeit/Werken gewählt hätten. Eigentlich steht ja nicht der Beschenkte, sondern das eigene Hobby im Vordergrund. Weil man irgendwann nicht mehr weiß, wohin mit dem ganzen Zeug, wird es unter dem Deckmäntelchen des "Ich hab an dich gedacht!" verschenkt.

Und was tut man, wenn man mit DIY-Ergebnissen konfrontiert wird? Wer sagt den großen, erwartungsvollen Augen schon seine ehrliche Meinung? Ein Moment der peinlichen Stille und einem geräusperten "Ach, wie schön..." Dann kommt man ja meistens nicht einmal mit einem Dankeschön davon! Nein, da wird gebohrt mit "Na, gefällt's dir? Ich dachte, das sei genau das Richtige für dich!" Echt? Und deshalb bekommen die anderen 5 auch alle dasselbe? So ein Glück, dass wir uns wohl alle so ähneln...

Mir ist tatsächlich miteinander verbrachte Zeit bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen (das darf dann auch gerne selbst gemacht sein!) tausendmal lieber. Und nun werde ich meine übrigen Mandarinen zu Konfitüre verarbeiten. Wer ein Glas haben will, dem mach ich sogar ein Schleifchen rum. Ansonsten ist es nur und ausschließlich zum Eigenverbrauch gedacht. Also keine Angst...

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