Direkt zum Hauptbereich

Morgenroutine


Ich bin ein ausgesprochener Morgenmuffel. Wenn ich mich aus dem Bett quäle, will ich erst einmal meine Ruhe haben. Lediglich das Gute-Laune-Gedudel im Radio ist erträglich. Ich trinke in aller Ruhe und Stille meinen Kaffee. Mann und Kind schlafen noch und erhalten allerhöchstens einen Abschiedskuss. Mein Idealstart in den Tag.

Doch dann gibt es auch Tage, die laufen ganz anders ab. Nämlich dann, wenn auch mein Mann früh zur Arbeit und Zwergnase in den Kindergarten muss. Dann sitzt mein Morgenmuffel heulend in der Ecke und will sich aufhängen. Es beginnt damit, dass unsere Wecker kurz nacheinander losgehen. Ich bleibe erst einmal liegen und lasse ihn als Erstes ins Bad. So sucht er normalerweise das Weite, wenn ich aus der Dusche steige.

Ich liege also mit offenen Augen im Dunkeln und starre an die Decke, die ich nicht sehe. Ich atme tief durch und bereite meinen Morgenmuffel auf den Tag vor. Irgendwann schäle ich mich aus dem Bett, schiebe eine Aufbacksemmel für den Zwerg in den Ofen, mache ihm außerdem eine Flasche Milch warm und erledige anderen Krimskrams, bis ich höre, dass mein Mann aus der Dusche steigt.

Als ich die Tür öffne, schalmeit mir schon ein "Guten Morgäääään!" entgegen, denn im Gegensatz zu mir ist mein Mann morgens unverschämt gut gelaunt. Ich brumme irgendetwas zurück, was definitiv ein "Was ist denn los?" zur Folge hat, obwohl wir uns doch schon ein paar Jährchen kennen. Dann ärgere ich mich erst einmal, dass er seine Arbeitsklamotte wieder einmal auf meine gebügelte Bluse geworfen hat, statt sie irgendwo anders bereit zu legen. Platz genug hätten wir ja. Aber ich sage nichts. Ich mahle nur mit den Zähnen. Zu oft haben wir die Diskussion schon geführt und, ach... lassen wir das. Die Dusche entspannt.

Ich spüre das Wasser auf meinem Kopf und lasse es einen Teil der schlechten Laune wegwaschen. Klingt esonarrisch-hyperpsychologisch? Na gut. Ich bin einfach noch zu schlaftrunken und brauche eine Minute, ehe ich zu Shampoo und Duschgel greife. Plötzlich höre ich ein Fiepen, das den Schreien eines verletzten Rehs ähnelt. Was ist das? Da! Schon wieder. Klingt irgendwie... schief? Bis ich begreife, dass mein Mann versucht, ein Lied im Radio mitzupfeifen. Zu seiner Verteidigung muss ich sagen, dass es mit dem Radio im Ohr wahrscheinlich gar nicht so schlimm klingen würde, aber in der Dusche wird das Radio weggefiltert und mein Morgenmuffel und ich hören nur diese schrecklich grellen Töne, von denen wir wissen, dass sie eine Melodie ergeben sollen. Fragt sich nur, welche.

Ich atme tief durch. Ich will meinen Morgenmuffel wirklich nicht von der Leine lassen. Er ist unfair. Und verletzend. Es ist grob fahrlässig, ihn frei rumlaufen zu lassen. Ich atme nochmal tief ein. Ich verschlucke mich am Wasser und bekomme einen Hustenanfall.

Als ich aus der Dusche steigen will, stolpere ich über Zwergnase, der auf dem Duschteppich zusammen gekauert seine Flasche trinkt. Mein Mann ist inzwischen verschwunden, aber nasses Handtuch und leere Geltube lassen mich an ihn denken. Als ich die Zahnpasta auf die Bürste drücke, zupft es am Bademantel. "Ich will auch Zähneputzen!" Sein Hocker landet auf meinem kleinen Zeh, was nicht weh tut. Es tut jedoch sehr wohl weh, wenn Zwergnase dann auf seinen Hocker springt und mein Zeh ächzend nachgibt. Zwergnase braucht Platz beim Zähneputzen. "Mama! Geh weg!" Wie gut, dass man sein Kind bei vorbildlichen Verhalten nicht schimpfen will/kann/sollte/etc. Irgendwann hüpft er vom Hocker, mein Zeh dankt es, und ich kann mir die Haare machen. Ohne Brille starre ich mit zusammengekniffenen Augen in den Spiegel und versuche zu Föhnen. Bis mir auffällt, dass es still ist. Zu still.

Tatsächlich findet Zwergnase, dass auch die Luftschächte des Trockners Zahnpasta vertragen könnten. Ein kleiner Teil meines Gehirns fragt sich, wie oft er und der Trockner sich die Zahnbürste schon geteilt haben. Es gibt Gebrüll, als ich ihm die Bürste wegnehme.

