Direkt zum Hauptbereich

Kindergarten für Anfänger

Mit Zwergnases Kindergartenbesuch habe ich mich auf das Schlimmste gefasst gemacht. Schimpfwörter, Untugenden, Kinderkrankheiten. Getreu dem Motto, dass es mich dann nicht so hart treffen würde, wenn es so kommt. Doch nach nur vierzehn Tagen bin ich überaus überrascht, welchen Einfluss der Kindergarten wirklich auf Zwergnase nimmt.


Was haben wir uns abgemüht mit "Räum das erst auf, bevor du mit etwas anderem spielst!", "Nicht werfen! Nein! NICHT WERFEN!" oder "Bleib stehen! Du musst die Gummistiefel doch... der Boden ... frisch gewischt...!" Manche Tage laufen besser als andere. An den anderen trenne ich die Teile von zehn Puzzles und baue sie selbst zusammen - allesamt Bauernhofmotive. Vergiss 5000 Teile. Das ist wirklich Puzzlen für Fortgeschrittene. In der Zwischenzeit wird ausprobiert, wie weit die Spielzeugautos vom Balkon aus in den Garten fliegen können. Von wegen, alles was Flügel hat... Und wenn man die Autos dann wieder holt (Betonung liegt auf wenn), läuft man mit den dreckigen Schuhen natürlich durch alle Räume.

Doch dann kam der Kindergarten. Ich muss sagen, so ein wenig habe ich ja schon darauf gehofft, dass bei gewissen Verhaltensweisen die Gruppendynamik greift. Schon bei der Eingewöhnung wurde ich nicht enttäuscht. Bevor alle Kinder in den Garten durften, sollten sie sich auf den Boden setzen. Was auch alle taten, nur Zwergnase lief im Waschraum wie ein aufgeregtes Eichhörnchen herum. (Gibt es eigentlich nicht-aufgeregte Eichhörnchen?) Doch als er bemerkte, dass alle anderen saßen, setzte auch er sich.

Nach vierzehn Tagen aber fiel ich fast vom Stuhl. Die Schuhe werden selbstständig in der Garderobe gewechselt, die Stifte fein säuberlich in die Box gelegt, in den Schrank geräumt und als er sein Wasser aus Versehen verschüttete, kam Zwergnase an und fragte, was er jetzt machen soll. Verdattert drückte ich ihm ein Geschirrtuch in die Hand und sah zu, wie er das Malheur beseitigte und das Geschirrtuch dann in den Wäschekorb warf. Mit einer Selbstverständlichkeit als wäre es noch keinen Tag anders gewesen.

Letztens tapste er mit seinen nackten Füßchen nachts in die Küche. "Zwergnase? Was machst du denn da?" fragte ich verschlafen. Und als er mit einem Ernst im Gesicht, der ihn 50 Jahre alt werden ließ, sagte "Ich hole mir etwas zu trinken", da tat mir der laufende Meter unendlich leid, weil er so früh in die Selbstständigkeit geworfen wird, weil ich arbeiten gehe. Ich nahm ihn auf den Arm, schenkte Wasser in seinen Becher und ließ ihn trinken. Dann trug ich ihn zu meinem Bett, wo er schon an meine Schulter gekuschelt eingeschlafen war, als ich ihn ablegen wollte. Vorsichtig legte ich mich mit ihm hin und er rückte die restliche Nacht keinen Zentimeter von mir ab.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Von Kochkünsten und Küchenexperimenten

Zwergnases Speisekarte ist recht eingeschränkt. Am liebsten mag er Nudeln mit Brokkoli oder Knödel mit Soße. Wenn er gut drauf is(s)t, gehen auch mal Bratwürstl mit Kartoffelbrei. Allerdings liebt er Muffins. Da könnte man an einem Samstag mal gemeinsam herzhafte Muffins backen, denke ich mir. In meinen Kochbüchern finden sich zum Beispiel diese grünen Cupcakes. Statt Spinat muss das doch auch mit Brokkoli gehen. Perfekt. Er mag Brokkoli, er mag Muffins und er mag mir beim Muffinbacken helfen. Der Samstagvormittag ist gerettet.

Nicht. Ich zeige Zwergnase das Rezeptfoto und frage ihn, ob er helfen will. Er sieht mich mit dem weisen Blick eines Teenagers an, bevor er meint:
"Mama, die sehen komisch aus. Wenn die nicht schmecken, backen wir richtige Muffins! Ausgemacht?"  Dann widmet er sich wieder seinen Dinos. Aber so schnell gebe ich nicht auf. Ich mache mich ans Rezept.

Als erstes passe ich das Rezept meinem Kühlschrank an. Frischer Blattspinat? Hab ich nicht und will ich j…

Shoppingtour

Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich mit Vorliebe online shoppe. Das hat verschiedene Gründe. Abends auf der Couch quengelt mir kein Kind ins Ohr, läuft davon, betatscht und begrapscht alles, braucht ein Klo, will ein Spielzeug haben oder findet Kleidung probieren langweilig. Ich brauche die Kinder erst gar nicht anziehen und ins Auto packen, keine Tasche mitschleppen, mit dessen Inhalt wir drei Tage in völliger Abgeschiedenheit überleben könnten, ich brauche keinen Parkplatz suchen und bezahlen.
Dennoch war ich vor kurzem mit meiner Mutter shoppen. Die Kinder habe ich dem Mann aufs Auge gedrückt und dann sind wir nachmittags in die City. Wir brauchten Kleider für einen festlichen Anlass. Da sind wir penibel, da wollen wir den Stoff sehen und fühlen, die Qualität vorab prüfen. Außerdem fallen die Größen bei Abendkleidern so unterschiedlich aus, dass es ohne Anprobieren nicht geht.
Im einschlägigen Bekleidungsgeschäft in der Deggendorfer Einkaufspassage Degg's stehen wir in der e…

Beziehungspause

Es hätte alles so schön sein können. Mixen, kochen, rühren, pürieren, dämpfen. Meine Lotta hat all das übernommen. Täglich war sie im Einsatz. Was hab ich auf einmal Marmeladen und Gemüsepaste eingekocht. Doch nach der ersten Euphorie folgte Ernüchterung. Ich ertappte mich immer öfter, dass ich nach dem Stabmixer mit seinem Universalzerkleinerer-Aufsatz suchte, weil dieser leichter zu reinigen ist als der große Mixtopf mit seinem Vier-Klingen-Einsatz. 
Eigentlich hätte ich vorgehabt, Apfelbäckchens Menüs mit Lottas Hilfe zuzubereiten. Doch wenn man allen Aufwand aufrechnet, kann man auch Alete und Hipp für einen kochen lassen. Also hörte Lotta die kleinen Gläschen klirren, als ich sie in den Schrank sortierte. Ja, zwischen Lotta und mir kriselt es gewaltig.
Sie muss das gespürt haben. Vielleicht hat sie sich vernachlässigt gefühlt, vielleicht hat sie eine Schnute gezogen, als ich mehrere Gläser Marmelade entsorgt habe. Denn das einfache Einkochen nützt gar nichts, wenn die Marmelade …