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Der Dino in meinem Bett


"Wuagherrrahhhhggggaaawwwaaaaa!" Die Fensterscheiben zittern und das Wasser im Glas vibriert. "Der Tyrannosaurus hat Huuuuuuuuunger! Er will eine Kuhhhhh! Wuaghhhhhhhhaaaaarrrrrggggghhhh!" - "Da, nimm dir eine aus der Kiste, kleiner T-Rex, da sind genug drin!" Und dann schlägt der braungrüne T-Rex auch schon seine säbelartigen, mehrere Zentimeter langen Zähne ins Fleisch der Kuh und verputzt sie bis auf die letzte Sehne. Die Kuh ist und bleibt eben ein Nutztier, sie steht in der Nahrungskette eben eher weiter unten. Das hat selbst der kleine T-Rex Zwergnase schnell begriffen.

Sein schöner Stall immer leerer. Denn die Dinos haben Hunger. Zumindest ist es in Ice Age so. Und in diesen Terra-X-Dokumentationen. Und in den ganzen Dino-Kinder-Sachbüchern, von denen wir inzwischen eine stattliche Anzahl besitzen. Jeden Abend werde ich darüber belehrt, dass die Dinos vor gaaaaaaanz langer Zeit gelebt haben und die Fleischfresser die Pflanzenfresser aufgefressen haben. Außer wenn der Pömpeldino mit seinem Pömpel das Bein vom T-Rex gebrochen hat. Manchmal auch vom Allosaurier. "Aber Mama! Das ist doch kein Pömpeldino! Das ist ein Ankylosaurier!" Oh, Verzeihung. Wie konnte ich das nur vergessen. Dabei bin ich mir ganz sicher, dass das vor zwei Tagen noch ein Pömpeldino gewesen war. Heute sind aber sowieso nur noch die Skelette der Dinos übrig. "Die sind doch alle tot, Mama! Du brauchst keine Angst haben!" Gut zu wissen. Aber weil so viele Zähne doch ein gewisses Maß an Sicherheit bieten, muss jetzt jeden Tag ein Dino mit ins Bett. Natürlich nicht der Brachiosaurier (langer Hals, langer Schwanz, Pflanzenfresser) aus Plüsch, sondern der steinharte, gummierte T-Rex von Schleich, der etwa so kuschelig und anschmiegsam wie ein Fels in der Steinwüste ist. Ein T-Rex als Schoßhündchen ist nämlich äußerst praktisch, weil es alle Monster und Geister aus dem Kindergarten vertreibt.

Und so schläft Zwergnase auf dem Rücken liegend ein, den Dino vor der Brust fest umklammernd. Dort muss er bleiben. Die ganze Nacht. Denn wenn man es gut meint, und das sperrige und kratzige Ding dann auf den Nachttisch stellt, dauert es etwa fünf Minuten, bis Zwergnase panisch schreit: "Wo ist mein Dino?! Mama! MAMA!? Ich brauch meinen Dino!" Mit dem Dino wieder auf der Brust schläft er dann selig weiter - vorzugsweise in unserem Bett. Die Nähe zu Mama und Papa kann auch kein T-Rex ersetzen, was sein Unterbewusstsein scheinbar ebenfalls spürt. Nur so kann ich es mir erklären, dass mir dann das Tier mittendrin um die Ohren fliegt, mich beißt oder an meiner Wange kratzt. Wobei ich nicht weiß, ob es Zuwendung sucht oder vor Zwergnases Klammergriff flüchtet. Aber wehe, der T-Rex wird zur Seite gestellt... Das geht auf keinen Fall. Der Dino muss mit ins Bett. Ein Dino hat schließlich auch Rechte.

Positiver Nebeneffekt: Ich kenne nun die gängigsten Dinos, was alle vier Teile von Jurassic Park in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt. Da freut man sich über Stegosaurus, Triceratops, Brachiosaurus, Spinosaurus, Mesosaurus, Velociraptor, Parasaurolophus, Pteranodon und Pömpeldino... ähhhh Ankylosaurus... wie über alte Bekannte.

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