Während ich mich schminke, räumt Zwergnase den Schrank neu ein. Dazu muss erst einmal alles raus und auf den Boden. Als ich die Küche betrete, möchte ich nur noch wieder zurück ins Bett und mir die Decke über den Kopf ziehen. Aus dem Kaffee wird auch nichts, denn auf einmal hat es Zwergnase sehr eilig, in den Kindergarten zu kommen. "Fahren wir?" fragt er mit seinen großen blauen Augen. "Ich trinke noch meinen Kaffee", versuche ich es. "Darf ich mal sehen?" sagt er und fasst nach der Tasse, deren Inhalt sich dann über den Tisch verteilt. Spätestens da heult mein innerlicher Morgenmuffel und gibt auf.

Ein total entspannter Morgen.

Kommentare

  1. Lol... sehr schön geschrieben, danke! :)

    AntwortenLöschen
  2. Ich fühle mit Dir,bin auch ein Morgenmuffel und hab mich in vielen wiedererkannt.Ich habe auch zwei männliche Prachtexemplar die mich nicht verstehen.
    Und täglich Grüsst das MurmelTier!

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Shoppingtour

Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich mit Vorliebe online shoppe. Das hat verschiedene Gründe. Abends auf der Couch quengelt mir kein Kind ins Ohr, läuft davon, betatscht und begrapscht alles, braucht ein Klo, will ein Spielzeug haben oder findet Kleidung probieren langweilig. Ich brauche die Kinder erst gar nicht anziehen und ins Auto packen, keine Tasche mitschleppen, mit dessen Inhalt wir drei Tage in völliger Abgeschiedenheit überleben könnten, ich brauche keinen Parkplatz suchen und bezahlen.
Dennoch war ich vor kurzem mit meiner Mutter shoppen. Die Kinder habe ich dem Mann aufs Auge gedrückt und dann sind wir nachmittags in die City. Wir brauchten Kleider für einen festlichen Anlass. Da sind wir penibel, da wollen wir den Stoff sehen und fühlen, die Qualität vorab prüfen. Außerdem fallen die Größen bei Abendkleidern so unterschiedlich aus, dass es ohne Anprobieren nicht geht.
Im einschlägigen Bekleidungsgeschäft in der Deggendorfer Einkaufspassage Degg's stehen wir in der e…

Beziehungspause

Es hätte alles so schön sein können. Mixen, kochen, rühren, pürieren, dämpfen. Meine Lotta hat all das übernommen. Täglich war sie im Einsatz. Was hab ich auf einmal Marmeladen und Gemüsepaste eingekocht. Doch nach der ersten Euphorie folgte Ernüchterung. Ich ertappte mich immer öfter, dass ich nach dem Stabmixer mit seinem Universalzerkleinerer-Aufsatz suchte, weil dieser leichter zu reinigen ist als der große Mixtopf mit seinem Vier-Klingen-Einsatz. 
Eigentlich hätte ich vorgehabt, Apfelbäckchens Menüs mit Lottas Hilfe zuzubereiten. Doch wenn man allen Aufwand aufrechnet, kann man auch Alete und Hipp für einen kochen lassen. Also hörte Lotta die kleinen Gläschen klirren, als ich sie in den Schrank sortierte. Ja, zwischen Lotta und mir kriselt es gewaltig.
Sie muss das gespürt haben. Vielleicht hat sie sich vernachlässigt gefühlt, vielleicht hat sie eine Schnute gezogen, als ich mehrere Gläser Marmelade entsorgt habe. Denn das einfache Einkochen nützt gar nichts, wenn die Marmelade …

Dino Expo XXL in Deggendorf

Gestern und heute gastiert die Dino Expo XXL auf dem Festplatz in Deggendorf. Mit einem großen kleinen Dinofan zuhause überlegt man natürlich, ob sich ein Besuch lohnt. Die Bewertungen auf Facebook sind allerdings nicht gerade berauschend. Vor allem der Preis wirkt abschreckend. Wer nicht über eine Sonderkarte verfügt, zahlt für einen Erwachsenen 9 Euro und für Kinder 8 Euro, vergünstigt kostet der Eintritt 6 Euro. Die Ausstellung öffnet um 11 Uhr und schließt um 18 Uhr.
Geboten werden Nachbildungen der einschlägigen Dinoarten, die allen Eltern von interessierten Kindern bekannt sein dürften, etwa der T-Rex und ein Spinosaurier, ein Parasaurolophus und ein Triceratops. Es gibt Dinos zum Herumklettern, einen Sandkasten, in dem nach Knochen gegraben werden kann, einen T-Rex-Kopf in Originalgröße, zwei Urwaldwelten, ein Infozelt, in dem eine Doku abgespielt wird und Miniaturskelette ausgestellt werden sowie viele Sachtexte und Bilder. Weiterhin gibt es einen Verkaufsstand mit überteuerte…